Wunderkind Ethan Ampadu versetzt sein Heimatland Wales in Ekstase © SPORT1-Grafik: Getty Images

München - Er ist erst 17 und hat bereits bei seinem Pflichtspieldebüt für Wales die Herzen seiner Landsleute erobert. Die Geschichte von Wales-Wunderkind Ethan Ampadu.

von Marcel Bohnensteffen

Vergessen Sie alles, was Sie über den walisischen Fußball wussten.

Denken Sie einmal nicht an Gareth Bale. Diesen kongenialen Linksfuß, der sich anschickt, der neue Leader bei Real Madrid zu werden. Lassen Sie für einen Moment die epische Karriere von Ryan Giggs, dem heutigen Nationaltrainer, außer Acht.

Denn der neue Emporkömmling dieses Fußball-Landes heißt Ethan Ampadu. Merken Sie sich diesen Namen.

Denn dieses 17-jährige Wunderkind hat einen riesigen Hype unter seinen Landsleuten entfacht. Eine nationale Ekstase, für die ganze acht Sekunden Anlaufzeit nötig waren.  

Senkrechtstart für Wunderkind Ampadu

Donnerstagabend, City Stadium zu Cardiff: Auftakt der Nations League gegen Irland: Ampadu läuft zum ersten Mal in einem Pflichtspiel für sein Heimatland auf. Und in Minute 37, da ist sein großer Moment gekommen.

Ampadu erobert den Ball im Mittelfeld, stürmt durch selbiges. Die Abendbrise weht seine Haarpracht durcheinander, die Rastalocken stehen in alle Himmelsrichtungen. Optisch kommt dieser Ethan Ampadu wie eine Mischung aus David Luiz und Renato Sanches daher. Nur dass er beiden wohl davonlaufen würde mit seiner Sprintfähigkeit.

Ampadu denkt in diesem Moment weder an Luiz noch an Sanches. Er hat nur Augen für Kollege Aaron Ramsey. Ein Blick, ein Pass, Ramseys 3:0 – Cardiff City steht Kopf. Acht Sekunden im Leben des Senkrechtstarters Ethan Ampadu.

Später am Abend wird der Rookie Lobeshymnen über sich hören. Angestimmt vom eigenen Trainer und den Granden in den TV-Studios. "Er ist ein talentierter Spieler, als Mensch so ausgeglichen, so reif für so einen jungen Spieler", schwärmt Ryan Giggs nach dem 4:1-Sieg seines Teams. "Er wird ein großartiger Spieler werden".

Der frühere Irische Verteidiger Phill Babb, eine Liverpool-Legende aus vergangenen Zeiten, heute Experte bei Sky Sport, lobpreist: "Ihm liegt die Welt zu Füßen."

Als 13-Jähriger schon bei der U18

Dabei ist dieser Ampadu ja beileibe kein Unbekannter. Zumindest nicht für solche, die sich auskennen in den Niederungen des walisischen Fußballs. Groß geworden ist er in der Jugendakademie des heutigen Drittligisten Exeter City.

Sein Trainer damals war Simon Hayward. Er übernahm Ampadu als Siebenjährigen und schickte ihn als erstes in die U9. "Als Ethan zu uns kam", erzählt Hayward dieser Tage stolz im Fernsehen, "haben wir ihm erlaubt, ihn zwei Jahrgänge über seiner Altersklasse spielen zu lassen".

Es war nur der erste Quantensprung in Ampadus Karriere. Als 13-Jähriger spielte er bereits im U18-Team. Nicht mal Dortmunds Youssoufa Moukoko hat so viele Altersklassen übersprungen. Geschadet hat das Ampadu nicht. Im Gegenteil.

Spätestens 2012 erkannten die Verantwortlichen von Exeter, dass ihrem Nachwuchsjuwel eine große Karriere bevorstehen würde. Ampadu wurde zu Probetrainings geschickt: zu Manchester City, Arsenal, Tottenham, und Liverpool. Einen Vertrag unterschrieb er schließlich beim FC Chelsea.

Ampadu Chelseas Kapitän der Zukunft?

Bei den Blues spielt er hauptsächlich für die Reserve. Auf zwei Minuten Einsatzzeit in der Premier League kommt er, als Joker gegen Huddersfield vergangene Saison.

Im League Cup brachte ihn Antonio Conte im Viertelfinale gegen Bournemouth. Ampadu spielte furios auf. Es gibt Chelsea-Fans, die sehen ihn seitdem als kommenden Kapitän der Blues. Sollte es jemals dazu kommen, hätte Ampadu David Luiz nicht nur optisch beerbt.

Aber so weit ist es noch nicht. Die Conte-Ära ist bekanntlich Geschichte. Und wie jeder Profi muss sich auch Wunderkind Ampadu unter neuem Trainer neu beweisen. "Ich versuche einfach mich immer weiter zu verbessern und in die Mannschaft zu kommen. Ich will dem Trainer zeigen, was ich kann", sagte Ampadu nach dem Sieg gegen Irland.

Maurizio Sarri, so war am Freitag im Umfeld des Klubs zu hören, erwäge, Ampadu nach seinem Auftritt im Länderspiel in den Profikader hochzuziehen.

Es wäre der nächste Aufstieg in seiner steilen Karriere.