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Vor 100 Jahren begann die erste Eishockey-WM - mit "Isländern" aus Kanada und sieben Spielern pro Team auf kleinem Eis. Die Bedeutung der WM ist herausragend.

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Die "Isländer" aus Kanada, die auf der kleinen Eisfläche im Palais de Glace in Antwerpen vor fein dinierenden Zuschauern und einem unermüdlich aufspielenden Orchester ihre Gegner vorführten, wussten nichts von ihrem historischen Titel.

Erste Eishockey-Weltmeister wurden die Winnipeg Falcons, die vor 100 Jahren bei den Olympischen Sommerspielen eigentlich nur zur Show dem Puck nachjagten, erst, als die meisten Spieler schon verstorben waren. 

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Mittlerweile ist die WM ein jährliches Event, das maßgeblich zur Internationalisierung des Sports beigetragen hat. "Die Weltmeisterschaft ist die Lokomotive, die alles mitzieht", sagt Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und seit 1996 in diversen Funktionen im Weltverband IIHF tätig dem SID: "Ohne sie wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen." (SPORT1 zeigt die Eishockey-WM bis 2023 exklusiv LIVE im TV)

IIHF wächst seit ihrer Gründung 1908

81 Länder haben sich inzwischen der 1908 gegründeten IIHF angeschlossen, darunter Exoten wie Malaysia und die Philippinen, die in diesem Jahr erstmals in der neuen Division IV, der insgesamt achten Klasse des WM-Systems, antreten wollten - bis die Corona-Pandemie das Eishockey auf Eis legte. 32 WM-Turniere, von den Stars in der Top Division bis zur fünftklassigen U18 der Frauen, sollten in diesem Jahr ausgetragen werden.

Möglich macht dieses verzweigte System mit Auf- und Abstieg die A-WM, die dem Weltverband durch den Schweizer Vermarkter Infront jährlich 24 Millionen Euro einbringt - plus zwei bis drei Millionen direkte WM-Einnahmen. Die 84. Weltmeisterschaft in der Schweiz, die wegen der Coronakrise abgesagt wurde, hatte ein geplantes Rekordbudget von 35 Millionen Euro.

Wie groß der finanzielle Schaden ist, lässt sich laut Reindl auch aufgrund diverser Versicherungen noch nicht beziffern: "Vielleicht können wir mit einem blauen Auge rauskommen."

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Winnipeg Falcons gewann ersten WM-Titel

Island wäre in diesem Jahr Ausrichter der fünftklassigen Division II, Gruppe B gewesen. Erst seit 1999 nimmt die Nationalmannschaft an WM-Turnieren teil, dabei ist die Insel im Nordatlantik Herkunft des ersten Eishockey-Weltmeisters.

Denn die Winnipeg Falcons um ihren Kapitän Sigurdur "Frank" Fredrickson, die Kanada beim ersten Olympia-Turnier ab 23. April 1920 vertraten, waren Söhne isländischer Einwanderer. 

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Vier Jahre vor den ersten olympischen Winterspielen erzielte der kanadische Amateurmeister auf dem Weg zum Turniersieg gegen überwiegend maßlos überforderte Gegner 29:1 Tore - und hielt sich damit beim Spiel mit Sieben gegen Sieben auf der 18 mal 50 Meter kleinen Eisfläche an die eigene Vorgabe. 

Olympiasieg früher gleich Weltmeisterschaft

"Wir haben versucht, uns auf 14, 15 Tore zu beschränken", berichtete Fredrickson, "das war gar nicht so einfach." Im Endspiel erlaubten die Kanadier den Schweden ihr einziges Gegentor, die "schrien und jubelten, sich selbst die Hände schüttelten und uns auch". 

Weil Eishockey in Antwerpen nur Demonstrationssportart war, galten Fredrickson und Co. lange nicht als erste Olympiasieger. Und zu den ersten Weltmeistern wurden sie von der IIHF erst 1983 erklärt, als der spätere NHL-Profi Fredrickson schon längst gestorben war. 

Erst 1930 richtete der Weltverband die erste eigenständige WM aus, zunächst zählten Olympiasiege auch als WM-Titel, seit 1992 wird auch im Olympiajahr eine Weltmeisterschaft ausgespielt.