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IHOCKEY-WORLD-SWE-CAN © Getty Images
Lesedauer: 10 Minuten

München - Was ist ein "Power Play"? Und wann wird eigentlich "Icing" gepfiffen? Welche Strafen gibt es? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Eishockey-Regeln.

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Eishockey wird bestimmt von harten Kerlen, einer Menge Geschwindigkeit und Hochspannung. Ob bei den Eisbären BerlinEHC Red Bull München oder dem ERC Ingolstadt: Die Stimmung in der Halle ist immer hochklassig. Allerdings sind die Entscheidungen der Schiedsrichter für den Zuschauer nicht immer ganz nachzuvollziehen. Das liegt zum einen am Tempo auf dem Eis und der körperbetonten Spielweise. Zum anderen am Regelwerk selbst.

Denn das Regelbuch für die Kuvencracks ist dick. Die wichtigsten Regeln, das Spielfeld und die Ausrüstung erklärt SPORT1:

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Verantwortlich für die Eishockeyregeln ist die Internationale Eishockey-Föderation (IIHF). Nach diesen Regeln werden alle internationalen Turniere, so auch die Weltmeisterschaft 2019 in der Slowakei (ab 10. Mai LIVE im TV auf SPORT1) ausgespielt und auch die nationalen Ligen - wie die Deutsche Eishockey Liga - der Mitgliedsverbände unterwerfen sich diesem Regelwerk. Die einzige Ausnahme ist die NHL. In der nordamerikanischen Profi-Liga wird teilweise vom IIHF-Regelwerk abgewichen. Aufgrund des Standings als weltbeste Eishockey-Liga kann sich die NHL diese Unabhängigkeit erlauben.

Gültig ist das Regelwerk immer für einen Zeitraum von vier Jahren. Danach werden die Regeln ausgewertet und bei Bedarf modernen Gegebenheiten angepasst. Das aktuelle Regel-Intervall dauert von 2018 und bis 2022.

Das Spielfeld

Eisfläche/Tore:

Das Spielfeld hat eine Mindestlänge von 56 Metern und darf 61 Meter nicht überschreiten. Bei der Breite ist zwischen 26 und 30 Metern alles erlaubt. Zudem ist das Eis in drei Drittel eingeteilt. Für jede Mannschaft eine eigene Hälfte, plus die neutrale Zone in der Mitte des Spielfelds.

In jeder Team-Hälfte befindet sich jeweils ein Tor. Dieses setzt sich aus einem Netz und einem Rahmen zusammen. Es hat eine Höhe von 1,22 Metern, die Pfosten sind horizontal 1,83 Meter voneinander entfernt.

Der kleine Halbkreis vor dem Tor wird als Torraum bezeichnet und hat einen Radius von etwa 1,8 Metern. Dieser wird vor allem beim Erzielen von Toren noch wichtig - Stichwort Torraumabseits.

Markierungen/Linien:

Auf der Eisfläche befinden sich farbige Markierungen, die alle eine eigene Bedeutung haben. Das Feld ist durch eine rote Mittellinie geteilt.

Die zwei Teamhälften sind identisch aufgebaut und werden jeweils durch eine blaue Linie eingeläutet. Kurz vor Ende auf Höhe des Tores warnt eine sogenannte rote Torlinie die Spieler, dass sie jetzt hinter dem Tor spielen. Das ist im Eishockey erlaubt.

Eishockey Spielfeld So ist ein Eishockeyfeld nach IHF-Regeln aufgebaut
Eishockey Spielfeld So ist ein Eishockeyfeld nach IHF-Regeln aufgebaut © Wikipedia / Hedavid

Anspielpunkte und Bande:

Die im englischen "Face-off Spots" genannten Anspielpunkte dienen dazu, die Partie nach einer Unterbrechung oder einem Tor fortzuführen. Insgesamt gibt es neun Anspielpunkte auf dem Spielfeld: Fünf in der neutralen Zone und jeweils zwei in den Angriffszonen der Teams (sogenannte "End Zone Face-Off Spots").

Das gesamte Spielfeld ist durch eine Bande begrenzt, welche je nach Position am Spielfeld eine unterschiedliche Höhe haben muss - so muss sie im hinteren Bereich des Angriffsdrittels deutlich höher sein als etwa in der Mitte des Spielfelds. Die Bande besteht unten aus einer gelben Kickleiste ("Kick Plate"), an der Oberseite muss Sicherheitsglas angebracht werden.

Die Teams: Eine Mannschaft umfasst maximal 22 Spieler, wovon zwei Spieler als Torhüter ausgewiesen sein müssen. Auf dem Eis dürfen sich gleichzeitig sechs Spieler befinden. In der Regel sind das fünf Feldspieler und ein Goalie. in Ausnahmesituationen, meist gegen Ende des Spiels, können aber auch sechs Feldspieler auf dem Eis sein. Während dem Spiel darf so oft gewechselt werden, wie erwünscht. Ausgewechselte Spieler dürfen jederzeit wieder auf das Eis.

Wegen der hohen körperlichen Beanspruchung wird meist nach 40-50 Sekunden gewechselt.

Die Ausrüstung

Da es gerne mal etwas härter zur Sache geht, ist eine passende Schutzausrüstung für jede Mannschaft nicht nur empfohlen, sondern sogar vorgeschrieben.

Neben den für das Spiel obligatorischen Eishockeyschlägern, Schlittschuhen und dem Puck gehören zu dieser Ausrüstung auch ein Helm mit Helmvisier (Visier nicht überall vorgeschrieben), ein Nacken- und Kehlkopfschutz und Handschuhe. Einer der wichtigsten Teile der Schutzausrüstung ist außerdem der Schulter - und Brustkorbschutz, der schwerwiegende Oberkörperverletzung bei einem harten Check verhindern soll.

Empfohlen, aber kein Muss mehr, sind ein Mund- und Zahnschutz. Viele Akteure wollen angesichts der Härte des Spiels aber nicht darauf verzichten - verständlicherweise.

Für den Torhüter gelten noch einmal andere Regeln, da er als Empfänger vieler Schüsse naturgemäß in höherer Gefahr einer Verletzung schwebt. So müssen Keeper einen Helm mit Gesichtsmaske, Beinschoner und zwei verschiedene Handschuhe tragen: Einen Fanghandschuh sowie einen Blockerhandschuh mit einer speziellen Schutzplatte.

Die wichtigsten Regeln

Die Spielzeit:

Die effektive Spielzeit beträgt drei Drittel zu je 20 Minuten. Da die Partie, ähnlich wie beim Football oder Basketball, aber häufig unterbrochen ist und die Spielzeit dabei angehalten wird, kann ein Spiel schon mal deutlich länger dauern. Im Durchschnitt dauert eine Eishockey-Partie zwischen zwei und zweieinhalb Stunden.

Zwischen den einzelnen Dritteln findet eine 15-minütige Pause statt. Sollte eine Partie nach regulärer Spielzeit unentschieden stehen, wird in einer Verlängerung über den Sieger entschieden.

Diese "Overtime" kann je nach Regelwerk der Liga ganz unterschiedlich ausfallen, meist werden jedoch noch einmal fünf Minuten oben drauf gepackt. Sollte auch dann noch kein Sieger feststehen, entscheidet in den meisten Ligen ein Penaltyschießen über den Gewinner der Partie.

Wichtige Begriffe:

Eishockey ist ein ziemlich komplexer Sport und ebenso komplex sind seine Regeln. SPORT1 hat die wichtigsten Begriffe und Regeln aus dem Eishockey zusammen gefasst:

Bully: Der Bully wird an den oben erwähnten Anspielpunkten nach einer Unterbrechung des Spiels oder zu Beginn eines Drittels ausgeführt. Dabei wirft ein Schiedsrichter den Puck ein und jeweils ein Akteur einer Mannschaft versucht, den Puck in seinen Besitz zu bringen.

Icing (Unerlaubter Weitschuss): Unerlaubter Weitschuss wird gepfiffen, wenn der Puck aus der eigenen Hälfte über die rote Mittellinie und die gegnerische Torlinie gespielt wird, ohne dass ein Spieler den Puck währenddessen berührt. Der Schiedsrichter pfeift ab und das Spiel geht mit einem Bully in der gegenüberliegenden Endzone weiter. Spielt eine Mannschaft in Unterzahl, gilt die Regel für dieses Team nicht.

Abseits: Ein Abseits wird dann gepfiffen, wenn ein Spieler der angreifenden Mannschaft die blaue Linie des Angriffsdrittels vor dem Puck überschreitet. Praxisbeispiel: Ein Spieler des Klubs A läuft mit dem Puck auf das gegnerische Drittel zu: Jetzt darf sich zwischen diesem Spieler und dem gegnerischen Tor kein Spieler aus dem eigenen Team befinden, wenn er in das Angriffsdrittel eindringt. Auch darf der Spieler mit dem Puck nicht vor dem Puck über die Linie, in dem er z.B. rückwärts fährt. Es gilt die eiserne Grundregel: Erst, wenn der Puck im Angriffsdrittel ist, darf die angreifende Mannschaft ebenfalls über die blaue Linie. Es gibt keine Ausnahmen. Damit ist die Abseitsregel um einiges verständlicher als im Fußball.

Torraumabseits: Der Torraum ist die alleinige Zone für den Torwart und darf nicht von Spielern des gegnerischen Teams betreten werden, es sei denn, sie werden dort in irgendeiner Art und Weise hineingedrängt oder am Verlassen gehindert. Schießt ein Spieler ein Tor, während sich ein Kollege im Torraum herumtreibt, zählt dieses Tor nicht. Es geht mit einem Bully außerhalb des Angriffsdrittels weiter.

Power Play (Überzahlspiel): Einer der berühmtesten Begriffe des Sports. Erhält eine Mannschaft eine Strafe gegen einen Spieler, muss dieser für eine bestimmte Zeit (meist zwei Minuten) auf die Strafbank und das gegnerische Team darf in 5:4-Überzahl spielen. Bei mehreren Strafen kann auch ein 5:3-Power Play entstehen, weniger als drei Feldspieler pro Team sind jedoch nicht zugelassen. Zur Not müssen die Strafen nacheinander abgesessen werden.

Time-Out (Auszeit): Jede Mannschaft hat die Möglichkeit, pro Spiel eine Auszeit von 30 Sekunden zu nehmen.

Penalty (Strafschuss): Der "Elfmeter" beim Eishockey wird ein wenig anders als beim Fußball ausgeführt. Der Schütze darf sich alleine mit dem Puckvon der Mittellinie aus auf das Tor zu bewegen und versuchen, den Puck am Torwart vorbei zu bekommen. Wichtig: Dabei darf er sich nicht rückwärts bewegen, ein Nachschuss ist nach Abgabe des ersten Schusses nicht erlaubt.

Welche Strafen gibt es?

Im Eishockey gibt es, wieder ähnlich dem American Football, viele Strafen, die alle mit einem speziellen Handzeichen vom Schiedsrichter angezeigt werden. Die häufigsten sind die Behinderung (interference), das Haken (hooking), Beinstellen (tripping), Übertriebene Härte (roughing) und der Stockschlag (slashing).

Der Schiedsrichter zeigt das Foul durch ein Heben des Arms an, doch das Spiel wird nicht sofort angehalten. Stattdessen wird so lang weiter gespielt, bis das zu bestrafende Team in Puck-Besitz kommt. Erzielt die Mannschaft, gegen die das das Foul begangen wurde, währenddessen ein Tor, ist die Strafe hinfällig.

Es wird zudem in verschieden schwere Strafen unterschieden:

Kleine Strafen/Bankstrafen: Das ist die häufigste Strafe, die für ein "normales" Foul vergeben wird. Der foulende Spieler (kleine Strafe) oder ein Spieler der Mannschaft (Bankstrafe) muss zwei Minuten auf die Strafbank, sein Team spielt in Unterzahl weiter.

Große Strafen: Auch die große Strafe wird auf der Strafbank abgesessen, beträgt aber fünf Minuten und geht automatisch mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe einher. Das heißt, nach Ablauf der Strafe darf das Team wieder vollzählig spielen, der bestrafte Spieler aber ist vom Spiel ausgeschlossen.

Disziplinarstrafen: Diese Strafen werden meist kombiniert mit einer der beiden obigen Strafen ausgesprochen und betragen harte zehn Minuten. Im Falle einer kombinierten Strafe (also 2 min. + 10 min. Disziplinarstrafe) muss ein zweiter Spieler des Teams die kleine Strafe des bestraften Spielers übernehmen.

Matchstrafe: Bei einer Matchstrafe gegen einen Spieler wird dieser sofort vom Spiel ausgeschlossen und mindestens für eine weitere Partie gesperrt. Die Mannschaft muss fünf Minuten in Unterzahl spielen.

Angesichts all dieser Strafen und Regeln ist es notwendig, dass vier "Spiel-Offizielle" das Spiel leiten. Dazu gehören zwei Schiedsrichter und zwei Linienrichter, die sich vor allem um Abseits und Icing kümmern.

Ein zusätzlicher Video-Torrichter kann bei strittigen Entscheidungen zu Rate gezogen werden. Zwei Torrichter, die sich direkt hinter den Toren befinden, achten nur auf das Gehäuse und aktivieren eine rote Lampe, wenn der Puck die Torlinie vollständig überquert hat. Zu diesen zusätzlichen Helfern (Off-Ice-Offizielle) gehören auch der Stadionsprecher, ein Spielzeitnehmer und ein Punktrichter.

Eine Besonderheit des Eishockeys ist die Schlägerei. Während in allen anderen Sportarten handgreifliche Auseinandersetzungen verpönt sind und im Keim erstickt werden sollen, gehören sie im Eishockey irgendwie dazu. Die Schlägerei ist sozusagen Teil des Kodex, nach dem alle Beteiligten diesen Sport betreiben.