Die Leistung von BIG bei der ESL One Cologne war historisch und hat auch wieder einmal bewiesen: Deutschland ist ein Counter-Strike-Land!

von Hauke van Göns

Es wird die 22. Runde auf Inferno im Halbfinale zwischen BIG und FaZe Clan gespielt. Es steht 15:6. Nur mit ein paar Pistols ausgestattet schleichen die Männer von Fatih "gob b" Dayik die Mitte hoch, im Hintergrund brüllen die Fans in der ausverkauften LANXESS Arena "Auf Wiedersehen".

Als CS-Legende gob den ersten Kontrahenten aus dem Spiel nimmt, begreifen die Fans schon, was passieren kann. Auch die Kommentatoren vor Ort kündigen an "Das könnte das Ende für FaZe sein!". Zum Schluss der Runde ist es Tizian "tiziaN" Feldbusch, der die entscheidenden zwei Kills macht - und die Emotionen explodieren lässt. Der deutsche Underdog zieht ins Finale der ESL One in Köln ein und 15.000 Fans in der LANXESS Arena liegen sich in den Armen.

BIG mit Glück überhaupt eingeladen

Der Auftritt von BIG in Köln war ein eSports-Sommermärchen. Als Lokalmatador ist das Team aus vier Deutschen und einem Briten im Mai zum Event eingeladen worden. Damals gab es Kritik, warum denn ein damals wenig erfolgreiches Lineup diese Chance erhält. ESL-Mann Ulrich "FlyingDJ" Schulze gab auf Twitter sogar zu, zunächst an ein anderes deutsches Team gedacht zu haben.

Die Verpflichtung des britischen Talents Owen "smooya" Butterfield gab schlussendlich den Ausschlag. 

Die Leistung von BIG sollte aber auch die ESL als Veranstalter überraschen.

Größte Underdog-Story der CS:GO-Geschichte?

Titelverteidiger MiBR (ex-SK Gaming) konnte in einem Best-of-3 am Mittwoch in der Vorrunde in einem Herzschlagfinale geschlagen werden. Damit zog das erste Mal ein deutsches Team in die "Counter-Strike-Kathedrale" ein. Die ESL One ist seit 2014 in Köln und war die ersten drei Ausgaben sogar ein Major.

Doch was ab Freitag in der LANXESS Arena passierte, haben auch alte CS-Hasen so noch nicht erlebt. Jede Runde der Deutschen wurde frenetisch bejubelt und die deutlichen Upsets gegen G2 und FaZe mit den Superstars NiKo und rain sind vielleicht Teil einer der größten Underdog-Storys im aktuellen CS:GO-Geschehen. 

 "Ich habe so etwas noch nie erlebt!"

Dabei hat die deutsche CS-Szene viel gelitten und ist mit einem schlechten Ruf behaftet. Die Kader werden viel zu häufig durchgewechselt, es besteht kaum Konstanz und brauchbarer Nachwuchs ist auch Mangelware. Große Organisationen wie ALTERNATE aTTaX und das junge Sprout füllten ihr Team zuletzt mit dänischen Spielern und Talenten auf. Projekte wie die German Pro League sind ambitioniert, haben aber trotz viele Nutzer auch einen schweren Stand.

Selbst bei BIG spielt mit smooya ein Brite, doch bleibt der Kern des Teams deutsch. Wie elektrisierend die Atmosphäre beim Sommermärchen der Berliner eSports-Organisation war, spiegelt die Meinung vieler Profis wider. Dayik selbst zeigte sich im SPORT1-Interview von der Stimmung überwältigt: "Ich habe so etwas noch nie erlebt!", während dessen Finalgegner Ioann "Edward" Sukhariev Köln als "immer etwas Besonderes." bezeichnet. 

Im Interview mit DW erklärt BIGs Viertelfinalgegner Richard "shox" Papillon von G2: "Es war das Duell: Wir gegen die Crowd." Warum dieser Hype? Auch weil Counter-Strike eine lange Tradition in Deutschland hat.

Die erste Version des Spiels kam weltweit 1999 auf den Markt. Zwischen 2006 und 2009 stellten mousesports und aTTaX zwei Teams auf internationalem Topniveau. Der größte Erfolg dürfte der Sieg der IEM World Championship 2008 in Hannover von mousesports gewesen sein. Damals im Aufgebot: Fatih "gob b" Dayik. 

Wichtig ist, dass der Schwung des Event mitgenommen werden sollte und die Stimmung hochgehalten wird. Mit dem Erfolg bei der ESL One Cologne kann BIG ein Feuer entfacht haben, das beweist, dass sich die deutsche CS-Landschaft nicht verstecken muss. Nun gilt es die Früchte des Hypes zu ernten, damit Deutschland weiter den größten Shooter-eSports feiern kann.