Auch eSportler haben unter immensem Druck zu leiden, der sich oftmals auch körperlich auswirkt.
Auch eSportler haben unter immensem Druck zu leiden, der sich oftmals auch körperlich auswirkt. © Riot Games

München - Nach fünf Spielen gewann SK telecom T1 erstmals wieder ein Spiel. Ein Sportwissenschaftler erklärt SPORT1, wie groß der Leistungsdruck im eSports ist.

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Schweißausbrüche, Magenkrämpfe, Durchfall - die glamouröse Welt des Profifußball hat in den letzten Tagen einiges von ihrem Glanz verloren. In einem Interview mit dem "Spiegel" sprach Arsenal-Verteidiger Per Mertesacker darüber, wie sehr ihn die Welt im Rampenlicht kaputt machte. Einige Spiele bestritt der Weltmeister von 2014 bis zur totalen innerlichen Erschöpfung. Das er mit diesen Erfahrungen nicht alleine ist, ist offensichtlich. 

Erst jüngst sprach der Basketballer DeMar DeRozan der Toronto Raptors darüber, dass er in der Vergangenheit unter Depressionen litt. Selbst vor der noch sehr jungen Profiszene des eSports macht die gnadenlose Härte des Leistungsdruck nicht halt, wie jüngst der eSports-Messi "Faker" in einem Interview deutlich machte.

Der Druck nimmt zu

Unlängst haben eSports-Athleten mit ähnlichen Problemen wie Vertreter rein physischer Sportarten zu kämpfen. Der Leistungsdruck ist enorm, weshalb nicht selten große Teams mit einem ganzen Bataillon an Mentalcoaches und stellenweise auch Psychologen zusammenarbeiten. Die Spieler müssen sich nicht nur in körperlich bester Verfassung befinden, auch der Kopf muss sich fokussieren können.

Selbst gestandene Profis, Weltmeister und bekannte Szenestars haben noch häufig mit dem Druck zu kämpfen. Gerade, wenn es mal nicht läuft. Bestes Beispiel aus jüngerer Vergangenheit ist die über fünf Spiele andauernde Pechsträhne von SK telecom T1. Das Team rund um Superstar Lee "Faker" Sang-hyeok gilt als eines der besten in League of Legends. 

Die Spieler von SK telecom T1 nach der Niederlage im Finale der World Championship 2017. © Riot Games/LoL ESports Photos

Schon drei Mal konnte die koreanische Erfolgstruppe die League of Legends World Championship für sich entscheiden und wurde 2017 Vize-Weltmeister. Doch trotz eines unlängst eingespielten und intern aufeinander abgestimmten Teams, hinken die ehemaligen Champions in der aktuellen Saison ihren früheren Leistungen hinterher. 

Entsprechend groß war die Erleichterung, gegen Ligakontrahent bbq Olivers endlich wieder einen Sieg einzufahren. In einem Interview mit dem asiatischen Fernsehsender OGN redete "Faker" darüber, wie sehr in die Pleitenserie vereinnahmte.

"Es fehlen klare Strukturen"

Faker ist kein Einzelfall, auch andere Profis haben mit dem Leistungsdruck zu kämpfen. So sieht das auch Prof. Dr. Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Mit SPORT1 sprach der Sportwissenschaftler über seine Erfahrung im Umgang mit professionellen eSportlern.

Prof. Dr. Froböse beschäftigt sich nicht nur mit physischen Sportarten, sondern auch intensiv mit den Anforderungen an eSportler.
Prof. Dr. Froböse beschäftigt sich nicht nur mit physischen Sportarten, sondern auch intensiv mit den Anforderungen an eSportler. © Ingo Froböse

"Im Gegensatz zum Fußball verändert bei einem Spiel wie League of Legends ein Fehler sofort die komplette Spielsituation. Der Druck, auch nur den kleinsten Fehler zu verursachen, ist enorm. Während beim Fußball noch immer der Zufallsfaktor eine entsprechend große Rolle spielt, gibt es bei Spielen wie League of Legends diesen nicht. Fehler können nicht kompensiert werden und wenn, dann nur durch eine gemeinsame Anstrengung des Teams. Entsprechend groß lastet daher Druck auf den einzelnen Spielern" so der Mediziner.

Es würden zudem Erfahrungswerte und klare Strukturen fehlen, die bei anderen Sportarten bereits seit Jahrzehnten bestand haben. Krankenkassen haben sich mit dem Thema eSports noch kaum bis gar nicht auseinandergesetzt. Viele Spieler befinden sich in einem sehr jungen Alter, wenn sie damit beginnen, professionell Videospiele zu spielen.

Entsprechend wichtig sei es auch, diesen eine Leitfigur an die Hand zu geben, die diese nicht nur in der Welt des eSports begleitet, sondern auch in der Realität unterstützt - ein ähnliches Prinzip, wie es beispielsweise Fußballvereine mit ihren Nachwuchsakademien verfolgen.

Aufstehen, Mund abwischen, weitermachen

Für Faker und das gesamte Team von SK telecom T1 war der Sieg gegen bbq eine Art Befreiungsschlag. Faker sprach davon, dass ihn die Situation sehr mitgenommen habe, er habe sogar einiges an Gewicht verloren. Selbst die Fans zweifelten zunehmend an der Leistung des Teams, stellten verschieden Champion-Picks, die Wahl der gespielten Champions, infrage. 

Lee "Faker" Sang-hyeok vor dem berühmten Madison Square Garden in New York City.
Lee "Faker" Sang-hyeok vor dem berühmten Madison Square Garden in New York City. © Riot Games

Für das Team war dies sozusagen ein Weckruf. Es konnte und durfte nicht mehr so weitergehen wie bisher. Es wurde noch intensiver gearbeitet, trainiert und die Spielweise von League of Legends überdacht. Faktisch setzte sich das Team komplett neu mit Riot Games' beliebtem MOBA-Spiel auseinander. 

Der ganze Prozess scheint sich für SK zumindest ansatzweise ausgezahlt zu haben. Derzeit rangiert das Team mit fünf Siegen und fünf Niederlagen im Mittelfeld der südkoreanischen LoL-Liga. Trotzdem schafft es der Rekordweltmeister noch immer nicht ganz an die Qualität anzuknüpfen, die ihn in der Vergangenheit zu einem dreifachen Weltmeister hat werden lassen.