TimKalation: EA SPORTS – Wenn Interviews zu FIFA aufregen
TimKalation: EA SPORTS – Wenn Interviews zu FIFA aufregen © TimKalation / EA Sports / SPORT1
Lesedauer: 5 Minuten

In seiner neusten Kolumne spricht TimKalation über ein frustrierendes Interview von EA Sports und die Problematik zwischen Zeit- und Geldaufwand in FIFA Ultimate Team.

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Es kommt nicht häufig vor, dass EA SPORTS den Medien ein Interview zu FIFA gibt. Meistens dann, wenn der neue Teil vor der Türe steht und man euphorisch auf viele Neuerungen hinweisen möchte. 

Anders aber vor ungefähr einer Woche. Da stand man dem englischen Mirror Rede und Antwort.  

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Interview erzürnt Community

Der Grund war das "Icon Gate" und ein Aufschrei der Community der so groß war, dass sogar internationale Medien darauf aufmerksam wurden. Wie eben der Mirror aus England. Kurze Erklärung was da los war; EA Mitarbeiter verkauften über Mittelsmänner und inoffizielle Wege wertvolle und seltene Spielerkarten für Paketpreise von im Schnitt 1.000€. Je nachdem wie viele Spieler man kaufte. Dies erfolgte ohne Wissen des Konzerns und entsprechende Maßnahmen wurden umgehend eingeleitet. Der Imageschaden war dennoch enorm und es wurden viele Fragen gestellt. Und so kam es zu eben diesem Interview. 

Und, man muss es leider so sagen; einige der Antworten erzürnten erneut große Teile der Spieler.

Zunächst gab es die Information, dass umfangreiche und strenge Untersuchungen zu der gesamten Thematik andauern und sichergestellt wird, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passieren wird. 

Eine unmittelbare Konsequenz ist, dass die Funktion Karten auf Accounts zu transferieren deaktiviert wurde. Sollte in absehbarer Zeit also jemand berechtigt etwas zugewiesen bekommen sollen; geht nicht. 

Soweit eher Übliches ohne großen Erkenntnisgewinn. Aber dann kamen die Aussagen, die nicht wenige kopfschüttelnd hinterlassen haben. Zurecht. 

Auf die Frage, ob EA SPORTS durch diesen Vorfall einen prüfenden Blick auf FIFA Ultimate Team des kommenden FIFA 22 richten werde und Maßnahmen ableiten wird, wodurch einige sehr seltene und für viele unerreichbare Spielerkarten besser verfügbar werden könnten, kam dies: 

"Wir prüfen ständig das Feedback unserer Spielergemeinschaft und unternehmen Schritte, um das Spiel zu verbessern und weiterzuentwickeln." 

Irritierend. Einige der beliebtesten und begehrtesten Spielerkarten, wie bspw. manche Ikonen, sind Jahr für Jahr schwieriger zu bekommen. Gerne werden hierbei entsprechende SBCs genannt, die in den vergangenen Jahren früher und kostengünstiger erschienen. Vergangenheitsform. Die Aussage ist also an der Realität vorbei. 

Zeit vs. Geld

Angesprochen auf die Tatsache, dass einige FIFA-Profispieler kritisieren, dass sie mehrere Tausend Euro zum Start jedes neuen FIFA-Teils ausgeben müssen, um mithalten zu können und dies auch dem Grundsatz der sportlichen Fairness widerspricht, kommt: 

"FIFA Ultimate Team ist ein facettenreiches Spiel des Skills. Es ist wichtig zu beachten, dass die Spieler alle Gegenstände im Spiel erwerben können, ohne jemals Geld auszugeben und Käufe völlig optional sind."

Diese Aussage ist vollkommen falsch. Ich habe während des Schreibens dieser Zeile überlegt, wie umfangreich ich darlege, wie sehr diese Aussage falsch ist.  

Ich fasse mich kurz: Wenn man inklusive Belohnungen aus Squad Battles, FUT Champions und Division Rivals pro Spiel Einnahmen von 1.500 Coins und 100 Millionen für ein "ultimatives Team" rechnet, braucht man 66.667 Spiele. Für die man über 22.000 Stunden benötigt. Das sind zweieinhalb Jahre und FIFA 24 ist bis dahin erschienen. Selbst die engagiertesten FIFA-Spieler haben ohne signifikanten Geldeinsatz keine Chance ein paar der begehrtesten Karten zu bekommen. Vom normalen Couch-Harald, der das Spiel gemütlich spielt, ganz zu schweigen. Ich frage mich wirklich, wie man solch eine Aussage öffentlich tätigen kann. Wohlwissend, dass die Spieler des Spiels mitlesen. Aber vielleicht wurde die Aussage auch von der Rechtsabteilung diktiert; dass Käufe rein optional sind, ist ein wichtiges Argument vor Gericht. Ja, dort muss sich EA SPORTS immer wieder mal rechtfertigen. Glücksspiel mittels FIFA Packs und so. Lästiger Kram. 

"Obwohl es das Ziel ist, Spiele zu gewinnen, geht es bei FUT nicht nur darum, Simulationsfußball im Stadion zu spielen, genauso wie es beim Fußball nicht nur um die Leistung am Spieltag geht - es gibt viele Bereiche, in denen die Spieler besser sein müssen als ihre Mitspieler, um einen Vorteil auf dem Spielfeld zu schaffen."

Stimmt. FIFA-Profis müssen viele Aspekte des Spiels beherrschen und mentale Voraussetzungen mitbringen. Die Aussage hat aber nichts mit der Kritik des im eSports einmaligen Einflusses des Geldes in FIFA zu tun. Mit diesem Statement wird von der eigentlichen Problematik abgelenkt und auf die Spieler verwiesen. 

"Weiterentwicklung ist eine Grundvoraussetzung, wenn man in jeder Sportart ein professioneller Spieler sein will, und im eSports ist das nicht anders." 

Und ein prall gefüllter Geldbeutel ist Grundvoraussetzung. Zumindest in FIFA Ultimate Team. 

Fazit

Zusammengefasst kann man sicherlich sagen, dass diese Aussagen eine fatale Mischung aus Unkenntnis über das eigene Spiel, Verschleierung, Beschönigung und Lügen sind.  

Ich muss diese drastischen Worte leider wählen. 

Jeder der leidenschaftlich FIFA spielt, muss sich bei solchen Aussagen auf den Arm genommen fühlen. In solch einem Interview hätte EA SPORTS die Chance kundzutun, dass man einiges eingesehen hat und ernsthaft an Verbesserungen arbeitet. Sei es die Verfügbarkeit von Spielern, und ich sage im Übrigen nicht, dass jeder Spieler jede Karte haben muss. Manche Karten sollen auch selten und etwas besonderes sein. Aber die Zustände wie sie momentan, nein, in den letzten Jahren herrschen, sind frustrierend. Frust, der sich auch immer mehr bei den Profis breit macht, da die benötigten Summen, um mithalten zu können ebenso immer weiter ansteigen. Gleichzeitig das Gameplay aber nicht entscheidend Richtung eSports verbessert wird. 

Dieses Maß an Frust wird nur übertroffen durch die Ignoranz und die Art der Kommunikation mit und über uns seitens EA SPORTS. 

Die Dominanz als Spiel, welches den Fußball darstellen möchte, erlaubt viele Fehler und zweifelhafte Geschäftspraktiken. Ob dies auf Dauer gut geht, entscheiden wir. An der Kasse. Da schmerzt es nämlich und es ist der einzige Schmerz, der verstanden wird. Leider. 

Frustrierte Grüße 

Euer Tim