Markus Stenger ist seit Oktober 2017 Leiter des Bewerbungsverfahrens für die Euro 2024
Markus Stenger ist seit Oktober 2017 Leiter des Bewerbungsverfahrens für die Euro 2024 © Getty Images

Am 27. September wird die EM 2024 vergeben. In Nyon entscheidet ein gutes Dutzend Funktionäre, ob im Deutschen Fußball-Bund (DFB) nach turbulenten Monaten wieder Ruhe einkehrt - oder die Krise noch tiefer wird.

von Sportinformationsdienst

Zumindest bis in seine Träume wird Markus Stenger von denen, die über die nähere Zukunft des DFB entscheiden, noch nicht verfolgt. "Wir haben im Endspurt noch so viel zu tun, dass ich abends eigentlich ganz gut einschlafe", sagte der Chef der Bewerbung um die EM 2024 im SID-Interview.

Die Entscheidungsträger der UEFA sind dann ganz weit weg. Daran haben offenbar auch die vielen Baustellen und Krisen im DFB nichts geändert.

"Natürlich ist es nicht erfreulich, dass der DFB aktuell für viele Dinge sehr negativ dargestellt wird. Teilweise auch zu Unrecht", sagte Stenger: "Aber wir im Bewerbungsteam konzentrieren uns ausschließlich auf die Inhalte und Stärken unserer Bewerbung und lassen uns nicht ablenken."

Zudem sei die Kampagne, die er mit einem recht kleinen Team voranbringt, "keine alleinige Bewerbung des DFB, sondern eine des gesamten Landes".

Einen direkten Einfluss auf unsere Arbeit "hatten die vergangenen Monate nicht, das beweisen auch die seit Jahresbeginn konstant hohen Zustimmungswerte in der Bevölkerung", sagte Stenger.

Hoffnung auf saubere und ehrliche Wahl

Vergeben wird das Turnier am 27. September durch das Exekutivkomitee der UEFA. Der einzige Konkurrent ist die Türkei. Wahrscheinlich 17 Funktionäre entscheiden dann, ob im DFB nach turbulenten Monaten mit dem geräuschvollen Rücktritt von Mesut Özil, dem WM-Debakel und "Maulwürfen", die E-Mails leaken, wieder Ruhe einkehrt - oder eben nicht.

"Natürlich haben wir ein Gefühl, eine Idee, wer aktuell eher für den DFB und wer eher gegen unsere Bewerbung stimmen könnte. Sicher kann man sich bei einer geheimen Wahl aber nie sein", sagte Stenger, der hofft, dass die Wahl tatsächlich sauberer und ehrlicher als in der düsteren Vergangenheit des Fußball-Funktionärswesens abläuft:

"Wir überlegen sehr genau, mit welchen Werten und Fakten wir welches Mitglied des Exekutivkomitees von unserer Bewerbung überzeugen können. Aber Wasserstandsmeldungen machen wenig Sinn."

WM-Debakel als Chance

Auch, dass der türkische Verband TFF versucht hat, den Özil-Rücktritt auszunutzen, habe sein Team "zur Kenntnis" genommen, meinte Stenger nüchtern. "Aber nicht zuletzt mit Blick auf das Reglement, das  Äußerungen über Mitbewerber klar verbietet, bekennen wir uns auch in diesem Bewerbungsverfahren ganz klar zu Werten wie Respekt und Fair Play", ergänzte er: 

"Sollte es am Ende nicht reichen, werden wir dennoch darauf stolz sein können, dass wir dieses Bewerbungsverfahren von Anfang bis Ende exemplarisch, sauber und fair durchgeführt haben."

Das WM-Debakel in Russland könne für die Bewerbung in gewisser Hinsicht sogar hilfreich sein, meinte der frühere DFB-Abteilungsleiter Spielbetrieb. "Niemand kann jetzt mehr sagen: 'Der DFB hat sowieso schon alles.' Die Weltmeisterschaft in Russland und andere Dinge zeigen, dass wir sehr wohl weiter hart arbeiten müssen", sagte Stenger: "Vielleicht brauchen wir gerade deshalb die EM 2024 als Impuls für den gesamten deutschen Fußball."