Andreas Rettig war zwischen 2013 und 2015 Geschäftsführer der DFL
Andreas Rettig war zwischen 2013 und 2015 Geschäftsführer der DFL © Getty Images

München - St. Paulis Geschäftsführer Andreas Rettig gewährt Einblicke in das umstrittene Lizenzverfahren bei RB Leipzig und erklärt seine Ablehnung von Investoren.

von Tobias Wiltschek

Andreas Rettig hat interessante Einblicke in das Lizenzierungsverfahren bei RB Leipzig gegeben.

Der heutige Geschäftsführer des Zweitligisten FC St. Pauli war zur Zeit des RB-Aufstiegs in die 2. Bundesliga im Jahr 2014 in gleicher Position bei der DFL tätig.

Er hatte damals Bedenken, dass eine Lizenzierung Leipzigs gegen die "50+1"-Regel im deutschen Profifußball verstoßen könnte und stimmte daher der Lizenz für das Red-Bull-Projekt nicht zu.

"Ich hatte meine Unterschrift unter die Lizenz für RB Leipzig verweigert", sagte Rettig in der Frankfurter Rundschau. Allerdings habe er als Geschäftsführer nicht das letzte Wort gehabt. "Der Lizenzierungsausschuss hat dann anders entschieden." Dieses Gremium setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen: aus dem 2. Vizepräsidenten des Ligaverbandes, damals Mainz-Präsident Harald Stutz, und vier weiteren Mitgliedern des DFL-Vorstands. Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefasst.

Er könne diese Entscheidung mit Blick auf eine mögliche Klage von Red Bull vor einem ordentlichen Gericht sogar nachvollziehen, so Rettig: "Hier hätte es dann zu einer für den Verband unter wirtschaftlichen, aber auch zeitlichen Gesichtspunkten zu einer nicht mehr beherrschbaren Situation kommen können."

Rettig gegen Investoren

Rettig gehört zu den stärksten Befürwortern der "50+1"-Regel, die es Investoren erschweren soll, deutsche Profi-Klubs zu übernehmen.

Dem Argument, Investoren würden - wie beispielsweise in England - den Kampf um die Meisterschaft spannender machen, tritt der 54-Jährige entgegen.

"Mir fehlt die Phantasie, mir vorzustellen, dass ein Investor derart viel investiert, dass die Bayern angegriffen werden könnten. Der Zug ist abgefahren", sagte Rettig. Außerdem würden Investoren nur bei größeren Bundesliga-Standorten einsteigen, was die Kluft zum Rest der Liga und der 2. Bundesliga noch vergrößern würde.

Den Kampf gegen das Geschäftsgebaren von Vereinen wie Paris Saint-Germain könne der Fußball ohne die Hilfe der Politik nicht gewinnen, so der Geschäftsführer von St. Pauli.

"Wenn klar wäre für Paris Saint-Germain, dass eine Verbandsentscheidung auch den politischen Willen der EU widerspiegelt, wäre die Gefahr geringer, dass das (von der UEFA eingeführte) Financial Fairplay durch einzelne Klubs ad absurdum geführt wird", erklärte Rettig.

Er warnte die Bundesligisten auch davor, die internationale Preistreiberei mitzumachen. "Lassen Sie den Scheich doch 300 Millionen Euro zahlen. Dann sollen die doch ihr Geld verbrennen", sagte er: "Warum müssen wir in diesen Wettlauf einsteigen? Wir in Deutschland müssen unseren eigenen Weg gehen."