Astralis ist eines der dänischen eSports-Topteams und Vorblid vieler Gamer
Astralis ist eines der dänischen eSports-Topteams und Vorblid vieler Gamer © Getty Images

Trotz Leistungssport haben eSportler auf der ganzen Welt mit Klischees zu kämpfen. In Dänemark soll ein Leitfaden nun auch Eltern Hilfe bieten.

von Hauke van Göns

In Skandinavien hat sich der eSports schon ein wenig mehr etabliert. Mit dem FC Kopenhagen hat zum Beispiel ein Sportverein ein eigenes Counter-Strike-Team. Auch Dänemarks Ministerpräsident zeigt sich als eSports-Fan.

Ein Zusammenschluss des Sportverbands DGI, Youth Circle, der dänischen Sportorganisation DFIF und eSports Danmark hat nun ein Ethikpapier veröffentlicht, das als Leitfaden für eSports im Breitensport zu verstehen und auch an Eltern gerichtet ist.

Fairplay, Ernährung und gesunder Tagesrhythmus

Mit dem Papier distanzieren sich die Organisationen gemeinsam von Matchfixing, Doping, Glücksspiel oder auch Energydrinks. Dafür sollen Aspekte wie Kommunikation, gesunde Ernährung und sportliche Aktivität in den Fokus gerückt werden. 

Die Richtlinien können von jedem Verein heruntergeladen und als Poster bestellt werden. Der Leitfaden fußt grundsätzlich auf einer freiwilligen Basis. Klubs und Verbände, die nach diesem Kodex handeln, können dadurch jedoch ein Zeichen nach außen senden.

Der dänischen Webseite DR verriet Thomas Koed, Vorsitzender des Verbandes eSports Danmark: "Wir können erkennen, dass es ein soziales Bedürfnis gibt. Eltern sollten in der Lage sein, zu sehen, dass ein Rahmen angeboten wird, wenn ihre Kinder zum eSports gehen. Was wir sehen können ist, dass die Eltern viel auf sich nehmen, da sich ihre Kinder nicht genug bewegen. Es geht also auch darum, wie wir dazu beitragen, einen physischen Schritt in den eSports zu machen."

Eltern in der Verantwortung

Beim Blick auf Egoshooter, bei denen Waffen Spielgestand sind, nimmt Koed die Eltern in die Pflicht: "Zu jedem Spiel gibt es eine Altersempfehlung, die eine Info für Konsumenten ist. Wir denken, es liegt an den Eltern zu entscheiden, ob ihre Kinder das Spiel spielen." Dass auch die Alterseinstufung einmal Teil des Kodex wird, könne er aber nicht ausschließen.

Die wichtigsten Punkte des dänischen eSports-Kodex:

  • eSports-Training sollte mit physischem Training und körperlicher Aktivität ergänzt werden
  • Der Tagesrhythmus soll so strukturiert sein, dass soziales oder beruflichen Leben darunter nicht leiden
  • Kommunikation und Sportsmanship sind Teil des eSports, auch bei hitzigen Partien. Betrügen "zerstört die Freude am Sport"
  • "Wir wollen ein sportliches Umfeld ohne Alkohol, Energydrinks und Drogen" heißt es im Papier. Zudem soll der eSports eine rauchfreie Umgebung sein. 
  • Auch der bei Gamern beliebte Schnupftabak Snus sei ähnlich zu behandeln
  • Kids und Jugendliche unter 18 Jahren sollten auf Energydrinks verzichten. Es wird zu einer ausgewogene Ernährung geraten.

Auch in Deutschland gibt es eSports in Amateurklubs. Der TSV Oftersheim ging sogar kürzlich eine Kooperation mit dem SV Sandhausen ein, um mit der bisher gesammelten eSports-Expertise beratend zur Seite zu stehen. 

Hans Jagnow, Präsident der deutschen eSports-Verbandes ESBD erklärte auf SPORT1-Anfrage: "Wir freuen uns, dass mit dem Vorstoß aus Dänemark die Diskussion um die Werte und Ethik der eSport-Bewegung eine neue Dynamik erhält. Als eSport brauchen wir, auf nationaler wie internationaler Ebene, ein gemeinsames Wertefundament, dass auch klar kommuniziert, was uns verbindet und auf welche Weise wir eine Gesellschaft prägen wollen."

Zudem nimmt er das gesamte eSports-Ökosystem mit seinen Teams und Spieleentwicklern in die Pflicht: "Wir brauchen eine grundlegende ‘Philosophie des eSports’. Als ESBD werden wir uns an dieser Diskussion aktiv beteiligen, sowohl mit einem konkreten Verhaltens- und Ethik-Kodex als auch mit einer grundsätzlichen Äußerung zum Wertesystems des eSports." Eine erste Wertevorstellung hat der deutsche Verband selbst im Rahmen der Gamescom vorgestellt.

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