Energie Cottbus - SV Babelsberg
Energie Cottbus - SV Babelsberg © Imago
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Bei den Pokal-Finals der deutschen Landesverbände kommt es zu Fan-Ausschreitungen. Die Sieger qualifizieren sich für den DFB-Pokal, der Sport wird zur Nebensache.

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Bei den Endspielen der deutschen Landesverbände 2017/18 ist es teilweise zu Fan-Ausschreitungen gekommen.

Vor allem die hochbrisante Partie zwischen Energie Cottbus und dem SV Babelsberg (Brandenburg) hatte es in sich. Das goldene Tor des hitzigen Spiels erzielte Kevin Weidlich in der 85. Minute für Cottbus, das damit seinen Titel von 2017 verteidigte.

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Pyrotechnik bei Cottbus-Babelsberg

Vor und nach dem Spiel sorgten Babelsbergs Anhänger mit Pyrotechnik für Aufsehen: Bengalos wurden gezündet und führten zu Beginn der zweiten Halbzeit für eine Spielunterbrechung, nach Abpfiff flogen Rauchbomben in Richtung des Energie-Blocks. Babelsbergs Präsident Archibald Horlitz drohte nun sogar mit seinem Rücktritt. "Wenn sich nicht eine geschlossene Front aus Fans und Mitgliedern im Klub bildet, die diese schlimmen Vorfälle aufs Schärfste verurteilt, kann ich meinen Verbleib nicht mehr garantieren", sagte Horlitz. Schon "in den nächsten Tagen" müsse es dafür deutliche Anzeichen geben.

Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke, im Stadion live dabei, zeigte sich entsetzt. "Wieder haben einige Chaoten den Fußball missbraucht", sagte der SPD-Politiker. Babelsbergs Trainer Almedin Civa meinte: "Für mich als Babelsberger ist das ein trauriger Tag."

Siegerehrung muss abgebrochen werden

Am Ende wurde aufgrund der Fanausschreitungen sogar die Siegerehrung abgebrochen, sie soll am kommenden Sonntag in Cottbus nachgeholt werden.

"Ich bin immer noch sprachlos. Im Vorfeld hatte ich mich mit allem zu beschäftigen, nur nicht mit Fußball. Ich hatte die ganze Zeit die Angst, dass wieder was passiert. Dass die Siegerehrung nicht stattfinden konnte, enttäuscht natürlich", sagte Brandenburgs Fußballverbandspräsident Siegfried Kirschen: "Der Fußball wurde missbraucht. Ihr seid die Betroffenen, die Leidtragenden. Ich frage mich, wie lange wir uns das noch gefallen lassen müssen. Das müssen die verantworten, die in unserem Staat die entsprechenden Rechte besitzen, sie aber leider nicht anwenden."

Horlitz, der seit fünf Jahren die Geschicke des Potsdamer Viertligisten leitet, entschuldigte sich für das Verhalten einiger Babelsberg-Anhänger: "Wir entschuldigen uns bei Energie Cottbus und dem Fußball-Verband Brandenburg für die Vorkommnisse zum Ende des Spiels. Wir werden alles daransetzen, die Missstände aufzuklären".

Horlitz meinte weiter, dass ein bisschen Pyro heutzutage bei einem solchen Spiel kaum zu verhindern sei, "doch dass Leuchtraketen in den Gästeblock und Böller auf die eigenen Ordner abgeschossen werden, muss unbedingt verurteilt werden und ist absolut unakzeptabel", sagte der Präsident und kritisierte die Chaoten unter den 9000 Zuschauern.

Im April 2017 war es im Duell beider Teams zu heftigen Fan-Ausschreitungen gekommen, im Energie-Block waren unter anderem Naziparolen gebrüllt worden.

Spielunterbrechungen auch in Bonn und im Saarland

In Bonn versuchten Anhänger von Alemannia Aachen nach einer roten Karte in der Verlängerung das Spielfeld zu stürmen. Die Partie gegen Viktoria Köln musste zwischenzeitlich unterbrochen werden.

Ähnlich ging es im Saarland zwischen dem SV Elversberg und dem 1. FC Saarbrücken zu. Auch hier gab es Fan-Ausschreitungen. Dieses Spiel war sogar eine Viertelstunde lang unterbrochen. Der sogenannte "Tag der Amateure" war also keineswegs Werbung für den Fußball.

Die Partien Waldalgesheim - Wormatia Worms (Landesverband Südwest) sowie Aachen - Viktoria Köln (Landesverband Mittelrhein) wurden erst nach Verlängerung entschieden, zwischen dem Karlsruher SC und Pforzheim (Landespokal Baden) ging es sogar bis ins Elfmeterschießen. Allerdings lief der Drittligist KSC weitgehend mit der zweiten Mannschaft, weil das A-Team am Dienstag in Aue zum entscheidenden Relegationsspiel antreten muss.

Alle Sieger für DFB-Pokal qualifiziert

Für ein sportliches Ausrufezeichen sorgte unter anderem der Sechstligist SV Linx, der sich durch ein 2:1 beim Oberligisten FC 08 Villingen die Teilnahme an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals und 115 000 Euro Prämie sicherte. Auch die Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Magdeburg und SC Paderborn wurden als Landespokalsieger gefeiert.

Alle Pokalsieger aus den 21 deutschen Landesverbänden nehmen automatisch am DFB-Pokal 2018/19 teil. Sofern der Landespokal-Sieger bereits als Tabellenerster, -zweiter, -dritter oder -vierter der 3. Liga am DFB-Pokal teilnimmt, qualifiziert sich der jeweilige Final-Gegner dieser Mannschaft.

Somit nehmen der 1. CfR Pforzheim (Baden), TuS Erndtebrück und Lok Stendal (Sachsen-Anhalt) trotz ihrer Landespokal-Niederlage am DFB-Pokal teil, da die Sieger Karlsruhe, (Dritter 3. Liga), Paderborn (Zweiter 3. Liga) und Magdeburg (Erster 3. Liga) bereits qualifiziert sind.

Die erste DFB-Pokalrunde wird vom 17. bis 20. August ausgespielt.