Hans Christian "Liq" Dürr, ehemalig bei Schalke, jetzt bei Riot Games als Head of Esports im Interview mit SPORT1 © Riot Games

Wie sieht die Zukunft des deutschen eSports aus? SPORT1 sprach mit dem Schalker Ex-Head of Esports zum Thema Einstieg in den eSports als Fußballverein.

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In der kommenden Season wird auch die europäische LCS von League of Legends in ein Franchise-System umgewandelt. Dabei soll das Teilnehmerfeld, wie in den USA, aus einer festen Anzahl von Teams bestehen - Auf- sowie Abstieg soll es weiterhin nicht mehr geben.

Der FC Schalke 04 ist hierbei einer der möglichen Kandidaten,die im Spring Split 2019 erneut an den Start gehen könnten. Zumindest zeigte der Run im Zuge des Summer Splits durchaus, dass Königsblau dazu in der Lage ist, mit den europäischen Topteams mitzuhalten.

Die Knappen verpassten nur knapp die WM-Qualifikation des beliebten MOBA-Games von Riot Games. Allerdings war die Bewerbungsphase schon Wochen vor dem europäischen Finale in Madrid abgeschlossen, weshalb die Frage im Raum steht, ob sich Schalke auf einen Platz in der neuen Liga beworben hatte und von Riot selbst angenommen wurde.

Ein Franchise-Platz soll bis zu zehn Millionen Euro kosten.

SPORT1 sprach mit Hans Christian "Liq" Dürr, heute als Head of Esports bei Riot Games Deutschland für alles rund um den Esport-Aspekt von League of Legends in den deutschsprachigen Ländern zuständig, war als Head of Esports bei Schalke 04 unter anderem für den Aufbau einer Infrastruktur in Berlin rund um das Team verantwortlich. Zu seiner Arbeit gehörte auch das Anstellen des Trainerstabes und eines Team Managers.

Dürr: "Wir haben dem Team viele Tools an die Hand gegeben, um langfristig sportlich erfolgreich sein zu können und ich möchte sagen dass wir mit unserem Schaffen eine der fortschrittlichsten Infrastrukturen in absoluter Rekordzeit in Berlin realisiert haben. Auch wenn die sportlichen Ergebnisse im Spring Split diesen Bemühungen nicht gerecht wurden."

Worauf Dürr anspielt: Die Knappen verpassten nur knapp die WM-Qualifikation des beliebten MOBA-Games von Riot Games, League of Legends. 

"Wenn ein Team so kurz vor dem Erreichen des großen Zieles, der Worlds Qualifikation, nicht den gewünschten Erfolg hat ist das immer bitter. Das heißt deshalb nicht, dass man sich davon nicht erholen kann."

© Riot Games

Regional lohnt sich 

Auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Teilnahme an regionalen Ligen antwortete er:

"Mit der Investition in ein League-Team spricht man eine für Vereine spannende Zielgruppe an, die man durch klassische Medien wie lineares Fernsehen nur noch schwer erreichen kann. League ist noch immer das meistgespielte PC-Spiel der Welt und erfreut sich auch im deutschsprachigen Raum sehr großer Beliebtheit."

Tipps für Vereine

Aber Dürr sieht auch, dass das kein einfacher Weg ist: "Man sollte sich darüber im Klaren sein, warum man in den Esports einsteigen möchte und einen langfristigen Plan entwerfen. Fängt man von Null an und erwartet sofort den sportlichen Erfolg oder einen riesigen Zuwachs an Fans oder Mitgliedern, wird man oft enttäuscht. 

Laut Dürr ist es vor allem wichtig, eine ganzheitliche Strategie zu entwickeln: Neben einer für Teams angemessenen Infrastruktur sollte diese auch beinhalten, wie man dem Zuschauer durch beispielsweise das kontinuierliche Erstellen und Publizieren von Medieninhalten überzeugen kann, warum er gerade für diesen Verein brennen soll.

Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die eigene Marke gegebenenfalls noch im Esports etabliert werden muss und nicht von vornherein die Strahlkraft besitzt, die sie bereits im Fußball innehat. Oder wie Dürr es ausdrückt: "Hier fängt man auch als großer Club fast bei null an!"

Auch Schalke musste sich über einen längeren Zeitraum eine treue Fanbase in den vertretenen eSports-Titeln aufbauen.

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