Sven Ulreich gab mit 19 Jahren sein Bundesliga-Debüt für den VfB Stuttgart
Sven Ulreich gab mit 19 Jahren sein Bundesliga-Debüt für den VfB Stuttgart © Imago
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Hamburg - Nach Torjäger Simon Terodde schnappt sich der HSV auch Bayern-Torhüter Sven Ulreich. Nun kann es für die Hanseaten nur ein Saisonziel geben.

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Mit der Verpflichtung von Sven Ulreich ist dem Hamburger SV kurz vor dem Ende der Wechselperiode ein echter Coup mit großer Signalwirkung gelungen.

Die Verantwortlichen haben für die Vakanz auf der Torwartposition nach dem Verkauf von Julian Pollersbeck zu Olympique Lyon die wohl bestmögliche Lösung präsentiert, die auf dem Markt verfügbar war.

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Es spricht für den HSV, dass sich ein Spieler mit dieser Qualität, der fünf Jahre beim FC Bayern München in einer der besten Mannschaften Europas gespielt und dabei 13 Titel gewonnen hat, für einen Wechsel vom Triple-Sieger in die 2. Bundesliga entscheidet.

Neuzugänge machen HSV zum Aufstiegsfavoriten

Sportvorstand Jonas Boldt und Sportdirektor Michael Mutzel müssen offenbar inhaltlich gepunktet haben, um Ulreich von einem Wechsel zum HSV zu überzeugen.

Nach außen bedeutet dieser Transfer vor allem eines: Im dritten Anlauf muss der Wiederaufstieg in die Bundesliga mit aller Macht gelingen.

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Wer einen Torwart mit Champions-League-Erfahrung auf dem Platz hat, mit Simon Terodde einen mehrfachen Torschützenkönig, dahinter Spieler wie Aaron Hunt, Jeremy Dudziak, Sonny Kittel oder Tim Leibold in seinem Kader hat, untermauert die Rolle des Aufstiegsfavoriten in dieser Liga. 

Einen Konkurrenten auf Augenhöhe wie zuletzt den VfB Stuttgart oder davor den 1. FC Köln gibt es diesmal nicht.

HSV kann sich nicht von Favoritenrolle freisprechen

Trotzdem verzichtet der HSV darauf - nach zwei gescheiterten Aufstiegsversuchen auch nicht zu Unrecht - sich verbal zu weit aus dem Fenster zu lehnen. "Wir sind das dritte Jahr in der zweiten Liga. Da müssen wir kleinere Brötchen backen", hat Boldt in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt.

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Klar ist aber auch, dass die Brötchen in Hamburg immer noch größer sind als bei anderen Klubs: Der Profietat ist mit 23 Millionen Euro der mit Abstand höchste in der zweiten Liga. Allein daran gemessen ist Understatement eigentlich fehl am Platz. Vor allem, wenn man Spieler bekommt, von denen die Konkurrenz nur träumen darf.

Zusammenhalt als Schlüssel zum Erfolg

Die Strategie ist diesmal eine andere. In den letzten beiden Spielzeiten ist der HSV weniger an der Qualität seiner Spieler, sondern eher an fehlender Mentalität gescheitert. Führungsspieler sind regelmäßig abgetaucht, als es darum ging, Verantwortung zu übernehmen.

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Die Bosse wissen, dass dieser Verein nur dann in den Griff zu kriegen ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Das war in der Vergangenheit selten, zumindest aber nie über eine ganze Saison hinweg zu sehen.

Ulreich bringt die nötige Spannung mit

Inzwischen ist die Atmosphäre in den Führungsgremien stimmig, betonen die Beteiligten selbst. Und auch die Mannschaft hat nach dem Debakel im DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden Teamgeist und Charakter bewiesen, zuletzt beim 4:3-Sieg in Paderborn. In solchen Momenten können erfahrene Spielertypen wie Terodde den Unterschied machen.

Cheftrainer Daniel Thioune hat mit Ulreich nun eine nicht weniger starke Persönlichkeit dazubekommen, das zeigte sich schon am Sonntag. 

Eigentlich wollte sich der 32-Jährige das Ligaspiel des HSV gegen Erzgebirge Aue ansehen. Nachdem die Partie allerdings wegen positiver Coronafälle bei Aue abgesagt wurde, stand er plötzlich auf dem Trainingsplatz. 

"Ich hatte nicht mal meine eigenen Fußballschuhe dabei. Das sind neue, die ich mir vom HSV ausgeliehen habe", sagte Ulreich. "Ich muss noch ein paar Sachen in München holen und fliege gleich noch mal in den Süden zurück."

Der HSV habe ihn gereizt. "Die Strahlkraft ist enorm", erklärte der Keeper. "Hamburg hat sehr viel Einsatz gezeigt. Wir hatten gute Gespräche. Mir wurde der Plan erklärt. Für mich war es sehr überzeugend. Ein paar Mal hatte ich den Transfer für mich schon abgehakt. Aber jetzt bin ich hier, umso mehr freue ich mich."

Die große Herausforderung wird erneut darin liegen, die Motivation und Spannung über die gesamte Saison aufrecht zu erhalten. Und wer sonst, außer einem Spieler, der beim FC Bayern war, weiß am besten, wie das geht?