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München - Konstanter Profi gegen unbekümmerten Hobbyspieler: Das erste deutsche WM-Duell Gabriel Clemens - Nico Kurz ist auch für Darts-Experten schwer einzuschätzen.

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An diesem Montagabend wird deutsche Darts-Geschichte geschrieben (Darts-WM von 15. Dezember bis 3. Januar LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER).

Zum ersten Mal überhaupt stehen sich bei der Darts-WM 2021 im Londoner Ally Pally zwei Spieler aus "Good old Germany" gegenüber.

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Auf der einen Seite: Nico Kurz, 23 Jahre alt, hauptberuflicher Industriemechaniker und Eintracht-Frankfurt-Fan aus Hanau – und der Überraschungsmann der WM im vergangenen Jahr.

Auf der anderen Seite: Der aus Saarlouis stammende "German Giant" Gabriel Clemens, 37, ebenfalls mal Industriemechaniker, von seinem Job aber für seine Profi-Karriere freigestellt - und mittlerweile nach einem starken Jahr 2020 die Nummer 1 seiner Heimatnation (So läuft die Darts-WM bei SPORT1).

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Was können die Fans von dem Duell erwarten? Und welche Aussicht wartet auf den Sieger?

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Clemens zieht an Hopp vorbei

Kurz war bereits im vergangenen Jahr mit überraschenden Siegen über James Wilson und Joe Cullen bis in Runde 3 vorgestoßen. Auch diesmal hat er einen guten Start in die Konkurrenz erwischt: Er bezwang Andy Hamilton mit 3:1, den Mann, der noch 2012 im WM-Finale stand und dort gegen "Jackpot" Adrian Lewis verlor (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021).

Clemens kämpft derweil im dritten Anlauf um seinen ersten Drittrunden-Einzug: Bei der WM 2019 war in Runde 2 gegen John Henderson Schluss, im Vorjahr gegen Benito van de Pas in Runde 1.

Dafür folgte ein Turnierjahr 2020, in dem sich Clemens als konstantester deutscher Performer hervorgetan hat: Achtelfinaleinzüge bei World Matchplay, World Grand Prix und UK Open ließen ihn in der Weltrangliste an dem schon ausgeschiedenen Max Hopp vorbeiziehen – und katapultierten ihn in die Setzliste der WM, auf Position 31.

"Als er angefangen hat, hab ich gesagt: 'Der wird richtig gut werden.' Und so war es. Hopp ist auch gut, aber ich denke, 'Gaga' ist noch eine Klasse drüber", sagte der Waliser Gerwyn Price zu SPORT1.

Und auch Superstar Michael van Gerwen outete sich bei SPORT1 als Fan: "Gaga hat sehr gut gespielt in letzter Zeit. Mir gefällt seine Art zu werfen. Er ist ein wirklich guter Typ."

Kurz ist kein Profi

Clemens gegen Kurz: Es ist das Aufeinandertreffen zweier Spieler mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Bis heute ist Kurz, dessen Elternteile beide deutsche E-Darts-Meister in ihren Klassen waren, kein Profi. Im SPORT1-Gespräch kurz vor dem Turnierstart stellte er auch klar, dass er gegenwärtig keine Pläne hat, das zu ändern (Die Mega-Preisgelder der Darts-WM).

"70 Prozent" seiner Zeit widme er der Arbeit, seine bemerkenswerten WM-Erfolge sind im Wesentlichen die eines Hobbyspielers.

Dass er aufgrund dessen nur begrenzte Matchpraxis mit den arrivierten Stars der Szene hat – wegen der Corona-Pandemie noch weniger – scheint für Hopps Trainingspartner nicht nur ein Nachteil zu sein. Kurz wirkt auf der großen Bühne unbekümmert, auch seine meist knappen und schnörkellosen Interview-Antworten stützen den Eindruck, dass Kurz Grübeleien, Erwartungen von außen und andere Störfaktoren bestens von sich fernhalten kann.

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Kurz schlug Clemens bei Super League Germany

Es kann ihm zugute kommen gegen einen Kontrahenten, der anders als er noch beweisen muss, dass er seine Qualitäten auch unter den allergrößtem Druck der WM-Bühne abrufen kann - und auch, dass er in der Lage ist, Kurz zu schlagen: Das bislang einzige Aufeinandertreffen unter Wettbewerbsbedingungen bei der HYLO CARE Darts Super League Germany im Juni ging mit 9:7 an den Youngster.

"Ich bin Einzelsportler, ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit Darts. Dafür muss ich Erfolge haben. Das ist mein Ziel", stellte Clemens klipp und klar fest.

Beide deutschen Darts-Profis kennen sich schon lange und verstehen sich gut. "Aber da muss die Freundschaft einfach auch mal ruhen, und jeder geht seinem Spiel nach", erklärte der 37-Jährige (Die wichtigsten Darts-Begriffe).

Schindler lobt Phänomen Kurz

Während sich SPORT1-Experte Robert Marijanovic vor der WM von Clemens am meisten erhoffte, ist der zweimalige WM-Teilnehmer Martin Schindler im Gespräch mit SPORT1 gespalten, wer nun eigentlich der Favorit ist.

An sich ja Clemens, "dafür sprechen seine Leistungen der letzten Monate und Jahre". Aber Kurz sei bei diesem besonderen Anlass irgendwie ein Phänomen für sich: "Wenn er bei der WM spielt, da interessiert ihn das alles überhaupt nicht. Gefühlt ist ihm das alles egal. Er spielt so locker und fantastisch. Wenn er es jetzt nochmal schafft, so ein Spiel wie im vergangenen Jahr abzurufen, dann wird es Clemens sehr, sehr schwer haben."

Wright von Kurz verblüfft

Auch Titelverteidiger "Snakebite" Peter Wright sprach im SPORT1-Interview vor dem Turnierstart voller Respekt für Clemens ("Gabriel hat zuletzt tolles Darts gespielt, auch bei den TV-Turnieren"), während er über Kurz schlicht verblüfft wirkte ("Und Nico: Wow, was ein Start!").

Gewiss ist aus Sicht von Wright dies: "Die Zukunft des deutschen Darts wird fantastisch." Die Gegenwart wird er allerdings auszubremsen versuchen: Wright ist der Drittrundengegner, der auf den Sieger des deutschen Duells wartet.