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München - Christoph Ullmann erklärt bei SPORT1 Augsburgs Erfolgssaison und warum er nicht mehr über den lebensgefährlichen Check reden will. Hier das Interview.

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Die Augsburger Panther kämpfen um den erstmaligen Einzug ins DEL-Finale seit der Vizemeisterschaft 2010 - aber es wird zunehmend eng.

Nach zwei Niederlagen in Folge droht ihnen im sechsten Spiel gegen München am Sonntag das Aus (DEL: Augsburger Panther - EHC Red Bull München, ab 13.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVETICKER) .

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Einer der nicht helfen kann es abzuwenden, ist Christoph Ullmann. Der 35-Jährige ist nach einem folgenschweren Check von John Henrion im Viertelfinale gegen die Düsseldorfer EG, bei dem ihm die Zunge in den Hals gerutscht war, noch immer verletzt. Das beherzte Eingreifen des DEG-Mannschaftsarztes rettete ihm das Leben.

Im Interview mit SPORT1 spricht der Center über das Geheimnis hinter Augsburgs überraschend erfolgreicher Saison, die Serie gegen München - und erklärt, warum er über den Check nicht mehr reden will.

SPORT1: Herr Ullmann, Sie haben einen lebensgefährlichen Crash hinter sich. Als aller erstes: Wie geht es Ihnen?

Christoph Ullmann: Ich mache gute Fortschritte und bin auf einem guten Weg. Ich bin froh darüber, dass es mir gut geht, möchte aber auch nicht mehr so viel darüber sprechen und nicht mehr daran erinnert werden. Ich freue mich, nach vorne zu schauen und möchte kein "Patient" mehr sein.

Christoph Ullmann schwebte kurzzeitig in Lebensgefahr
Christoph Ullmann schwebte nach dem Check im Viertelfinale kurzzeitig in Lebensgefahr © Imago

SPORT1: Wie verfolgen Sie den Weg Ihres Teams in den Playoffs? Vor dem TV?

Ullmann: Ich bin jeden Tag in der Kabine bei den Jungs. Also ich bin vor Ort, spreche mit ihnen und kriege mit, was in der Kabine los ist. Von den positiven Emotionen und der tollen Energie in der Kabine nach den Siegen sowie auch der kurzen Momentaufnahme der Frustration nach einer Niederlage. Ich bin jedes Mal hautnah dabei. Bei den Heimspielen verfolge ich das Geschehen aber von den Katakomben aus, weil ich dort meine Ruhe habe. Die Auswärtsspiele habe ich zu Hause vor dem Fernseher verfolgt.

Ullmann: Habe auch schlechte Stimmung erlebt

SPORT1: Augsburg ist das Überraschungsteam der Saison. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Ullmann: Wir habe eine richtig gute Hauptrunde gespielt und mit dem dritten Platz ein großes Ausrufezeichen gesetzt. Ich bin aber auch der Meinung, dass wenn man nach 52 Spielen auf Platz drei steht, hat man ziemlich viel richtig gemacht. Da würde ich ganz klar die Chemie in der Mannschaft ansprechen. Wir sind ein sehr intaktes Team, die Stimmung ist immer gut. Es hat jeden Morgen Spaß gemacht, reinzukommen und zu arbeiten. Das ist keine Floskel.

SPORT1: Haben Sie andere Zeiten erlebt?

Ullmann: Es gab Jahre, in denen es nicht so viel Spaß gemacht hat, weil die Stimmung nicht so gut war oder ein paar griesgrämige Jungs im Team waren. Das haben wir gar nicht. Wir haben einen sehr guten Zusammenhalt und es macht unglaublich viel Spaß, mit den Jungs jeden Tag zu arbeiten. Wir arbeiten sehr intensiv und sprechen Fehler direkt an, wir haben uns über den gesamten Saisonverlauf immer wieder steigern können und immer wieder unsere Leistung abrufen können. Wichtig für uns ist es, dass wir das in den Playoffs auch machen konnten. Wir haben immer wieder einen Weg gefunden, im Spiel zu bleiben oder nach einer Niederlage eine gute Antwort zu geben. Deswegen ist es für mich nach dem Saisonverlauf nicht so überraschend, dass wir im Halbfinale stehen.

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Disziplin der Schlüssel zum Erfolg

SPORT1: Torwart Olivier Roy hat die Münchner zum Verzweifeln gebracht, seine Fangquote liegt in den Playoffs bei 93 %. Wie wichtig ist seine Leistung für das Team?

Ullmann: Die Leistung des Torhüters ist immer immens wichtig. Im Schnitt bekommst du in 60 Minuten 40 oder mehr Schüsse auf Tor. Da ist natürlich die Leistung des Torhüters enorm wichtig. Auch in den Spielen, die in die Overtime gegangen sind, kam extrem viel auf sein Tor. Bei Danny aus den Birken ist das ja auch der Fall. Die Rolle des Torhüters im Team ist unumstritten. Wir leben im Moment viel von ihm, weil er hinten eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt und Big Saves für uns macht. Er hält uns im Spiel und gibt uns die Chance, zu gewinnen. Oli ist momentan eine riesen Nummer.

SPORT1: München führt, aber noch ist die Final-Chance intakt. Worauf wird es im Kampf um den Endspiel-Einzug ankommen? Welche Faktoren geben den Ausschlag?

Ullmann: Ganz wichtig im Eishockey ist es, diszipliniert zu bleiben. Beide Mannschaften haben ein richtig gutes Überzahlspiel. Sie haben über die Serie bisher auch gezeigt, dass in Überzahl doch das ein oder andere Tor fällt. Man muss taktisch diszipliniert bleiben, genauso wie defensiv und von der Strafbank wegbleiben. Ich glaube, das sind ganz wichtige Faktoren.

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Im Finale "setzt du Kräfte frei, die du gar nicht kennst"

SPORT1: Unabhängig davon, wer es ins Finale schafft: Sind die Adler klar im Vorteil, da ihre Belastung deutlich geringer war? Die Spiele für den AEV waren ja sehr intensiv. Oder kann die lange Pause der Adler auch zum Nachteil werden?

Ullmann: Ich glaube nicht, dass es schadet, wenn man sich erholen kann. Davon mal abgesehen: Klar, die Mannschaft, die den Adlern ins Finale folgt, ist im Spielrhythmus. Aber unabhängig davon oder von der Erholung brennen beide Teams im Finale. Beide Mannschaften werden alles geben und mit allen Mitteln arbeiten. Ob du dann ausgeruht oder im Spielrhythmus bist, ist im Finale völlig egal. Dann lebst du den Moment, genießt die ganze Euphorie und lässt dich von den Fans tragen. Da setzt du Kräfte frei, die du gar nicht kennst.

SPORT1: Ein kleiner Blick in die Zukunft: Augsburg steht schon sicher in der Champions League. Wie groß ist die Vorfreude?

Ullmann: Das ist super. Das haben wir uns sportlich erspielt und das ist die Ernte von dem, was wir dieses Jahr gesät haben. Das ist eine unglaublich tolle Nummer, wir freuen uns alle wahnsinnig darauf. Die Gruppen sind noch nicht ausgelost worden, daher wissen wir nicht, mit wem wir es zu tun bekommen. Deshalb werden wir uns weiterhin auf unser Halbfinalspiel konzentrieren.