Wayne Gretzky (r.) und Michael Jordan (l.) gelten als die besten Spieler, die ihre jeweilige Sportart je ausgeübt haben
Wayne Gretzky (r.) und Michael Jordan (l.) gelten als die besten Spieler, die ihre jeweilige Sportart je ausgeübt haben © Imago
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München - Wayne Gretzky ist der Übervater des Eishockeys und hat sich in der NHL unsterblich gemacht. Zahlen legen nahe, dass er sogar der GOAT im gesamten Teamsport ist.

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Der 23. März 1994 ist in die Geschichte der NHL eingegangen. Es ist der Tag, an dem sich Wayne Gretzky unsterblich gemacht hat. (ausgewählte Spiele der NHL LIVE im Free-TV auf SPORT1)

Die Story ist schnell erzählt: Die Eishockeylegende erzielte seinerzeit das wichtigste Tor seiner Karriere - NHL-Tor Nummer 802.

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Damit krönte sich Gretzky, der beste Eishockeyspieler der Ligageschichte, endlich auch zum Rekordtorschützen und übertraf die Bestmarke seines Idols Gordie Howe. Während Howe allerdings 26 Jahre für den Rekord benötigte, gelang Gretzky der Triumph in seiner 15. Saison.

Obwohl gerade einmal die Hälfte der Spielzeit verstrichen war, wurde das Spiel gegen die Los Angeles Kings nach dem Tor für 15 Minuten unterbrochen, Gretzkys Eltern und seine Frau Janet kamen ebenso aufs Eis wie Klubboss Bruce McNall. Dass die Kings am Ende 3:6 verloren, interessierte kaum. (NEWS: Alles zur NHL)

Lange Liste mit Erfolgen und Rekorden

Doch der Titel des Rekordtorschützen ist nur ein Punkt auf der langen Liste von Erfolgen. Ein Auszug.

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Als "The Great One", der in den 80er Jahren mit den Edmonton Oilers das Eishockey revolutionierte und die Konkurrenz in Grund und Boden spielte, im April 1999 in den Ruhestand ging, hielt oder teilte er 61 NHL-Rekorde. Fast 22 Jahre später hält er immer noch 60 von ihnen. 

Seine 2.857 Karriere-Punkte, die er in seiner zwanzigjährigen Karriere für die Oilers, die Los Angeles Kings, die St. Louis Blues und die New York Rangers gesammelt hat, sind 936 mehr, als Jaromir Jagr auf Rang 2 verbuchen konnte. Zum Vergleich: Der Abstand zwischen Gretzky und dem zweitbesten Scorer der NHL-Geschichte entspricht der gesamten Karriere-Punktzahl von anderen Eishockey-Ikonen.

Aber damit nicht genug: Wenn man jedes seiner knapp 900 Tore, die Gretzky in der regulären NHL-Saison erzielt hat, von seinen gesamten Karrierepunkten abzieht, hat er immer noch 42 Punkte mehr als Jagr.

Gretzky-Wechsel beeinflusst NHL nachhaltig

Der Kanadier hält außerdem die Postseason-Rekorde für die meisten Tore, Even-Strength-Tore, Assists sowie Punkte und gewann vier Stanley Cups, sechsmal stand er im Finale. Neunmal wurde Gretzky in der NHL zum MVP gewählt, davon unglaubliche achtmal in Folge.

Mehr als mit seinen Pässen, Toren und Titeln hat er die NHL aber mit seinem Transfer 1988 nach neun Spielzeiten bei den Edmonton Oilers nach Los Angeles beeinflusst. Der Wechsel signalisierte den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die US-amerikanischen Teams hatten den Kanadiern die Vorherrschaft im Eishockey entrissen.

Die NHL LIVE im TV auf SPORT1+ und im LIVESTREAM 

Der Deal ging als "The Trade" in die Geschichte Kanadas ein. Seit Gretzkys Transfer haben nur noch drei Teams aus Kanada den Stanley-Cup gewonnen – als letztes die Montreal Canadiens 1993.

Der größte Teamsportler der Welt?

Gretzky gilt auch heute noch als der größte Eishockeyspieler überhaupt. Manch einer behauptet sogar, er ist überhaupt der GOAT in der Geschichte des Teamsports. (Spielplan und Ergebnisse der NHL)

Freilich fällt ein Vergleich zu Topstars anderer Sportarten schwer. Dennoch ein Versuch: Gretzky erzielte besagte 936 Scorerpunkte mehr als Jagr, das ist ein Unterschied von 32 Prozent zwischen ihm und dem nächstbesten Spieler. Kareem Abdul-Jabbars Vorsprung als All-Time-Scoring-Leader der NBA auf den Zweitplatzierten Karl Malone beträgt 1459 Punkte - 3,8 Prozent mehr.

Michael Jordan, der von vielen Experten als Basketball-GOAT angesehen wird, liegt bei den Punkten sogar nur auf Rang 5 - was allerdings auch an seinem zwischenzeitlichen Rücktritt liegt. Doch auch wenn Jordan den Basketballsport wie kein Zweiter geprägt hat, Gretzky war und ist Eishockey.

Als Journalist Michael Akelson für den Bleacher Report eine Liste der 30 dominantesten Athleten erstellte, war die Frage nach der Nummer 1 seine leichteste Entscheidung. Er schrieb als Erklärung dazu: "Ich bin der größte Fan von Michael Jordan, aber sogar ich muss zugeben, dass Wayne Gretzky noch viel dominanter war. Gretzky war einfach ein Mann unter lauter Jungs."

GOAT vor Brady?

In der NFL ist Tom Brady unumstritten der größte Spieler aller Zeiten. Der Unterschied zwischen dem Superstar der Tampa Bay Buccaneers, Drew Brees und Peyton Manning in Bezug auf die wichtigsten Passstatistiken ist allerdings fast zu vernachlässigen.

Bei den Completions und Passing Yards muss sich Brady hinter Brees anstellen, beim Passer Rating liegt er sogar nur auf Platz sieben. Zwar hat er zehn Touchdowns mehr als Brees geworfen und sogar 42 mehr als Manning, aber von Gretzkys Vorsprung ist der siebenfache Super-Bowl-MVP meilenweit entfernt. 

Warum wird Gretzky dennoch selten in GOAT-Debatten genannt? Die Antwort darauf ist einfach: Eishockey ist bei weitem nicht so populär wie die anderen drei großen Mannschaftssportarten in den USA. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass Gretzky den größten Teil seiner Karriere in Kanada gespielt hat.

Gretzky beobachtet Draisaitl bei Oilers

Heute ist die Eishockey-Legende mit den unzähligen NHL-Rekorden Klubfunktionär bei den Edmonton Oilers. Er sitzt in der Chefetage der Oilers Entertainment Group, die den fünfmaligen Stanley-Cup-Sieger und die Arena besitzt, und des Klubs. 

Der 60-Jährige hat deshalb auch aus nächster Nähe miterlebt, wie Leon Draisaitl zum Topscorer und besten Spieler der NHL aufgestiegen ist. Gretzky höchstpersönlich verkündete im September des vergangenen Jahres, dass der Deutsche als "MVP" der Liga ausgezeichnet wurde.

Draisaitl zuzuschauen, "macht riesig Spaß", sagte Gretzky, der darauf hofft, dass der Kölner und sein kongenialer kanadischer Sturmpartner Connor McDavid die Oilers wieder zu Höhenflügen wie in den 80ern führen. 

Deshalb sieht "The Great One" auch genau hin, wenn der deutsche NHL-Star, der seinen Namen trägt, über das Eis wirbelt. "The German Gretzky" wird Draisaitl genannt. Warum das so eine große Ehre ist, ist bei Gretzkys Karriere offensichtlich.