Änis Ben-Hatira im Training des Karlsruher SC
Änis Ben-Hatira im Training des Karlsruher SC © Imago
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München - Der Karlsruher SC hat mit der Verpflichtung von Änis Ben-Hatira für Aufsehen gesorgt. Für den 31-Jährigen ist es wohl die letzte Chance in Deutschland.

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Änis Ben-Hatira ist zurück!

Am Wochenende sorgte er mit einem Tor und einer Vorlage beinahe im Alleingang für den 2:0-Sieg des Karlsruher SC beim SV Sandhausen – dem ersten Auswärtssieg der Karlsruher seit dem ersten Spieltag.

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Es war erst das zweite Pflichtspiel von Ben-Hatira für die Badener und der erste Startelfeinsatz. Auf den letzten Drücker, am letzten Tag des Winter-Transferfensters, war der 31-Jährige nach Karlsruhe gekommen, nachdem er zuvor vereinslos war.

Mitte Dezember hatte er seinen Vertrag bei Honvéd Budapest aufgelöst. "Es war abgesprochen, dass Honvéd für mich ein Sprungbrett sein wird. Sie haben mir geholfen, ich habe ihnen geholfen", erklärte Ben-Hatira kürzlich in der Zeitung Badische Neueste Nachrichten. Zwei Bundesligisten sollen, laut seiner Aussage, an ihm interessiert gewesen sein.

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Doch daraus wurde nichts und Ben-Hatira war plötzlich komplett ohne Klub – für viele Profis eine Horror-Nachricht, bei ihm fast nur eine Randnotiz angesichts der vergangenen Jahre. Dabei hatte es einst so vielversprechend begonnen.

Ben-Hatira wird 2009 U21-Europameister

Ben-Hatira wuchs in Berlin auf, wechselte dann aber 2006 zum Hamburger SV, um dort den Durchbruch zu schaffen. Da dieser vorerst ausblieb, wurde Ben-Hatira 2009 zum MSV Duisburg ausgeliehen. Noch im selben Jahr feierte er den größten Erfolg seiner Karriere. An der Seite späterer Weltmeister wie Manuel Neuer, Mats Hummels und Mesut Özil wurde er U21-Europameister. Später entschied er sich für die tunesische Nationalmannschaft (elf Länderspiele).

Beim Hamburger SV kam er dagegen weiterhin nicht wirklich in Tritt. Insgesamt kam er in fünf Jahren bei den Rothosen auf lediglich 51 Einsätze (16 Tore). Für eine Ablösesumme von 600.000 Euro ging es im Sommer 2011 dann zurück in seine Heimatstadt Berlin, zu Hertha BSC.

Dort sorgte er nicht nur auf dem Platz für Schlagzeilen. So wurde er im Herbst 2012 verdächtigt, seiner Ex-Freundin das Portemonnaie gestohlen zu haben. Ben-Hatira wurde im Zuge der Ermittlungen vorübergehend in Gewahrsam genommen. Nach 77 Spielen endete seine Hertha-Zeit höchst unrühmlich.

Hertha-Zeit endet nach Auseinandersetzung mit Mitchell Weiser

Im Mannschaftsbus lieferte er sich nach einem Remis bei Werder Bremen eine Rangelei mit Nachwuchstalent Mitchell Weiser.

Dabei wurde Ben-Hatira offenbar handgreiflich. "Ich habe etwas getan, was nicht in Ordnung war und nicht mehr zu korrigieren ist. Ich habe mich dafür entschuldigt. Leider ist es passiert, das wird nie wieder vorkommen", erklärte der damals 27-Jährige in einem Statement. In Berlin war das Tischtuch aber zerschnitten, sodass Ben-Hatira zur Frankfurter Eintracht wechselte.

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Damit war auch die Kontinuität in seiner Karriere futsch, war er doch zuvor seinen Teams immer über mehrere Jahre treu geblieben.

Nach gerade einmal elf Einsätzen verließ er Frankfurt im Sommer 2016 und schloss sich dem SV Darmstadt an. Aber auch in Frankfurt hatte er zuvor für Aufregung gesorgt. Nach einem Arztbesuch postete er ein Foto mit einem Doping-Mittel in den sozialen Medien. Der anschließende Dopingtest fiel negativ aus, doch eine Zukunft bei der Eintracht war passé.

Salafistische Organisation unterstützt?

In Darmstadt war ebenfalls nach einem halben Jahr Schluss - jedoch nicht aus sportlichen Gründen. Ben-Hatira hatte sich privat für die umstrittene Hilfsorganisation Ansaar International, die vom Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen als salafistisch eingestuft wurde, engagiert. Die Vorwürfe wogen schwer.

Darmstadt sah keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit. "Nach Analyse der Gesamtsituation macht eine weitere Zusammenarbeit für beide Seiten keinen Sinn mehr", teilten die Lilien in einem Statement mit.

Ben-Hatira äußerte sich bei BNN kürzlich zu den damaligen Geschehnissen: "Fakt ist, dass nie etwas gegen mich vorgelegen hat." Noch vor einigen Monaten war seine Wohnung in Berlin aber offenbar noch Ziel einer Razzia der Behörden.

Spätestens mit dem Aus in Darmstadt war Ben-Hatira in Deutschland ein "gebranntes Kind". Dass ihn anschließend sein Weg in die Türkei führte, zu Gaziantepspor, und ein halbes Jahr später nach Tunesien, zu Esperance Tunis, sorgte für weiteren Kreditverlust in Deutschland.

Doch es waren Ben-Hatiras letzte Möglichkeiten, um im Profifußball zu bleiben.

WM-Traum mit Tunesien platzt

In Tunis hegte er Hoffnungen auf eine Teilnahme bei der WM 2018 mit den Nordafrikanern. Als dieser Traum aber platzte, flüchte Ben-Hatira umgehend zurück nach Berlin. "Das ganze Land ist schockiert. Das ganze Land war froh und stolz, dass es einen Spieler wie mich in die Liga bekommen hat", sagte er kurz nach seiner Nichtnominierung.

Der Deutsch-Tunesier hielt sich in Berlin fit und wartete auf ein Angebot – am besten aus Deutschland. Doch dann landete er bei Honvéd, wo er im Dezember 2019 vorzeitig wieder ging.

Umso überraschender war es, dass der Karlsruher SC im Januar zuschlug. "Es war mein großes Ziel, nach Deutschland zurückzukehren. Ich bin froh und dankbar für die Chance hier beim KSC", sagte Ben-Hatira. Mit KSC-Coach Christian Eichner verbindet ihn bereits eine besondere Geschichte. "Als er für Köln spielte, habe ich mal zwei Tore gegen ihn gemacht."

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Doch Eichner scheint nicht nachtragend zu sein, denn er setzt auf Ben-Hatira, der in Baden zeigt, dass er helfen kann. In Sandhausen brachte er 93 Prozent seiner Pässe an den Mitspieler und lief über zehn Kilometer. Der Routinier war anschließend einfach "froh, dass es für die Mannschaft und für mich gut gelaufen ist".

Es war ein erstes Ausrufezeichen, dem möglichst noch viele weitere folgen sollen. Dann wäre auch die ganz große Bühne möglicherweise wieder ein Thema.