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Hamburg - Vereinspräsident Marcell Jansen und sein Vize Thomas Schulz liegen seit Monaten über Kreuz. Nun müssen sie sich auf Kandidaten für den Aufsichtsrat einigen.

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In den Gremien des Hamburger SV spitzt sich mal wieder ein Streit zu.

Es geht um die Besetzung zweier Posten im Aufsichtsrat der ausgegliederten HSV Fußball AG. Laut Satzung muss die Anzahl der Räte sieben betragen, seit Ende März sind zwei Plätze offen. Kandidaten für die Nachbesetzung wählt das Präsidium des HSV e.V. aus, also der Mehrheitsgesellschafter der Profi-Abteilung. (Tabelle der 2. Bundesliga)

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Nicht nur bei diesem Thema liegen Präsident Marcell Jansen und sein Vize Thomas Schulz weit auseinander. Zwischen den beiden herrscht seit Monaten Eiszeit. Auslöser dafür war die vorzeitige Entlassung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann.

Kühne soll damals seine Finger mit im Spiel gehabt haben, sprach sich öffentlich für Veränderungen im Vorstand aus. Anschließend war es Jansens Stimme gegen Hoffmann, die zur endgültigen Trennung führte. 

Jansen will Kühne-Vertrauten im HSV-Aufsichtsrat

Auf der gestrigen Präsidiumssitzung hat Jansen nun einen streitbaren Kandidaten für den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Laut Bild-Zeitung will der Ex-Profi mit Hans-Walter Peters (Sprecher der Geschäftsleitung der Berenberg-Bank) einen Vertrauten von Kühne in den Rat holen.

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Das würde die Machtposition des Investors beim HSV zusätzlich festigen. Denn mit dem Marketingspezialisten Markus Förmming hat Kühne (besitzt über 20 Prozent der Aktien an der HSV Fußball AG) bereits einen direkten Vertreter im Aufsichtsrat.  

Auch die weiteren Aufsichtsräte Michael Krall und Felix Goedhardt werden dem Kühne-Lager zugeordnet. Kontroll-Chef Jansen pflegt ohnehin ein enges und Verhältnis zum Investor und steht mit ihm in regelmäßigem Kontakt.

Der Milliardär hatte sich in der Vergangenheit mehrfach öffentlich für Jansen starkgemacht und sieht ihn zukünftig in einer Führungsrolle im Vorstand.

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Für Schulz hat Kühne zu viel Macht

Vizepräsident Schulz geht der Einfluss von Kühne zu weit. Er hat sechs eigene Kandidaten vorgeschlagen, über deren Zulassung nun ein sogenannter Beirat entscheiden muss. Bis Ende der kommenden Woche soll die Angelegenheit geklärt sein. Ohne Zustimmung des Beirates können die Aufsichtsräte nicht zur Wahl vorgeschlagen werden.  

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Für Schulz ist das Manöver von Jansen durchschaubar: Mit einem weiteren Vertrauten im Aufsichtsrat will er dem Milliardär schon mal entgegenkommen. Seine finanzielle Unterstützung könnte für die HSV Fußball AG zur Überwindung der Corona-Krise überlebenswichtig werden.

Die Gespräche darüber sollen im Januar intensiviert werden. Sowohl die beiden Vorstände Jonas Boldt (Sport) und Frank Wettstein (Finanzen) als auch Jansen haben zuletzt in Interviews die Tür für neue Aktienverkäufe geöffnet.  

Bislang dürfen Anteile über 24,9 Prozent nicht ohne Zustimmung der Mitglieder verkauft werden. Für eine Satzungsänderung braucht Jansen eine Dreiviertelmehrheit. Das dürfte nicht einfach werden.

Die Ultras des HSV haben sich kürzlich in einem längeren Beitrag kritisch über die Einflussnahme von Kühne geäußert und stehen weiteren Aktienverkäufen ablehnend gegenüber: "Es darf aus unserer Sicht insbesondere mit Herrn Kühne keine weitere Zusammenarbeit geben, bei der Investments an Bedingungen geknüpft werden und der HSV somit unter Druck gesetzt werden könnte."

Jansen braucht Mehrheit im Präsidium 

Jansen hat vereinspolitisch also an zwei Fronten zu kämpfen. Die erste wichtige Entscheidung fällt auf der kommenden Hauptversammlung der Aktionäre, die voraussichtlich Ende Januar stattfinden wird. Vorher braucht Jansen eine Mehrheit im Präsidium, um seine Kandidaten durchsetzen zu können.

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Dabei wird es auf die Stimme des zweiten Vizepräsidenten Moritz Schäfer ankommen. Er gilt im dreiköpfigen Präsidium zwischen Jansen und Schulz als Wackelkandidat und hat sich noch zu keiner Richtung bekannt. (Spielplan der 2. Bundesliga)

Falls Jansen im Präsidium die Mehrheit an Schulz verliert, könnte auch eine komplette Neubesetzung des Aufsichtsrates zum Thema werden. Das würde die Machtverhältnisse in den Gremien beim HSV auf den Kopf stellen.

Klar ist nur, dass sich der Klub zwischen einem der beiden Wege entscheiden muss. Auf eine geräuschlose Auseinandersetzung mit dem Thema braucht man beim HSV jedenfalls nicht zu hoffen. Dafür sind die Differenzen zwischen Jansen und Schulz zu groß.