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Köln - Am Mittwoch gastiert Leon Draisaitl mit den Edmonton Oilers bei den Kölner Haien. Die trainiert sein Vater Peter. SPORT1 hat mit beiden exklusiv gesprochen.

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Am 3. Oktober tritt Deutschlands Eishockey-Star Leon Draisaitl im Rahmen der 2018 NHL Global Series Challenge mit seinen Edmonton Oilers zum Schlagabtausch in der Lanxess-Arena bei den Kölner Haien an (Eishockey: Kölner Haie - Edmonton Oilers, Mi. ab 15.30 Uhr LIVE bei SPORT1 im Free-TV).

Dabei trifft der gebürtige Kölner Draisaitl auf seinen Ex-Verein, bei dem aktuell sein Vater Peter Draisaitl als Trainer unter Vertrag steht. 

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Vor diesem heißen Familien-Duell hat SPORT1 mit der bekanntesten Eishockey-Familie Deutschlands exklusiv darüber gesprochen, was Leon Draisaitl in der NHL erreichen kann, warum seine Fußballer-Karriere bei Viktoria Köln scheiterte und warum ihm Wasser nicht geheuer ist.

Am 6. Oktober eröffnen die Oilers dann in Göteborg gegen die New Jersey Devils die Regular Season 2018/19. (Die kommende NHL-Saison LIVE im TV auf SPORT1 US)

SPORT1: Leon Draisaitl, als Jugendlicher haben Sie ein Jahr kein Eishockey gespielt. Wie kam es dazu?

Leon Draisaitl: "Das Umziehen hat mich beim Eishockey gestört, darum habe ich ein Jahr aufgehört. Und weil ich wusste: Meine Eltern haben mich bei allem unterstützt. Es war klar, wenn mir Eishockey nicht gefällt, wäre das kein großes Thema gewesen. Ich habe daher fast jede Sportart mal ausprobiert: Golf, Tennis, Fußball - aber das war dann doch nichts für mich."

SPORT1: Was dachten Sie sich als Vater dabei, Peter Draisaitl?

Peter Draisaitl: "Wenn er beim Fußball hängen geblieben wäre, wäre das auch in Ordnung gewesen. Wir haben früh gelernt, dass es keinen Sinn macht, die Kinder unter Druck zu setzten. War es überhaupt ein ganzes Jahr? Er hat mal reingeschnuppert bei Viktoria Köln und das hat sich schnell wieder erledigt."

Leon: "Weil ich keinen Freistoß schießen durfte. Dann hatte ich keine Lust mehr."

"Vergleich mit Gretzky nicht fair"

SPORT1: Leon ist dann doch Eishockey-Spieler geworden, wurde wegen seines außerordentlichen Talents "German Gretzky" genannt. Können Sie diesen Spitznamen noch hören?

Leon: "Ich versuche das wegzuschieben. Es kommt ja größtenteils eh von den Medien."

Peter: "Ich war nicht gerade begeistert davon, weil es den Jungen unnötig unter Druck setzt. Jeder weiß, dass es nur den einen gibt und allein der Vergleich ist schon nicht fair und macht auch keinen Sinn. Es ist aber cool, dass Leon solche Sachen professionell handhabt."

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SPORT1: Wie haben Sie die Entwicklung Ihres Sohnes begleitet?

Peter: "Schon sehr intensiv. Als Kind ist er jeden Tag hier gewesen. Mit 13 war er dann schon aus dem Haus. Dann hat es sich schon abgezeichnet, dass der Weg noch weiter gehen könnte. Mir hat das viel Spaß gemacht. Ich habe mich dann auch nebenher damit beschäftigt, wie Eishockey in Kanada läuft."

SPORT1: Wann haben Sie die Größe von Leons Potenzial erkannt?

Peter: "Es hat sich peu a peu abgezeichnet hat, dass er im Junior Draft und später im NHL Draft landen könnte. Da habe ich dann schon die entsprechende Hoffnung geschöpft." (Die kommende NHL-Saison LIVE im TV auf SPORT1 US)

SPORT1: Leon, wie hat Ihr Vater Sie als Spieler beeinflusst?

Leon: "Als Papa aufgehört hat, war ich zwei, drei, vier Jahre alt, da habe ich nicht mehr viel in Erinnerung. Natürlich habe ich Sachen gehört und Videos gesehen, ich wusste was er für ein Spieler war. Ich denke, da sind wir uns schon ähnlich."

SPORT1: Peter, was hätten Sie als Spieler gern gehabt, was Leon hat?

Peter: "Unabhängig davon, dass die Zeiten anders waren und für uns die NHL so weit weg war, dass ich nicht mal darüber nachgedacht habe:  seine mentale Stärke. Ich habe sehr spät erst gemerkt, um was es in diesem Sport geht und wo ich mich positionieren muss, um für das Team brauchbar zu sein. Das hat Leon viel früher gewusst."

"Leon kann sich mit Crosby messen"

SPORT1: Wie sehen Sie Leon als Spieler?

Peter: "Als jemand, der es schaffen sollte, ein dominanter Zwei-Wege-Spieler zu sein. Mit seinen Fähigkeiten müsste er in der Lage sein, eine Linie zu tragen und als Mittelstürmer zu dirigieren. Darüber hinaus hat er auch die Fähigkeit, selbst zu scoren und sich damit auch mit den Superstars wie Sidney Crosby zu messen."

Leon: "Er kennt mich und weiß, dass es mein Ziel ist, ein Zwei-Wege-Spieler zu sein, der scoren kann aber auch defensiv die Drecksarbeit machen kann - also ein Allrounder."

SPORT1: Leon hat sich zum Teil im heimischen Köln auf die NHL-Saison vorbereitet, auch bei den Haien mittrainiert. Warum?

Leon: "Ich komme aus Köln, es ist ein perfektes Szenario mit meinem Vater hier. Ich habe jede Möglichkeit, mich hier perfekt im Kraftraum und auf dem Eis vorzubereiten."

SPORT1: Haben Sie auch gemeinsam gewohnt?

Leon: "Ja, ich wohne noch bei meinen Eltern."

SPORT1: Und wer ist fürs Kochen zuständig?

Leon: "Ich mit Sicherheit nicht (lacht). Mama größtenteils."

SPORT1: Sie haben auch gemeinsam Urlaub in Spanien gemacht. Wir haben gehört, dass Leon gewisse Probleme mit dem Thema Wasser hat...

Leon: "Ja, das stimmt. Ich kühle mich schon gerne ab, aber dann eher in Pools statt im großen, weiten Meer, wo ich nicht weiß, was unter mir herumschwimmt."

Peter: "Ich könnte das mit dem einen oder anderen Foto beweisen. Da hat er noch die roten Schwimmflügel an und da war ihm das Wasser schon nicht geheuer. Das hat er bis heute beibehalten."

SPORT1:  Wie ist das, den eigenen Vater als Trainer zu haben?

Leon: "Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Manchmal ist es komisch, wenn es lauter wird, weil ich Papa nur von daheim kenne. Aber sonst ist es ganz normal. Das ist ein Business und es ist sein Job, das kann ich trennen."

Vater Draisaitl: "Leon bringt mich weiter"

SPORT1: Über die Vorteile, Peter Draisaitl als Vater zu haben, wird viel geredet. Profitieren Sie als Trainer ebenfalls davon, Leon Draisaitl als Sohn zu haben?

Peter: "Ja. Wir Trainer leben von Informationen und ich habe viel von dem aufgesaugt, was Leon in Amerika gelernt hat. Das bringt mich und mein Team weiter."

SPORT1: Leon, wie viel von Ihrem Potenzial als Eishockey-Spieler haben Sie schon ausgeschöpft?

Leon: "Ich bin mir sicher, dass ich noch einiges mehr in mir habe. Mit 22 ist kein Athlet, wo er mit 28 ist. Das ist ein Prozess, der harte Arbeit ist. Ich versuche mich Jahr für Jahr zu verbessern."

SPORT1: Welchen Stellenwert hat Ihr Duell in der NHL Global Series für Sie?

Peter: "Was die Oilers angeht, die müssen ihr Team stehen haben im letzten Vorbereitungsspiel und werden das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Für uns ist es ein Highlight zwischen zwei sehr wichtigen Spielen der DEL."

SPORT1: Und was bedeutet es für Sie persönlich, mit Ihren Teams aufeinanderzutreffen?

Peter: "Das ist seine einzige Chance, mich zu schlagen. Im Tischtennis sieht er kein Land (lacht)."

Leon: "Es wäre eine von vielen Gelegenheiten, bei denen ich meinen Vater schlage. Im Ernst: Es wird ein tolles Event und auch für unsere Familie etwas ganz Besonderes."