eSports-Events gewinnen immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung
eSports-Events gewinnen immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung © ESL / Helena Kristiansson
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Dass die eSport-Szene wegen der Anerkennung als Sportart mit dem DOSB im Clinch liegt, ist bekannt. Plötzlich bröckelt auch wichtige Unterstützung aus der Politik.

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Erst zog der organisierte Sport den Stecker, nun wird die Politik möglicherweise zum Endgegner: Der eSport kämpft nach der Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages am Mittwoch stärker als je zuvor um seine Daseinsberechtigung als Sportart.

Nach der Sitzung kehrten vor allem die Regierungsparteien von ihrer im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Linie einer vollumfänglichen Anerkennung des eSports ab. Die Szene ist in Aufruhr.

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Nach dem dreistündigen Treffen im Sitzungssaal 4800 des Paul-Löbe-Hauses war es vor allem die SPD, die sich ungewohnt deutlich vom eSport distanzierte.

SPD distanziert sich vom eSport

"In der heutigen Anhörung des Sportausschusses sind die Dynamiken und Entwicklungen des eSports in Deutschland deutlich geworden. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass eSport bis auf wenige Ausnahmen nicht den Ansprüchen einer Sportart genügt", teilte der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Detlev Pilger, mit.

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Damit liegen die Sozialdemokraten auf einer Wellenlänge mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der die aktuell dominierenden Spieltitel in "virtuelle Sportsimulationen" (z.B. FIFA 19, NBA2K) und "eGaming" (League of Legends, Dota 2 etc.) unterteilt.

Nur die Sportsimulationen seien nach DOSB-Lesart förderungswürdig. Der eSport-Szene stieß der Kurswechsel der SPD sauer auf.

Bruch des Koalitionsvertrags

"Insbesondere die Position der SPD ist für uns ein klarer Bruch der Zusagen des Koalitionsvertrags und ein Vertrauensbruch gegenüber den Menschen", sagte Hans Jagnow, der Präsident des eSport-Bundes Deutschland (ESBD). Die SPD-Fraktion wolle nun, wie Pilger weiter ausführte, lediglich die Gemeinnützigkeit für Vereine mit eSport-Angebot zusichern.

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Dies ist dem ESBD viel zu kurz gegriffen - und auch die Vorschläge der CDU sorgten im eSport für Kopfschütteln.

Der CDU-Abgeordnete Johannes Steiniger zeichnete ein Szenario, in dem die Gemeinnützigkeit sogenannten "Ego-Shootern" verwehrt bliebe.

eSport in allen Facetten anerkennen

"Shooter-Spiele wie Counter-Strike bewegen sich außerhalb der vom Sport akzeptierten und geförderten ethischen Grenzen", sagte er.

Jagnow sah auch hier eine Verfehlung der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Zielsetzung und stufte Steiningers Vorschläge als "nicht rechtssicher" ein. "Eine vollständige Anerkennung des eSports bedeutet den eSport in allen Facetten anzuerkennen", sagte Jagnow.

Während der Sitzung hatte Jagnow noch einmal betont, dass sein Verband bislang keinen Mitgliedsantrag beim DOSB gestellt hat und nicht einmal sicher sei, ob er dies überhaupt wolle. Im Gespräch mit dem SID bekräftigte Jagnow sein Dialogbestreben auf Augenhöhe: "Wir wollen als Sportart gesehen werden. Nur dann kann es tatsächlich auch zu einem produktiven Dialog und einer Zusammenarbeit kommen."

Wenig Offenheit für Neues

Dem DOSB bescheinigte er nach der Sitzung im Sportausschuss "wenig Offenheit für Neues".

Die Vorstandsvorsitzende des DOSB, Veronika Rücker, war am Mittwoch in Berlin ebenfalls zugegen und erläuterte noch einmal die kritische Haltung des Dachverbandes beim Thema eSport.

"Wir erkennen, dass es ein kulturelles Phänomen ist, das im Alltag inzwischen zunehmend verankert ist. Aber wir sehen eben nur eine ganz geringe Schnittmenge zu dem, was uns unter dem Dach des organisierten Sports bewegt", sagte Rücker dem SID. "Ich würde nicht behaupten, dass die Schnittmenge heute größer geworden ist."