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Weltmeister Guido Buchwald spricht im SPORT1-Interview über seine Pläne beim VfB Stuttgart, falls er Präsident werden sollte und über die aktuelle Saison.

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Seit dem 15. Juli 2019 hat der VfB Stuttgart keinen gewählten Vereinspräsidenten mehr. Wolfgang Dietrich trat nach der Mitgliederversammlung von seinem Amt zurück. 

Trotz der Turbulenzen abseits des Platzes haben die Schwaben aber einen erfolgreichen Saisonstart hingelegt. Mit 17 Punkten aus sieben Spielen und Platz 1 in der 2. Bundesliga herrscht beim VfB im Moment eine ungewohnte Ruhe.

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Nun wird ein neuer Präsident gesucht, der am 15. Dezember gewählt wird. Der prominenteste Kandidat für das Amt des VfB-Bosses ist Guido Buchwald. Der Weltmeister von 1990 möchte bei seinem Ex-Klub Verantwortung übernehmen.

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SPORT1 traf den Botschafter der Region Andermatt Swiss Alps in den Schweizer Alpen zum Interview und sprach mit Buchwald über den Saisonstart, seine Pläne für Stuttgarts Zukunft und ein mögliches Vorbild als Präsident.

Buchwald: "Der VfB ist eine Herzensangelegenheit"

SPORT1: Herr Buchwald, was hat Sie dazu bewogen, für das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart zu kandidieren?

Guido Buchwald: Der VfB ist eine Herzensangelegenheit für mich und man überlegt sich sehr gut, ob man so ein Amt machen will. Vor dieser Aufgabe muss man sehr viel Respekt haben. Man hat 70.000 Mitglieder, man hat Fans, die wirklich nur eines möchten: Der VfB soll wieder erfolgreich sein. Es sind sehr viele Facetten, die so ein Klub hat. Da muss man sich sehr gut überlegen, ob man sich das zutraut. Ich kann sehr gut mit den Leuten umgehen, habe sehr viele Kompetenzen im Sport, aber auch im wirtschaftlichen Bereich. Ich kenne den Verein in- und auswendig, als früherer Spielführer, Ehrenrat und Aufsichtsrat. Deshalb traue ich mir das zu. Ich würde gerne meine Expertise einbringen und den Verein mitbegleiten.

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SPORT1: Sie waren jahrelang Spieler, Ehrenspielführer, sind Meister geworden. Was bedeutet der Klub für Sie?

Buchwald: Der Verein ist meine Fußballkarriere. Elf Jahre lang habe ich dort gespielt, bin in dieser Zeit zweimal Meister geworden, Weltmeister geworden als VfB-Spieler. Ich war dem Verein immer verbunden, auch als ich dann woanders war, als ich nach Japan gegangen bin. Als Ehrenspielführer habe ich immer den engen Kontakt gepflegt. Das ist mein Klub.

SPORT1: Wie sehr schmerzt es, dass der Verein jetzt wieder in der Zweiten Liga spielt, die 2. Mannschaft sogar in der 5. Liga?

Buchwald: Das schmerzt schon, weil der VfB Stuttgart eigentlich zu den Top-6-Vereinen in Deutschland zählt. Vom Umfeld, von den Fans, von den Sponsoren, von den Partnern her. Man hat eigentlich alles: Eine super Jugendarbeit, die man immer noch weiterentwickeln muss. Eine super Infrastruktur. Diese Dinge zeichnen den VfB aus. Ich hoffe, dass es in Zukunft wieder bergauf geht, dass der VfB wieder da steht, wo er stehen muss: In der Bundesliga. Und auch die 2. Mannschaft muss aus meiner Sicht wieder dahin kommen, wo sie über Jahre gespielt hat: In die 3. Liga. Natürlich ist das ein langer Prozess, aber den muss man demnächst anstoßen.

SPORT1: Die 2. Mannschaft stellen Sie also nicht in Frage, sollten Sie zum Präsidenten gewählt werden?

Buchwald: Das war ja auch so ein Streitfall. Ich habe schon immer gesagt: Das ist ein Stück VfB Stuttgart, das gehört zur Jugendarbeit, man braucht den Zwischenschritt. Nicht jeder Spieler kann mit 19 schon in der Bundesliga spielen. Der muss sich weiterentwickeln. Deswegen braucht man eine leistungsfähige 2. Mannschaft in einer hohen Liga, in der sich sich weiter verbessern können.

"Bis zur Rückkehr in die erste Liga ist es noch ein langer Weg"

SPORT1: Trotz des großen Umbruchs im Sommer stimmen die Ergebnisse zu Saisonbeginn. Wie bewerten Sie die ersten Wochen in der 2. Liga?

Buchwald: Sehr positiv. Man ist Tabellenführer, die Jungs um Thomas Hitzelsberger und Sven Mislintat haben einen sehr guten Job gemacht, haben den Verein wieder in ruhiges Fahrwasser gebracht. Stuttgart spielt wieder erfolgreich, aber noch in der Zweiten Liga. Bis zur Rückkehr in die Bundesliga ist es noch ein sehr langer Weg. Aber ich glaube, da ist eine Ruhe da. Da kann der Trainer Tim Walter auch in Ruhe arbeiten und das möchte ich auch weiter fördern. Am liebsten ist es mir, der Präsident tritt in der Öffentlichkeit gar nicht auf, sondern nur der Sportvorstand. Und der Präsident zieht im Hintergrund die Fäden.

SPORT1: Ein Traditionsklub wie der VfB hat immer die Diskussion der Tradition versus Moderne. Wo sehen Sie die Zukunft des Vereins?

Buchwald: Ich glaube, man muss das verbinden können. Man braucht die Tradition. Das ist eine Macht, eine Stärke. Man hat 70.000 Mitglieder, aber man muss auch in die Zukunft schauen. Jeder Fan hat nur den VfB im Herzen. Das zu verbinden, das zu bündeln, damit der Verein wieder eine richtige Power, eine richtige Macht ausstrahlt, ist die Aufgabe. Jeder muss wieder in die gleiche Richtung ziehen. Den Verein nach vorne bringen wollen. Da braucht man Tradition, da braucht man die verschiedenen Abteilungen, die auch sehr wichtig sind. Zu so einem großen Klub gehört aber vor allem eine funktionierende Profi-Mannschaft, die erfolgreich spielt. Mit der sich wieder jeder identifizieren kann, mit einem schönen, erfolgreichen, offensiven Fußball.

"Ich habe mich mit einigen unterhalten"

SPORT1: Haben Sie vor Ihrer Bewerbung mit Mislintat und Hitzelsberger gesprochen? Oder sogar mit dem Aufsichtsrat, in dem Sie bis Februar noch selbst saßen?

Buchwald: Ja, ich habe mich schon mit einigen unterhalten. Auch mit Thomas Hitzelsberger, den ich immer wieder im Stadion oder bei anderen Veranstaltungen sehe. Aber das sind nur ganz normale Small-Talks. Ich möchte die Leute im operativen Bereich in Ruhe arbeiten lassen. Natürlich werde ich immer wieder auch meine Meinung sagen, das mache ich hier ja auch. Wenn ich gefragt werde,  dann sage ich einfach offen und ehrlich meine transparente Meinung. Das ist eine gute Unterstützung für Leute, die in der Verantwortung sind. Sie hören auch mal andere Meinungen von Leuten, die erfolgreich im Fußball waren. Da werde ich versuchen, meinen Teil beizusteuern.

SPORT1: Wofür würden Sie stehen als Präsident, welche Werte sind Ihnen wichtig?

Buchwald: Wertschätzung für alle Mitglieder, Ehrlichkeit und Offenheit. Das sind Dinge, die ein Verein verkörpern muss. Dass man ein offenes Ohr hat für jeden, aber auch führen kann. Diese Dinge sind sehr wichtig.

SPORT1: Gibt es ein Vorbild aus der Vergangenheit des VfB, der das Präsidentenamt gut ausgefüllt hat?

Buchwald: Es gab schon gute Präsidenten, zum Beispiel Gerhard Mayer-Vorfelder über Jahrzehnte, auch Manfred Haas, der den Verein in einer schwierigen Phase übernommen hat, oder Erwin Staudt. Ich will das Präsidentenamt als Team-Player ausfüllen. Ich war jahrelang Kapitän und für mich ist immer das Team wichtig, die gegenseitige Unterstützung. Jede Meinung ist wichtig, um dann die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Ich habe ich mich auch als Spieler nie in den Vordergrund gedrängt. Wenn das Team funktioniert und erfolgreich ist, dann ist auch der Verein erfolgreich. Dann hat man auch sehr viel Spaß und kann positive Erfahrungen sammeln.