Das Major gilt als größtes Counter-Strike-Turnier der Welt. Es geht um Prestige & eine Millionen US-Dollar. Umso nerviger, dass das System viele Probleme hat.

von Hauke van Göns

Eigentlich sollten die besten Athleten bei einer Weltmeisterschaft antreten dürfen. Also auch beim CS:GO Major, wie dem von FACEIT in London. 

Doch dank des Legendensystems wird die Leistung eines Team von vor knapp einem halben Jahr angerechnet. Und ein halbes Jahr ist im eSports eine Ewigkeit.

In CS:GO ticken die Uhren anders

In Bezug auf das Turnier in London ist Cloud9 vielleicht eines der besten Beispiele. Der amtierende Titelverteidiger ist als Sieger natürlich für das nächste Event gesetzt. Dafür muss nur mindestens zwei Fünftel des Lineup erhalten bleiben. In der Zwischenzeit sind aber Jake "Stewie2k" Yip und Tarik "tarik" Celik zu MIBR gewechselt.

Auch G2 und Fnatic haben zweimal gewechselt und spielen mit einem anderen Lineup. Das Problem hierbei: Eine neue Personalie hat in einem Quintett deutlich mehr Einfluss, als ein Spielerwechsel in einer Fußballmannschaft, bei der bekanntlich elf Spieler auf dem Platz stehen.

Alte Leistungen werden angerechnet

Ein anderer Punkt, der gegen das Major-System spricht, ist die Storyline von Quantum Bellator Fire (QBF). Die Osteuropäer sind als Quintett zusammen geblieben und spielen mittlerweile unter dem Namen Winstrike. Das Team hatte einen wahnsinnigen Lauf beim letzten Major in Krakau.

Seither konnte das Lineup jedoch nicht wirklich abliefen und gewann lediglich ein kleines Turnier in Sankt Petersburg. Trotzdem ist es aufgrund der Leistung im Januar für London als "Legende" gesetzt.

Somit befinden sich nicht zwangsläufig die aktuell besten Teams der Welt beim Major im Teilnehmerfeld. Den Spieler selbst gibt das System hingegen einen gewissen Grad an Sicherheit. Mit einem guten Turnier sind sie so mindestens für zwei weitere Weltmeisterschaften gesetzt.

Nur den Gewinner erneut einladen?

Für die Counter-Strike-Szenelegende Scott "SirScoots" Smith ist das Major wie der Superbowl, nur dass er zweimal im Jahr stattfindet. Im SPORT1-Interview erklärt er: "Es hat vielleicht nicht den größten Prizepool, es ist aber das prestigeträchtigste Turnier, dass du gewinnen willst."

Er hat aber auch ein paar Kritikpunkte: "Ich bin nicht zwangsweise ein großer Fan von der Idee, dass Legenden wieder eingeladen werden. Sechs Monate sind im Bereiche von Roster, Teamdynamik und Momentum eine Ewigkeit." Um wirklich die besten Athleten vor Ort zu haben, schlägt er vor, den "Gewinner wieder einzuladen und alle anderen durch einen Quali-Prozess" zu schicken.

Ein wenig hat Entwickler Valve das System schon angepasst. Lediglich die besten 14 Teams werden zum nächsten Major-Event eingeladen. Die beiden ersten Teams, die in der "New Legends Stage" mit 0:3 rausfliegen, müssen sich für die nächste WM erneut qualifizieren. Ein kleiner Schritt für eine modernere Ausrichtung.

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