Franz Beckenbauer trainierte die deutsche Nationalmannschaft von 1984 bis 1990
Franz Beckenbauer trainierte die deutsche Nationalmannschaft von 1984 bis 1990 © Getty Images

Reinhard Grindel und der DFB stehen wegen der WM-Affäre 2006 derzeit nicht in Kontakt mit Franz Beckenbauer, betonen aber dennoch die Leistungen des 'Kaisers'.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat in der WM-Affäre 2006 derzeit "keinen Kontakt" zu Ehrenspielführer Franz Beckenbauer.

"Ich persönlich bedauere das", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel dem SID: "Ich bleibe dabei, dass wir alle im DFB die Leistungen von Franz Beckenbauer als Spieler und Teamchef unserer Nationalmannschaft niemals infrage stellen würden und sehr genau wissen, was er für den Verband geleistet und für die Atmosphäre der WM 2006 beigetragen hat."

Explizit betonte der 56-Jährige aber, dass diese Wertschätzung für den damaligen Präsidenten des WM-Organisationskomitees, nicht aber für dessen engen Begleiter und früheren OK-Vizepräsidenten Fedor Radmann gelte. 

Beckenbauer hat sich zurückgezogen

Beckenbauer, dessen Rolle im Skandal um das "Sommermärchen" am Dienstag in der ARD erneut beleuchtet worden war, hatte sich zuletzt aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Radmann gilt als "Schattenmann" des Weltmeisters von 1974 (als Spieler) und 1990 (als Trainer) und spielt in der Affäre ebenfalls eine tragende Rolle.

Zu einer anderen Schlüsselfigur, dem Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam (Katar), habe der DFB inzwischen "über seinen Schweizer Anwalt" einen Kontakt hergestellt, sagte Grindel. Das eigentlich für Mitte Dezember angepeilte Treffen habe aber noch nicht stattfinden können.

"Wir haben das grundsätzliche Signal, dass er offenbar bereit ist, mit uns zu reden", sagte der DFB-Präsident: "Wenn ein Termin gefunden wird, werde ich nach Katar fliegen – auch, um mir als Mitglied des FIFA-Council einen Überblick über den Stand der WM-Vorbereitung und die Lage der Bauarbeiter zu verschaffen."

Ominöse Millionensumme

Nach Katar auf ein Konto von Bin Hammam Firma Kemco waren im Jahr 2002 über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer offenbar maßgeblich beteiligt war, die ominösen 6,7 Millionen Euro geflossen, um die sich die Affäre dreht. Warum, bleibt bis heute die zentrale Frage.

Grundsätzlich sei der WM-Skandal weiterhin "belastend" für den Weltmeister-Verband. "Mein Wunsch ist, dass wir möglichst schnell Rechtssicherheit haben", sagte Grindel mit Blick auf die laufenden Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt/Main: "Der Umstand, dass das Verfahren läuft, ist eine Belastung für den DFB, wobei wir alles getan haben, um die notwendigen Schlüsse und strukturellen Konsequenzen zu ziehen."