Rick Goldmann (l.) fühlt mit dem deutschen NHL-Superstar Leon Draisaitl
Rick Goldmann (l.) fühlt mit dem deutschen NHL-Superstar Leon Draisaitl © SPORT1-Grafik: Getty Images/SPORT1
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München - Rick Goldmann spricht in seiner Kolumne über die Absage der WM und die Gewinner und Verlierer der DEL-Saison. Auch Leon Draisaitl und die NHL sind ein Thema.

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Liebe Eishockey Freunde,

nun ist also offiziell, was schon lange absehbar war, aber sich wohl aufgrund Versicherungsfragen noch gezogen hat: Die Eishockey-WM 2020 in der Schweiz wird nicht stattfinden. Eine alternativlose, unumgängliche und richtige Entscheidung.

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Insbesondere Eishockey-Weltmeisterschaften stehen für ein Happening, für ein Treffen von Eishockey-Fans aus allen Herren Ländern, die während der Spiele zwar ihre Teams unterstützen und dadurch Gegner sind, aber vor und nach Spielen gemeinsam feiern. Und genau dieses gemeinsame Erlebnis ist aktuell nicht möglich.

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, müssen wir nun schweren Herzens diese Entscheidung tragen. Aber ich versuche für mich der Absage etwas Positives abzugewinnen. Das ist, dass meine Vorfreude auf die nächste WM noch einmal gesteigert wird.

Zwei Alternativen für die WM 2021

Wo auch immer die dann stattfindet. Denn es gibt derzeit zwei Varianten.

Einmal, dass alle Turniere einfach um ein Jahr nach hinten verschoben werden, die WM 2021 also in der Schweiz steigt.

Der Vorteil dabei ist: Die WM-Teilnehmer wären in der Schweiz dieselben, die Gruppeneinteilung dieselbe, der Spielplan könnte mit Anpassung ans Datum gleichbleiben, die Karten ihre Gültigkeit behalten.

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Problem: Die anderen Ausrichter müssten ihre Planungen, ihre Ausgaben alle anpassen.

Andere Variante wäre, die WM findet nun nach den bisher bis 2025 feststehenden Ausrichtern im Jahr 2026 erst statt. Die Gastgeber der Jahre 2021 - Weißrussland und Lettland - bis 2025 könnten weiter ihren Zeitplan verfolgen. Einzig die Schweiz müsste sich für 2026 komplett neu aufstellen.

Die Turniere der Division I bis IV in Slowenien, Polen, Kroatien, Island, Luxemburg, Südafrika und Kirgisistan wurden zwar ebenfalls abgesagt, könnten 2021 aber nach oben genannten Beispiel weiter Ausrichter sein.

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Berlin und Straubing Gewinner der DEL-Saison

Nachdem die Zukunft also noch völlig offen ist, lasst uns doch ein wenig zurückblicken auf die DEL. Auch hier haben wir die #geilsteZeit der Saison leider nicht gesehen, mit der Absage der Playoffs.

Als Gewinner bei den Teams fallen mir - jetzt allein aufgrund der Punkte - die Eisbären Berlin (20 Punkte mehr als in der Vorsaison) und Straubing Tigers (17 Punkte mehr) ein. Bei den Verlierern sind das natürlich die Kölner Haie. Und nicht nur wegen ihrer 21 Punkte weniger. Elfter statt Vierter - das sagt alles.

Aber blicken wir noch auf die einzelnen Akteure. Was mir auffällt: Auf jeder Position sind deutsche Spieler herausgestochen. Lasst uns doch mal darauf schauen, wer auf seiner Position für Furore gesorgt hat.

Im Tor hat mich Mathias Niederberger von der DEG beeindruckt. Er hat mit die meisten Spiele bestritten, trotzdem aber die beste Fangquote und den besten Gegentorschnitt aufzuweisen. Für mich einer der Garanten, warum Düsseldorf die Saison auf Platz fünf abgeschlossen hat. Ich bin auf seine weitere Entwicklung gespannt - insbesondere nach seinem Wechsel zu den Eisbären Berlin.

Sezemsky glänzt hinten und vorne

In der Verteidigung müssen wir auf jeden Fall über Simon Sezemsky von den Augsburger Panther reden. Er hat sich enorm weiterentwickelt. Nicht nur offensiv, aber dort ist es besonders auffällig. 15 Treffer, 33 Scorerpunkte. Und von den 15 Toren waren 13 im Powerplay. Damit bester Torschütze unter den Verteidigern und im Powerplay insgesamt, Stürmer miteingerechnet.

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Allerdings kommen wir nicht darum herum, Ingolstadts Maury Edwards zu erwähnen, der als Verteidiger sage und schreibe 46 Punkte in 52 Spielen erzielt hat. Ich bin gespannt, ob er diese Leistung nach seinem Wechsel zu den Haien bestätigen kann.

Stürmer des Jahres - und vielleicht auch gleichzeitig Spieler des Jahres - ist für mich Marcel Noebels. Eine Wahnsinns-Saison von ihm. 23 Tore, 49 Punkte und vor allem eine Spielweise, die so locker, aber gleichzeitig offensiv zwingend war. Er hat bewiesen, dass er nicht nur ein sehr starker Zwei-Wege-Stürmer ist, sondern auch eine offensive Macht bei den Eisbären Berlin.

Wen ich da aber noch in den Raum werfen will, ist Daniel Fischbuch. Er hat ein echtes Paradejahr in Nürnberg hinter sich. Eigentlich war er ja schon gar nicht mehr gewollt in der DEL, am Ende war er jetzt nach Punkten achtbester Scorer der Hauptrunde.

Deutsche Eishockey-Spieler gehen voran

Die größten Gewinner sind in dieser Saison aber die jungen deutschen Spieler. Junge, deutsche Spieler, die beweisen, dass sie nicht nur in die Liga kommen, damit junge, deutsche Spieler da sind, sondern die vorangehen, die sich etwas zutrauen und die eine große Qualität mitbringen - allen voran Mannheims Tim Stützle, aber auch Berlins Lukas Reichel, J.J. Peterka und Justin Schütz vom EHC Red Bull München sowie viele andere mehr.

Wir dürfen gespannt sein, ob Stützle beim NHL-Draft - in welcher Form dieser auch immer stattfinden wird - unter den ersten fünf und auch Reichel sowie Peterka in den ersten beiden Runden gepickt werden. Ihre Chancen dazu sind sehr gut und sie haben sich das mit ihren Leistungen absolut verdient.

Wenn wir schon beim Thema NHL sind, ein kurzer Blick nach Nordamerika. Auch hier sieht es nicht danach aus, dass die Saison in Kürze zu Ende gespielt werden kann. Die Spieler dürfen die offiziellen Teamgelände nicht betreten, wurden sogar heim geschickt - wie Moritz Seider nach Deutschland. Für ihn tut es mir sehr leid, denn er stand meines Erachtens kurz vor seinem NHL-Debüt.

Saison von Draisaitl erhält einen Dämpfer

Auch für Leon Draisaitl ist es bitter, dass die Spielzeit unterbrochen werden musste. Seine überragende Saison mit besten Aussichten, sie als bester Scorer der kompletten Liga sowie möglicherweise als wertvollster Spieler abzuschließen, erhält leider einen Dämpfer.

So hart es auch sein mag, dass dieses Jahr die Saisonhöhepunkte Playoffs und WM nicht stattfinden können - ich muss sagen, ich freue mich schon auf die Zukunft, wieder in die Eishalle zu gehen, den speziellen Duft – also von diesem kühlen Eis – zu riechen, am Körper zu spüren und zu wissen, dass gleich die geilste Sportart der Welt wieder loslegt.

In diesem Sinne, ich freue mich, euch in einem der Stadien hoffentlich bald wieder zu sehen. Bleibt gesund,

Euer Rick

Rick Goldmann, 43, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft und der DEL.