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München - Die Adler Mannheim und Red Bull München dominieren die PENNY DEL. Ex-NHL-Star Marcel Goc spricht bei SPORT1 über die Entwicklung wie in der Fußball-Bundesliga.

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Mannheim, München, München, München, Mannheim. (Ausgewählte Spiele der PENNY DEL LIVE im TV auf SPORT1)

Das sind die Meister der PENNY DEL seit der Saison 2014/15. Und wäre die Saison 2019/20 aufgrund der Corona-Pandemie nicht abgebrochen worden, hätte mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit wieder eines dieser beiden Teams den Titel geholt.

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Schließlich hatte der EHC Red Bull München zum Zeitpunkt des Spielzeit-Endes nach der Hauptrunde sich knapp vor den Adler Mannheim behauptet. (Alles Wichtige zur DEL)

Und auch in dieser Saison deutet einiges darauf hin, dass die Suche nach dem Champion erneut nur über die beiden Topteams im Süden führen wird. Immerhin: Wegen des durch die Pandemie geänderten Playoff-Modus im Best-of-Three haben sich die Chancen auf Überraschungen zumindest etwas erhöht.

EHC Red Bull München und Adler Mannheim dominant

Dass es zuletzt wenig Abwechslung gab, was die Titel in der DEL betrifft, sieht auch der frühere NHL-Profi Marcel Goc (unter anderem 699 Spiele für die San Jose Sharks, Nashville Predators, Florida Panthers, Pittsburgh Penguins und St. Louis Blues) so.

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"Bei uns war es München zuletzt ein paar Jahre hintereinander. Dann haben wir sie ein Jahr lang ärgern dürfen. Jetzt gehören sie wieder zu den Top-Favoriten", sagt der Skills- und Development Coach der Mannheimer bei SPORT1.

Zwar können sich die Eisbären Berlin aktuell und wohl auch zum Ende der Hauptrunde über den ersten Platz in der Gruppe Nord freuen. Das wäre aber wohl anders, wenn Mannheim und München nicht wegen der coronabedingten Aufteilung in Gruppe Süd spielen würden. Auch die hohe Punkteausbeute im Vergleich zu München ist schnell damit erklärt, dass die Berliner überwiegend gegen Nord-Teams antraten.

So hatten sie in den Duellen mit München bei den 1:4- und 0:5-Niederlagen schnell ihre Grenzen aufgezeigt bekommen. 1:9 Tore in zwei Duellen - und das, obwohl die Eisbären allgemein als das stärkste Team des "Best-of-the-Rest" gelten.

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Coup gegen Goc-Team als Mutmacher für Eisbären Berlin

Und doch: Als Mutmacher taugt das vergangene Wochenende, als die Hauptstädter bei den Mannheimern etwas überraschend mit 4:1 die Oberhand behielten. Zumindest Berlin kann eine Serie womöglich offen gestalten - wenngleich die Adler am Freitag (ab 19.25 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) Revanche nehmen können. 

Geht für die Konkurrenz des Dominatoren-Duos also doch was im gegenwärtigen Titelkampf, zumal zuletzt auch die Münchner nach neun Siegen in Folge gegen die Wolfsburg Grizzlys eine herbe 1:5-Schlappe kassierten?

Auch die Mannheimer überzeugten beim 1:0-Sieg nach Penaltyschießen gegen die Krefeld Pinguine, das mit Abstand schwächste Team in dieser Saison, keineswegs  - doch sowohl die Adler als auch München haben Platz 1 bzw. 2 zementiert in ihrer Division und können sich im eng getakteten Spielplan kurz vor den Playoffs auch ein, zwei ruhigere Spiele erlauben.

"Das Spiel hat uns gezeigt, dass es andere Teams ausnutzen können, wenn wir gewisse Dinge nicht richtig machen", erklärt Goc bei SPORT1 auf das Berlin-Spiel bezogen: "Wenn man es positiv sieht, ist so ein kleiner Wachrüttler kurz vor den Playoffs vielleicht ganz gut gewesen."

Überhaupt: Die Vorherrschaft zweier Teams wie in den vergangenen Jahren war nicht immer derart ausgeprägt.

DEL früher mit oft wechselnden Champions

Zur Erinnerung: Von der Saison 1999/2000 bis zur Spielzeit 2004/05 hatte es sechs verschiedene Meister in Folge gegeben, darunter auch Überraschungscoups durch Krefeld und die Frankfurt Lions. Danach begann die Dominanz Berlins, die aber auch wieder von Sensationen unterbrochen wurde.

Besonders hervorzuheben ist dabei die Saison 2009/10, in der gleich zwei Underdogs sensationell die DEL-Finalserie erreicht hatten. Die nach der Vorrunde viertplatzierten Hannover Scorpions trafen auf die achtplatzierten Augsburger Panther, die sich zuvor erst durch die Pre-Playoffs hatten kämpfen müssen.

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Mehr noch: Auf dem Weg ins Finale warfen die Panther noch die Adler und dann die Eisbären raus. Im Halbfinale kam es dann mit Wolfsburg gegen Augsburg und Hannover gegen Ingolstadt zu zwei Duellen, mit denen niemand wirklich rechnen durfte. Am Ende setzte sich Hannover die DEL-Krone auf. (Spielplan und Ergebnisse der DEL)

Meister-Umfrage: DEL-Trainer tippen nur auf EHC oder Adler

Inzwischen sind solche Überraschungen fast undenkbar geworden. Wenn München, Mannheim oder auch Berlin durch den Playoff-Baum vorher aufeinander trafen, konnte es schon mal Überraschungsfinalisten geben. Doch diese waren in Finalserien gegen München oder Mannheim stets klar überfordert.

Bezeichnend: Bei der Umfrage unter den DEL-Trainern vor der Saison, wer in der kommenden Saison Meister werden wird, nannte nicht ein Trainer ein anderes Team als Mannheim und München. Einige mutmaßten allein, dass die Corona-Pandemie eventuell für eine Überraschung sorgen könnte.

Doch genug, um eine ganze Serie zu gewinnen? Nürnbergs Trainer Frank Fischöder hielt das vor Saisonbeginn für unwahrscheinlich: "Es gibt immer die Chance auf eine Überraschung, aber in einer Serie gegen München oder Mannheim muss man schon sehr viele gute Tage haben, um zu gewinnen."

Corona-Konsequenzen: Klubs droht Insolvenz

Durch Corona und fehlende Zuschauereinnahmen besteht zudem die Sorge, dass die Schere zwischen den beiden Topteams und dem Rest der Liga immer weiter aufgeht. Der Grund: Die Standorte München und Mannheim können die aktuellen Einbußen einfach besser verkraften.

Was nicht heißen soll, dass der EHC und die Adler die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht spüren. Das sind jedoch kleine Probleme im Vergleich zu Teams wie den Krefeld Pinguinen oder den Kölner Haien, die sogar zeitweise Insolvenzsorgen plagten und die Lage sich nur wenig entspannt hat.

"Ich hoffe, dass jeder in dieser Saison irgendwie über die Runden kommt", sagt Goc bei SPORT1: "Wenn jemand Probleme hat, müssen die Liga und die Klubs versuchen, zusammen Lösungen zu finden. Keiner will Vereine wegen dieser Situation in die Insolvenz gehen lassen."

Doch die Realität sieht düster aus: Im vergangenen Jahr hatten 13 (!) der 14 Klubs einen Antrag auf einen Zuschuss aus dem Sportpaket des Bundes gestellt - nur München verzichtete.

München hat Red Bull, Mannheim SAP

Ein Beleg, wie gut der EHC dank Hauptsponsor Red Bull selbst in der Krise gerüstet ist. Wird dann - wie es in Mannheim auch seit Jahren der Fall ist - noch gute Arbeit geleistet, ist das Team nur schwer zu stoppen. (Tabellen der DEL)

Die Adler treffen die fehlenden Zuschauereinnahmen etwas härter - ungeachtet dessen, dass mit Software-Gigant SAP um Mitbegründer und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ebenfalls ein finanzstarker Hauptsponsor zur Seite steht.

"Die (Geldgeber, Anm. d. Red.) brauchen wir natürlich", betont Goc: "Wir tun alles dafür, dass wir das Eishockey interessant halten."

Und anders als in der Fußball-Bundesliga mit dem FC Bayern liefern sich in der DEL zumindest zwei Teams einen harten Kampf und wechseln sich mit der Meisterschaft ab.