Lothar Matthäus erneuert seine Kritik an Per Mertesacker, dessen Offenbarung über Druck im Fußball hohe Wellen schlug. Dennoch "maße er sich" kein Urteil an.

Die Offenbarung von Per Mertesacker im Gespräch mit dem Spiegel, in dem es unter anderem um Druck im Profifußball ging, schlug hohe Wellen, weit über den Fußball hinaus.

Der Profi des FC Arsenal erklärte darin, wie er Zeit seiner Karriere an Brechreiz und Durchfall vor den Spielen litt.

Vor allem die Reaktion von Lothar Matthäus in der Halbzeitpause eines Fußballspiels bei Sky sorgte im Nachgang für zwiespältige Reaktionen.

Matthäus kann Mertesacker nicht verstehen

In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen legte der 57-Jährige nun noch einmal nach: "Ich verstehe natürlich, dass jeder mit Druck unterschiedlich umgeht, aber wenn ich 2006 Druck spüre, dann zeige ich Größe, wenn ich das auch 2006 kommuniziere. Nicht erst 2018, wenn die Karriere vorbei ist", so der Rekordnationalspieler.

Und weiter: "Per Mertesacker hat nach 2006 noch vier oder fünf Verträge im Profifußball unterschrieben. Das ist das, was ich im Nachhinein nicht verstehe."

Mertesacker erklärte, dass er nach dem Ausscheiden der Elf von Jürgen Klinsmann im Halbfinale bei der Heim-WM gegen Italien "erleichtert" gewesen sei. "Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei", so Mertesacker.

"Ich maße mir kein Urteil an"

Als persönlichen Angriff will Matthäus seine Kritik aber nicht verstehen: "Ich habe ihn nicht angegriffen, ich habe gesagt, dass ich seine Aussagen aus meiner persönlichen Erfahrung nicht nachvollziehen kann. Ich maße mir kein Urteil über seinen Seelenzustand an."

Einen Psychologen zu Rate zu ziehen hätte er dabei als "Stärke, nicht als Schwäche" interpretiert. Druck gehöre im Profifußball einfach dazu. "Ein anderer hätte sich gefreut, wenn er gespielt hätte."

Spaß statt Druck

Er selbst habe in seiner langen Laufbahn nie Druck verspürt, erklärte der frühere Weltfußballer: "In meiner aktiven Karriere habe ich nur Spaß gehabt am Fußball. Ich war nur glücklich, auf dem Platz zu stehen."

Der gebürtige Franke zieht einen Vergleich zu seiner Zeit beim FC Bayern, bei dem er zwischen 1984 und 1988 und von 1992 bis 2000 spielte.

"Ich glaube, in den Mannschaften, in denen ich gespielt habe, auf den Positionen, auf denen ich gespielt habe, war der Druck noch größer. Wenn wir mit Bayern München verloren haben, dann hat nicht irgendwer eine auf die Schnauze bekommen, sondern ich. Da musst du einfach stark genug sein, vom Charakter da dagegenzuhalten."

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