München - Am Freitag legt die 2. Liga wieder los - pünktlich zu den heißesten Tagen des Jahres. Wie gefährlich ist das? Und was tun die Teams? SPORT1 hat sich umgehört.

von Reinhard Franke

Deutschland leidet unter der Hitze. So intensiv wie in diesen Tagen war der Sommer lange nicht mehr.

Karim Bellarabi von Bayer Leverkusen war der erste Profi, für den die hohen Temperaturen unangenehme Folgen hatten. Bei einem Testspiel in der vergangenen Woche brach der 28-Jährige nach der Pause mit einem Kreislaufkollaps zusammen.

In Pflichtspielen, wo die Spieler an ihre Grenzen gehen, dürfte die Gefahr noch größer sein - und am Freitag (ab 20 Uhr im LIVETICKER) startet die 2. Bundesliga mit dem Eröffnungsspiel des Hamburger SV gegen Holstein Kiel in die neue Saison.

Während die Rothosen und Störche aufgrund der späten Anstoßzeit etwas angenehmere Temperaturen zu erwarten haben, wird es für die Teams am Samstag und Sonntag (Anstoß um 13 Uhr, 13.30 Uhr und 15.30 Uhr) deutlich schwerer. Dann nämlich sind bis zu 35 Grad vorhergesagt, auf dem Rasen dürften es sogar bis zu 40 Grad werden.

Was bedeutet das für die Spieler? SPORT1 sprach mit fünf Trainern, einem Arzt, einem Sportchef und einem der erfahrensten Spieler der 2. Bundesliga über die selbst für Profis ungewohnte körperliche Herausforderung.

Franz: Spieler müssen auf Warnsignale achten

"Die Hitze ist brutal und für den Körper und Kreislauf extrem, vor allem jetzt in der Vorbereitung mit manchmal zweimal Training pro Tag. Da muss man als Spieler aufpassen und auf Warnsignale achten", sagt Maik Franz, Sportchef des 1. FC Magdeburg. "Man muss so trainieren, dass man sich daran gewöhnt, viel trinken und sich gut ernähren." 

1. FC Magdeburg v Karlsruher SC - 3. Liga
Maik Franz ist Sportchef in Magdeburg © Getty Images

MSV-Trainer Ilia Gruev meint: "Wir haben auch in Duisburg brasilianische Verhältnisse, deshalb wird das Thema Wasser bei uns aktuell großgeschrieben. Für die Spieler ist es sehr wichtig, viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen, wir machen daher derzeit besonders viele Trinkpausen."

Das Betreuerteam setze zudem auf Eiswickel und andere kühlende Tricks, um die Spieler zu erfrischen. Seinem Team macht Gruev ein großes Kompliment: "Alle ziehen vorbildlich mit und niemand jammert über die tropischen Bedingungen."

Bochum-Coach Dutt: Hitze für alle ein Problem

Die Hitze sei derzeit "für alle ein Problem, für Leistungssportler gibt es sicherlich idealere Bedingungen als derzeit. Aber das Problem haben wir in Bochum nicht exklusiv, das gilt flächendeckend für ganz Deutschland", sagt Robin Dutt, Chefcoach des VfL Bochum.

"Bei direkter Sonneneinstrahlung empfiehlt sich für sensiblere Hauttypen sicher ausreichend Sonnenschutz. Ich selbst setze zum Beispiel immer eine Kappe auf. Es ist klar und zwingend von uns vorgegeben: viel trinken und genügend Pausen. Das sind die zwei wichtigsten Maßnahmen."

Auch in Darmstadt wird auf die extremen Gegebenheiten reagiert. "Wir haben die Anzahl der Trinkpausen während der Einheiten erhöht, auch die Menge der Wasserflaschen am Trainingsplatz wurde aufgestockt. Außerdem haben wir am Spielfeldrand Eimer positioniert, in denen sich Wasser, Eiswürfel und Schwämme befinden, mit denen sich die Spieler einreiben können, damit der Körper heruntergekühlt wird", erklärt Trainer Dirk Schuster.

Doch bei allem Schwitzen hilft kein Jammern. Stefan Leitl, Chefcoach des FC Ingolstadt, sagt vor dem Spiel bei Jahn Regensburg (Sa., 15 Uhr im LIVETICKER) nur: "Auch bei diesem Wetter werden wir nicht anders auftreten, denn der Gegner wird es am Samstag auch nicht. Das Team, das als erstes einbricht, wird verlieren. Das wollen nicht wir sein."

Fortuna Duesseldorf v FC Ingolstadt 04 - Second Bundesliga
Stefan Leitl ist Trainer des 1. FC Ingolstadt © Getty Images

Ähnlich sieht es Greuther Fürths Trainer Damir Buric: "Wir trainieren die Woche zur gleichen Zeit am Nachmittag, wie wir auch gegen Sandhausen spielen, damit sich der Körper darauf einstellt", erklärt der 54-Jährige. "Unser medizinischer Bereich hat den Jungs natürlich auch viele Tipps und Ratschläge gegeben und wir haben alle noch mal sensibilisiert, dass sie genügend trinken."

Arzt nennt Maßnahmen gegen Hitze

Prof. Dr. med. Tim Meyer, der seit 2001 zum Ärzte-Team des DFB gehört, ist von medizinischer Seite Fachmann beim Thema Hitze - bremst bei SPORT1 aber die Hoffnungen auf Linderung der Hitzeproblematik. Schutzmaßnamen seien zwar "im Training denkbar, jedoch am Spieltag "im Stadion begrenzt".

Als konkrete Maßnahme gegen die Wärme nennt er unter anderem Schutzkleidung, ist sich jedoch auch bewust, dass diese nur "bedingt einsetzbar" ist: "Eine Kappe kann nur der Torwart tragen, sie hilft aber sehr. Lange Ärmel würden auch helfen, sind aber zu unbequem oder unangenehm."

Insofern gehe es im Wesentlichen um "äußere Maßnahmen der Kühlung und der Flüssigkeitsaufnahme. Pre-Cooling vor dem Spiel und in der Halbzeit ist gewiss sinnvoll und verzögert den Anstieg der Körperkerntemperatur. Dazu sind wohl alle Kühlungen mit kaltem (Eis-)Wasser am effektivsten und praktikabelsten. Das können Tonnen, Wannen für die Füße und oder Hände, aber auch in Eiswasser eingelegte Handtücher für den Nacken sein."

DFB Science Congress - Day 2
Tim Meyer ist seit 2001 im Ärzte-Team des DFB © Getty Images

Tiffert: "Wenig darüber nachdenken"

An die berühmt-berüchtigte Eistonne verschwendet Zweitliga-Routinier Christian Tiffert von Erzgebirge Aue derzeit noch keinen Gedanken. Als einer der erfahrensten Profis der Liga lässt den 36-Jährigen die Hitzewelle zumindest äußerlich kalt.

"Man darf wenig darüber nachdenken, das ist das Einfachste", sagt der Mittelfeldspieler. "Man ist Sportler und mit dem Kopf dabei, und wenn ich auf den Platz gehe und mir denke 'das ist heute nochmal extremer', dann macht es die ganze Sache nicht besser."

Auch wenn er schon Spieler wie zuletzt Bellarabi erlebt habe, die mit dem Kreislauf Probleme hatten, wolle er das Thema nicht überbewerten: "Grundsätzlich kommt die Masse der Spieler mit solchen Temperaturen klar, dafür sind wir Profis. Ich will das nicht wegdiskutieren, aber wir haben alle gleiche Bedingungen."

Tiffert selbst fällt es "etwas schwerer im Vergleich zu manch anderem, der einige Jahre jünger ist".

Und doch blickt er der Herausforderung im ersten Auer Saisonspiel bei Union Berlin am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVETICKER) mit einem Schuss Humor entgegen: "Ob es besser ist bei zehn Grad minus mit gefrorenen Zehen zu spielen oder bei 35 Grad, ist schwierig zu sagen."