Andreas Rettig war zwischen 2013 und 2015 Geschäftsführer der DFL
Andreas Rettig war zwischen 2013 und 2015 Geschäftsführer der DFL © Getty Images

St. Pauli-Geschäftsführer Andreas Rettig setzt sich für die Unabhängigkeit von Investoren ein. Die Ausgliederung von Profi-Teams ist für ihn kein Allheilmittel.

Geschäftsführer Andreas Rettig vom Zweitligisten FC St. Pauli kämpft weiter für die Unabhängigkeit der Fußballvereine von Investoren.

"Die 50+1-Regel sichert den gesellschaftspolitischen Stellenwert des Fußballs. Die Frage ist eher: Wo wollen wir hin?", sagte Rettig am Mittwoch beim Sportbusiness-Kongress SPOBIS in Düsseldorf. "Wir sprechen über einen Volkssport und ein Kulturgut. Ich habe Sorge, dass der eine oder andere Fan - wie derzeit in Hannover - mit lauter Stimme aufbegehrt."

In einem Schlagabtausch mit Finanzvorstand Frank Wettstein vom Stadtrivalen Hamburger SV betonte Rettig, die Bundesliga sei "mit einem vernünftigen Mix auf der Einnahmeseite und der Verteilung auf mehrere Säulen sehr gut gefahren. Wir sollten aufhören, Investorengelder zu glorifizieren".

Rettig: "Haben 25.000 Mäzene"

Ohnehin sei die Ausgliederung der Profi-Mannschaften "kein Allheilmittel. Wenn Sie eine Pflaume sind, bleiben Sie eine Pflaume - ob im eingetragenen Verein oder der Kapitalgesellschaft". In Richtung HSV sagte er: "Wir haben nicht einen Mäzen wie Klaus-Michael Kühne, sondern 25.000. Unsere Mitglieder."

Die 50+1-Regel soll verhindern, dass Investoren die Mehrheit an einer Gesellschaft übernehmen, in die ein Verein seine Profimannschaft ausgegliedert hat.

Die Zweitliga-Highlights in der Sendung „Sky Sport News HD: Die 2. Bundesliga“ freitags ab 22:15 Uhr und sonntags ab 19:30 Uhr im TV auf SPORT1.

Der Mutterverein muss demnach 50 Prozent der Anteile plus einen Stimmenanteil innehaben. Ausnahmen in der Bundesliga sind Bayer Leverkusen (Bayer), der VfL Wolfsburg (Volkswagen) und 1899 Hoffenheim (Dietmar Hopp). Derzeit kämpft Präsident Martin Kind bei Hannover 96 gegen den Widerstand vieler Fans um eine Ausnahmeregelung.

Der "Geburtsfehler" bei 50+1 ist laut Rettig, dass Kapitalanteile und Stimmenanteile getrennt gesehen werden. "Man hätte das möglicherweise gemeinsam festlegen sollen." Zudem warnte er vor Geldflüssen aus dubiosen Quellen: "Mir fehlt die Fantasie, dass wir in der Lage sind, festzustellen, wo das Kapital herkommt, wenn wir ungebremsten Geldzufluss haben."