Julia Zorn ist Kapitänin der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft
Julia Zorn ist Kapitänin der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft © Imago
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Nach der Absage der Frauen-WM in Kanada erhebt die deutsche Kapitänin Julia Zorn Vorwürfe gegen den Weltverband. Auch in der Schweiz ist der Unmut riesig.

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Bei der U20-WM spielten sich die deutschen Eishockey-Junioren um den gefeierten Jungstar Tim Stützle im Dezember im kanadischen Edmonton ins Viertelfinale. In den USA beginnen gerade die Titelkämpfe der U18, und Ende Mai küren die Männer in Lettland ihre Weltmeister.

Trotz der Pandemie fanden und finden all diese Turniere statt. Und die Frauen? Die sollten eigentlich ab dem 6. Mai ihre WM in Kanada spielen, dürfen aber nicht.

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In der vergangenen Woche strich die Provinz Nova Scotia angesichts verschärfter Corona-Maßnahmen kurzerhand die Frauen-WM. Viele Spielerinnen sind fassungslos, sie wittern Ungleichbehandlung.

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Deutschland-Kapitänin Zorn wütet auf Twitter

DEB-Kapitänin Julia Zorn machte in einem Statement auf Twitter ihrem Ärger Luft: "Das ist einfach unfair. Wir sind immer noch traurig, enttäuscht und frustriert", teilte sie mit: "Unsere Saison ist mit einem Wimpernschlag auf die schockierendste und unerwartetste Weise vorbei."

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Der Weltverband IIHF gab sich in einer ersten Reaktion hilflos. Präsident Rene Fasel schrieb in einem offenen Brief an die "Frauen-Eishockey-Familie": "Da sowohl die IIHF als auch der kanadische Verband einige Tage vor der Absage die Zusicherung erhalten hatten, dass die Veranstaltung stattfinden würde, kam diese Nachricht völlig unerwartet."

Einen Ersatzort für ein Turnier mit zehn Nationen bereitzustellen, sei angesichts der Kosten und der Logistik nicht möglich gewesen. Die IIHF sei mit der kurzfristigen Absage "nicht einverstanden, da wir alles Notwendige getan haben, um die COVID-19-Sicherheitsmaßnahmen zu installieren", schrieb Fasel.

Unmut auch in der Schweiz

Aber auch aus der Schweiz gab es scharfe Kritik. "Diese Absage ist total inakzeptabel und verheerend", schrieb Weltklasse-Stürmerin Alina Müller auf Instagram: "Es wäre eine Schande, dies den besten Spielern im Männer-Hockey anzutun, die viel Geld verdienen und nicht auf andere Jobs angewiesen sind. Aber es ist absolut skandalös, dies den besten Spielerinnen anzutun und ihnen die beste Plattform zu nehmen, um das Frauen-Hockey weiterzuentwickeln."

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Zorn, Müller und Co. fühlen sich vom Weltverband ungleich behandelt. US-Star Hilary Knight sprach auf Twitter von einer "weiteren Erinnerung daran, dass Frauen-Eishockey immer noch wie ein sekundärer Gedanke behandelt wird." Vorwürfe, die im Jahr 2021 schwer wiegen, für DEB-Sportdirektor Christian Künast aber ins Leere laufen, auch wenn er den Frust der Spielerinnen nach der zweiten Absage in Folge verstehen kann.

"Der Weltverband kann nichts dafür", sagte er dem SID. Die Absage sei der Situation in Kanada geschuldet gewesen: "Wenn der Veranstalter das Turnier einen Tag vor der Abreise absagt, gibt es leider keinen Ersatz." Künast hofft nun auf eine "würdige Ersatzveranstaltung" und will in der kommenden Woche den Austausch mit den enttäuschten Spielerinnen suchen.

Olympia-Quali im Fokus

Im April 2020 war die WM erstmals verschoben worden. Fasel versicherte, dass das Turnier "so früh wie möglich im Sommer" nachgeholt werden solle.

Für Künast ist allerdings ohnehin ein anderes Turnier wichtiger: "Bei aller Enttäuschung über die Absage: Die Olympia-Qualifikation im November in Füssen ist unser Top-Ereignis", sagte er.

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Das DEB-Team war einen Tag vor dem Abflug von der Absage kalt erwischt worden. Fasel räumte zwar ein, einige Teams erst kurzfristig informiert zu haben, sah darin aber auch etwas Positives: Darüber, vergebliche Flüge vermieden zu haben, sei er glücklich. Für Zorn, Müller, Knight und viele andere Spielerinnen dürfte das ein äußerst schwacher Trost sein.