München - EA Sports holt die Champions League zurück und will noch realistischeres Gameplay bieten - macht das Spiel aber auch wilder zu kontrollieren.

von Hauke van Göns

Dass FIFA 19 ein Renner werden wird, ist schon weit vor Veröffentlichung klar. Zu beliebt ist die Fußballsimulation. Dazu sicherte sich EA Sports für die neueste Ausgabe altbekannte Lizenzen und auch im Spiel selbst schraubten die Entwickler munter am Gameplay herum.

SPORT1 durfte den Titel bereits vor dem Release am 28. September anzocken.

Champions League prägt das FIFA-Gesamtbild

Einen der größten Punkte kündigte EA Sports schon weit vor der Veröffentlichung an: Im Zuge der E3 2018 wurde enthüllt, dass FIFA 19 mit den Lizenzen für Champions League und Europa League erscheinen wird. Die Königsklasse wird in allen Spielmodi auftauchen und bietet dabei eine runde Präsentation mit Siegerehrungen und der bekannten Hymne vor dem Spiel.

Das zumindest versprach Entwickler Samuel Rivera im Zuge der Anspiel-Präsentation, die in diesem Jahr in der Münchner Allianz Arena stattfand.

Auch im Storymodus "The Journey" rund um Alex Hunter wird die Champions League eine wichtige Rolle spielen. "Außerdem wird es möglich sein, mit jedem Verein in FIFA 19 die Champions-League-Erfahrung wahrzunehmen", erklärte Rivera. Die Präsentation des Turniermodus orientiert sich optisch dabei an den TV-Overlays - ein Konzept, das bereits aus dem Gratis-WM-Modus von FIFA 18 bekannt ist.

Neue Animationen für Ballannahme

Ein Feature, auf das die Entwickler sehr stolz sind, ist das Active-Touch-System. Grundsätzlich geht es um Ballannahmen, die nun "im Kontext" der Spielsituation stattfinden. CR7 und Co. sollen die Bewegungen des Balles in FIFA 19 besser "erahnen". Wird zum Beispiel ein Pass in den Rücken des eigenen Athleten gespielt, kann dieser den Ball nun auch mit der Hacke annehmen.

Darüber hinaus lässt sich die Kugel bei einer Flanke mit dem Hochdrücken des rechten Sticks hochhalten.

Im Praxistext sorgte diese Neuerung für ein zwar realistischeres Gefühl, doch parallel wirkten der Spielaufbau und enge Situationen ein wenig "wild". So sah das Spiel zwar spektakulär aus, doch sobald ein Pass ein wenig ungenau gespielt wurde, sorgte dies teilweise für Chaos. Jedoch handelte es sich bei der gespielten Version von FIFA 19 um einen unfertigen Built. Entsprechend kann sich dieses Feature bis zum Release noch ändern.

Auch die neue Zweikampfführung, genannt "50/50 Battles", führt zu häufigeren Pressschlägen, bei denen die Flugrichtung des Balls eher zufällig ausfällt.

Zusätzlich etabliert EA Sports neue Tricks wie den "Stampfer", mit dem ein grätschender Gegner überspielt werden kann. "La Croqueta" von Andres Iniesta schaffte es ebenfalls ins Spiel.

In der Defensive können die Spieler vor dem Bildschirm nun sehen, welchen Akteur sie auf dem Rasen als nächstes anwählen können. Der Marker wird dann ausgegraut über dem potenziellen Verteidiger angezeigt. Eine Kleinigkeit, die sich viele wünschten.

Perfekter Torabschluss mit gutem Timing

Das "Timed Finishing" ist eine der größten Neuerungen in FIFA 19. Dabei bietet sich den Gamern die Möglichkeit, mit einem doppelten Betätigen der Schusstaste einen besonderen Torabschluss zu erzielen. Mit dem richtigen Timing landet der Ball mit höherer Wahrscheinlichkeit im Netz. Dieses zu finden ist jedoch nicht ganz einfach. So landet der Ball bereits bei einem kleinen Fehler in den Zuschauerrängen.

Feedback gibt es über einen Ladebalken, der über dem Spieler angezeigt wird.

Der Gameplay-Verantwortliche Rivera führte aus: "Das ist ein hohes Risiko mit hoher möglicher Belohnung. Gamer können aber nebenbei immer noch auf den normalen Schuss zurückgreifen." In den ersten Matches zeigte sich auch im SPORT1-Test, wie schwer es ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Selbst mit Top-Stars wie Cristiano Ronaldo klappte es nur in wenigen Fällen.

Schmankerl für Taktiknerds

Gerade für den eSports-Aspekt und auch für andere Tüftler bieten die neuen dynamischen Taktiken viele Optionen. Während im Vorgänger wenig Spielraum existierte, kommt FIFA 19 mit umfangreicheren Einstellungsmöglichkeiten daher. So lässt sich unter anderem der "Abwehrriegel", wie die defensivste Einstellung im Spiel heißt, zusätzlich individuell anpassen.

Pressing und Aufrücken sind große Faktoren für die taktische Arbeit. Je nach Formation kann Abwehr- und Sturmausrichtung mit Einstellungen wie "Lange Bälle" oder "Konstanter Druck" angepasst werden. Die Entwickler haben die Relevanz der individuellen Taktik wahrgenommen, wie Rivera betont: "Es wird ein elementarer Faktor für Core-Spieler."

Das Zeitspiel lässt sich mit den "Dynamic Tactics" sehr gut unterbinden. Während des laufenden Matches kann ein viel intensiveres Coaching stattfinden, das wurde schon nach wenigen Probespielen klar. 

Mit diesem Schritt reagiert FIFA auch ein wenig auf die Möglichkeiten, die das Konkurrenzprodukt Pro Evolution Soccer seiner Community taktisch bietet. Hier lässt sich die Offensivposition eines Akteurs auf dem Feld komplett frei wählen.

Fazit

Selbst in einer unfertigen Version vermittelt FIFA 19 einen guten Eindruck. Jedoch stand im Zuge der Anspielsession lediglich der Anstoß-Modus zur Verfügung. Auch das Champions-League-Umfeld wirkt edel und mit den Taktikneuerungen gestaltet sich das Gameplay individueller, was gerade für Vielzocker oder eSportler ein Vorteil sein dürfte.

Die Ballannahmen wirken realistisch, sorgen aber mit dem neuen Zweikampfverhalten - auch wenn es stärker an den echten Fußball erinnert - für einen "wilden" Ball. Das wird nicht jedem FIFA-Fan gefallen. Mit den neuen Lizenzen bietet EA Sports aber wieder einen großen Pluspunkt, der gerade viele Hobbyzocker überzeugen dürfte.

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