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München - WM-Titelverteidiger "Snakebite" Peter Wright hat trotz seiner späten Krönung ein zwiespältiges Verhältnis zum Darts. Im SPORT1-Interview spricht er darüber.

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Über 20 Jahre nach seiner ersten WM-Teilnahme schlug zu Beginn des Jahres endlich seine Stunde.

"Snakebite" Peter Wright besiegte im Finale der Darts-WM 2020 Michael van Gerwen und krönte sich zum Champion - eine späte Krönung für den extrovertierten Schotten mit den bunten Haaren.

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Steckt noch ein solcher Coup in dem inzwischen 50 Jahre alten Wright? Bislang hat nur Überfigur Phil Taylor den Titel der PDC-WM geholt, nachdem er diese Altersgrenze überschritten hatte (alle Spiele der Darts-WM 2021 LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER).

Wrights Mission, "The Power" nachzueifern, beginnt schon am heutigen Dienstag: Wrights Zweitrundenmatch gegen den Sieger des Spiels Steve West - Amit Gilitwala wird den Turnierauftakt beschließen, dem nach jetzigem Stand einzigen Tag, an dem bei der WM Zuschauer zugelassen sind (Spielplan und Ergebnisse der Darts-WM 2021).

Im SPORT1-Interview vor dem Start spricht Wright über seine Erwartungen, die Schwierigkeiten, sich in seinem Alter noch zu motivieren, sein zwiespältiges Verhältnis zu seinem Sport und seine Einschätzung der drei deutschen Teilnehmer.

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Hier können Sie sich den PDF-Spielplan der Darts-WM 2021 herunterladen und im Anschluss ausdrucken

SPORT1: Herr Wright, aufgrund der Corona-Pandemie läuft das Turnier im sonst vollgepackten Ally Pally weitgehend ohne Fans. Was erwarten Sie für Auswirkungen?

Wright: In diesem Jahr haben wir die Majors hinter geschlossenen Türen gespielt. Das war grauenhaft. Es war wirklich toll, nach Deutschland oder Österreich zu kommen, wo man zumindest vor einem kleinen Publikum spielen konnte. Das war unglaublich. Aber was sein muss, muss nun mal sein. Vielleicht sollten wir Kopfhörer tragen dürfen, über die wir Zuschauergeräusche hören können (lacht).

Wright: "Ich kann wieder gewinnen"

SPORT1: Fühlen sich Darts-Matches ohne Zuschauer mehr nach Arbeit an? 

Wright: Es ist in jedem Fall schwer, das übliche Adrenalin zu kriegen. Normalerweise bekommt man das durch den ständigen Austausch mit dem Publikum - selbst dann, wenn man ausgebuht wird.

SPORT1: Was haben Sie sich als Titelverteidiger für dieses Jahr vorgenommen? 

Peter Wright: Ich versuche die WM wieder zu gewinnen. Und hoffentlich haben wir Anfang nächsten Jahres einen Impfstoff, damit ich den Titel wie ein richtiger Weltmeister genießen kann.

SPORT1: Halten Sie das Ziel Titelverteidigung für realistisch? 

Wright: Ich denke, ich kann wieder gewinnen. Natürlich nicht mit derselben Ausstattung, die ist Geschichte. Jetzt muss ich mir was anderes suchen, weil ich dumm bin (lacht). Ja, ich sollte die Darts behalten, aber ich mag es, mich herauszufordern.  

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Peter Wright warnt vor James Wade

SPORT1: Wer sind Ihre Topfavoriten auf den WM-Titel? 

Wright: Ich denke, man sollte auf James Wade aufpassen. Ich habe ihn bei den letzten beiden Turnieren im TV gesehen und da hat man ein bisschen wieder das besondere Etwas gesehen, das ihm eine Weile gefehlt hatte.  

SPORT1: Können Sie sich erklären, warum der sonst so dominante Michael van Gerwen in diesem Jahr solche Probleme hat

Wright: Niemand weiß warum. Ich weiß es nicht, er weiß es wahrscheinlich auch nicht. Aber manchmal ist es einfach weg. Das passiert mir eigentlich jedes Jahr für zwei Wochen, eine Phase, in der das Selbstvertrauen verloren geht. Aber bei ihm geht es in diesem Jahr rauf und runter, rauf und runter und so weiter. Das zeigt, dass er auch nur ein Mensch ist.

"Die Zukunft des deutschen Darts wird fantastisch"

SPORT1: Hat der WM-Titel Ihr Leben verändert? Oder sind Sie schon zu lange im Darts-Geschäft unterwegs, als dass die Erfahrung noch so einschneidend gewesen wäre?  

Wright: Nun, es war gutes Timing, der Titel zu holen, bevor ich 50 Jahre alt geworden bin (lacht). Es ist der Traum aller, die WM zu gewinnen und ich habe ihn erreicht. Wenn mir das jetzt nicht nochmal gelingen sollte, dann kann ich trotzdem sagen: Ich habe die WM gewonnen. Aber ich denke, dass es anders kommen wird und ich nochmal Weltmeister werde. Hat der Titel etwas verändert? Ja, die Art und Weise, wie ich über das Spiel denke und meine Konkurrenten wahrnehme, ist anders geworden.

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SPORT1: Was halten Sie von den deutschen WM-Teilnehmern, Max Hopp, Nico Kurz und Gabriel Clemens

Wright: Auf Max hat in den letzten Jahren viel Druck gelastet. Es fühlt sich so an, als wäre Max schon zehn Jahre dabei. Er hat ganz Deutschland hinter sich, ist aber immer noch ein Youngster. Gabriel hat zuletzt tolles Darts gespielt, auch bei den TV-Turnieren. Und Nico: Wow, was ein Start. Die Zukunft des deutschen Darts wird fantastisch. Ich wünsche den Jungs viel Erfolg.

"Hatte nach drei Monaten Pause genug"

SPORT1: Was ist für Sie der entscheidende Faktor im Kampf um den WM-Titel?

Wright: Die Vorbereitung. Es ist egal, was du über das Jahr hinweg gemacht hast. Es geht darum, was du in den zweieinhalb Wochen davor machst.

SPORT1: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Sport beschreiben, lieben Sie das, was Sie tun nach all den Jahren immer noch?

Wright: Liebe ich Darts? Ja und nein. Anfang des Jahres habe ich meiner Frau gesagt, dass ich sechs Monate Pause gebrauchen könnte. Nach drei Monaten aber hatte ich genug. Ich wollte wieder Darts spielen.

Peter Wrights Frau Joanne ist Friseurin und auch für seine Haare verantwortlich
Peter Wrights Frau Joanne ist Friseurin und auch für seine Haare verantwortlich © Getty Images

SPORT1: Darüber, dass inzwischen auch Frauen bei der Darts-WM mitmischen, sind die Meinungen geteilt. Die einen finden es folgerichtig, anderen wäre eine Trennung der Konkurrenzen lieber. Wie sehen Sie es?

Wright: Heuzutage ist alles gleichgestellt. Also warum nicht auch Darts? Fallon Sherrock hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie die Männer schlagen kann. Es ist gut für den Sport, wenn man sehen kann, was die weiblichen Spielerinnen können und dass sie im Rennen um das Preisgeld mitmischen. Es ist auch toll fürs Fernsehen (Darum fehlt Fallon Sherrock diesmal bei der Darts-WM).

SPORT1: Wie hungrig sind Sie mit nun 50 Jahren noch?

Wright: Ich bin zu alt. Ich wünschte ich wäre halb so alt, 25. Ich kann jetzt nicht anfangen zu erzählen: "Ja, ich will die nächsten fünf bis zehn Jahre dominieren", das wäre Unsinn. Was ich sagen kann, ist: So lange meine Zeit noch nicht gekommen, meine Karriere noch nicht beendet ist, werde ich die anderen so oft wie möglich zu überraschen versuchen.