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München - Tomas Oral ist wegen des dramatischen Ausgangs der Relegation bedient. Bei SPORT1 rechnet der Trainer des FC Ingolstadt mit den Schiedsrichtern ab.

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Tomas Oral hatte sich auch anderthalb Stunden nach dem Spiel am Samstagabend immer noch nicht beruhigt, als SPORT1 ihn erreichte.

"Ich bin komplett leer und die Mannschaft ist am Arsch", sagte der Trainer des FC Ingolstadt. "Mir fehlen da die Worte. In dieser Relegation, in der meine Mannschaft nach einer katastrophalen ersten Halbzeit in Nürnberg Sensationelles geleistet hat - das haben die Jungs nicht verdient."

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Was für ein Wahnsinn! Der 1. FC Nürnberg rettete sich in einer dramatischen Zitterpartie trotz einer 1:3-Niederlage im Relegations-Rückspiel beim FC Ingolstadt und bleibt dank eines 2:0 im ersten Duell am vergangenen Dienstag in der 2. Bundesliga. Es ist das späte Happy End einer enttäuschenden Saison. Mit einem 0:3 wären die Franken zum erst zweiten Mal seit 1996 in die Drittklassigkeit abgestürzt.

Oral: "Dann ist das extrem bitter"

Grund für Orals Empörung war Schiedsrichter Christian Dingert. Dieser hatte am Samstag im Audi-Sportpark fünf Minuten Nachspielzeit anzeigen lassen, pfiff dann aber erst nach 98 Minuten ab. "Wenn man innerhalb von einer Woche so bestraft wird - die Entscheidung in Würzburg war schon sehr fragwürdig - dann ist das extrem bitter. Für fünf Minuten Nachspielzeit gab es keinen Grund. Dann gab es am Ende der Nachspielzeit noch mal Nachspielzeit und die Szene in der letzten Sekunde war nicht ganz sauber, in der der Schiedsrichter mal am Bildschirm hätte schauen können, ob da alles passte."

Von Betrug wollte Oral allerdings nicht sprechen: "Ich nehme das Wort nicht in den Mund, aber es ist einfach unfassbar bitter, dass so vieles innerhalb der Kürze der Zeit zusammenkommt."

Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung
Nach dem Abpfiff kam es zu einer Rudelbildung © Imago

Nach Abpfiff kam es zu Handgreiflichkeiten, die Schanzer waren nach dem bitteren Ende frustriert. Stefan Kutschke und Filip Bilbija gerieten mit mehreren Nürnbergern aneinander. Oral rannte sofort zum Referee und redete auf ihn ein. "Ich habe ihm ganz klar gesagt, dass es keinen Grund gab, so lange nachspielen zu lassen. Dann schaut er sich nicht mal die letzte strittige Szene an. Er wollte es nicht hören und gab mir auch gleich die Gelbe Karte."

Oral rechnet deshalb bei SPORT1 mit den Schiedsrichtern ab. "Es gibt kein Fingerspitzengefühl mehr. Die Schiedsrichter haben nur noch ihre Anweisungen und sind nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne, weil sie nur noch gelenkt werden. Der Schiedsrichter ist nur noch eine Marionette vom Video-Referee. Das Zwischenmenschliche fehlt komplett."

Abrechnung mit den Schiedsrichtern

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Was muss passieren, damit es besser wird? "Es liegt nicht in meinem Ermessen, da etwas zu fordern, es gibt viele Größen im Fußball. Man sollte die Schiedsrichter immer wieder anstoßen und auf Fehler hinweisen, weil sonst der Fußball kaputt gemacht und zu glatt gebügelt wird."

Oral fällt es schwer, nach vorne zu schauen. "Es ist schon brutal und man denkt nach, wo man die Energie noch mal hernehmen soll und wie so etwas überhaupt zu verkraften ist. Ich war aber schon immer ein Nehmer-Typ und habe die Mentalität, wieder aufzustehen, aber irgendwann ist es auch mal gut."

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Die Mannschaft habe "Großartiges geleistet", man habe "in fünfeinhalb Wochen 13 Spiele absolviert und im Gegensatz zu einem Zweitligisten null Erholungszeit bekommen". Seine Spieler hätten sich nach dem schweren Spiel in Nürnberg "geschüttelt und nie rumgejammert". Man sei froh gewesen über den Re-Start. "Die DFL und der DFB haben schon gute Arbeit geleistet, aber am Ende des Tages war der Drittligist im Nachteil", betonte Oral.

Während bei den Nürnbergern die Trainerfrage noch offen ist, gibt es beim FCI in dieser Personalie Klarheit. Oral wird auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie stehen: "Ich bleibe in Ingolstadt, hatte Liga-unabhängig unterschrieben."