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Dortmund - Max Hopp steht vor seiner siebten Teilnahme bei der Darts-WM. Im SPORT1-Interview spricht er über seine Erwartungen, van Barneveld und ein Treffen mit Klopp.

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Aus deutscher Sicht standen die Chancen womöglich noch nie so gut, dass ein Spieler bei der Darts-WM für Furore sorgt. Bislang war Runde drei das höchste der Gefühle. (Darts-WM 2020 ab 13. Dezember LIVE im TV auf SPORT1, im LIVESTREAM und LIVETICKER)

Doch dieses Jahr gehen gleich zwei Profis an den Start, die mehrfach bewiesen haben, dass sie auch mal die ganz Großen schlagen können. Neben Gabriel Clemens tritt Deutschlands Nummer eins Max Hopp ans Oche. (Hier zum Spielplan der Darts-WM 2020)

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Für den 23-Jährigen ist es bereits die siebte WM-Teilnahme seit seinem Debüt im Jahr 2013. Im Interview mit SPORT1 spricht der Idsteiner über seine Erwartungen an den Ally Pally, ein mögliches Duell mit Clemens in der dritten Runde, Raymond van Barneveld und eine Begegnung mit Jürgen Klopp.

SPORT1: Herr Hopp, wie groß ist Ihre Vorfreude auf die WM?

Max Hopp: Sehr groß ist die Vorfreude. Es ist meine siebte Weltmeisterschaftsteilnahme. Ich kenne den Ally Pally sehr gut, ich kenne London sehr gut. Ich freue mich auf die WM.

Lautstärke im Ally Pally außergewöhnlich

SPORT1: Was wird dieses Mal anders sein? Worin liegt der Vorteil, dass Sie diese Atmosphäre schon kennen?

Hopp: Ich bin routinierter, ich bin nicht mehr so aufgeregt wie vor den ersten Malen. Ich kenne den Ablauf, ich weiß ganz genau, wie viel Zeit ich einplanen muss. Auch der Verkehr in London zum Ally Pally ist schon ein Brett, da kann man sich schon mal ein, zwei Stunden verspäten. Da muss man zeitig vor Ort sein, um das Warm-Up-Programm durchzuführen. Dann geht es auf die Bühne und Feuer frei!

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SPORT1: Was muss ein Darts-Spieler insbesondere auf der WM-Bühne mitbringen?

Hopp: Eine enorme mentale Stärke. Da gehört schon einiges dazu, sich dort auf die Bühne zu stellen. Das ist ein Irrenhaus, die Leute singen und schreien ganz laut. Die Lautstärke kommt in keinem anderen Veranstaltungsort so gut an wie im Ally Pally. Da muss man schon klar sein, im Kopf alles ausblenden und sich nur auf die Scheibe konzentrieren.

SPORT1: Ist es wirklich so, dass Darts viele spielen können und die mentale Stärke letztlich entscheidend ist?

Hopp: Auch ja. Ich glaube in vielen Sportarten unterscheidet die Besten vom Rest letztendlich die mentale Stärke im Kopf. Das ist ein großer Faktor. Die einen haben es in ihrer Natur, andere müssen sich das antrainieren. Das ist schon unterschiedlich. Aber auch eine gute Technik ist eine Voraussetzung. Man sieht, dass die Spieler, die keinen astreinen Wurfstil haben, über die Jahre auch mal abfallen.

Suljovic und Price bei WM-Turnieren bislang erfolglos

SPORT1: Was sind in diesem Jahr Ihre eigenen Ambitionen und was ist realistisch?

Hopp: Es kann alles passieren. Ich bin in Dortmund bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren angetreten, dachte ich komm vielleicht in die zweite, dritte Runde und kam ins Halbfinale. Es ist immer alles möglich. Die eigene Leistung muss stimmen, man muss sich gut vorbereiten und da muss man wirklich gerade bei einer WM Leg für Leg, Satz für Satz agieren. Dann kann man sicherlich weit kommen. Aber wir sehen es an Beispielen wie Mensur Suljovic oder Gerwyn Price, beide herausragende Spieler, aber bei der WM waren sie auch noch nicht im Halbfinale oder Finale. Ally Pally ist nochmal etwas anderes, ein heißes Pflaster. Da kann man nichts vorhersagen. Man muss sich Spiel für Spiel orientieren. (Der Spielplan der Darts-WM 2020 als PDF zum Downloaden und Ausdrucken)

SPORT1: Auf was kommt es beim speziellen Satz-Modus an?

Hopp: Der Satz-Modus wird nur einmal im Jahr bei der WM gespielt. Darauf trainiert man auch speziell. Das Gute daran ist, dass es häufiger Unterbrechungen gibt. Das heißt, wenn das Spiel mal nicht ganz so gut läuft, kann man sich hinter der Bühne kurz sammeln und dann wieder gestärkt auf die Bühne zurückkehren.

SPORT1: Inwieweit macht die Auslosung, die ergeben hat, dass es in der zweiten Runde zu einem deutschen Duell mit Gabriel Clemens und im Viertelfinale zum Spiel gegen die Nummer eins kommen könnte, mehr Lust auf die WM?

Hopp: Große Lust! Ich bin mir dessen natürlich bewusst. Ich weiß, dass es ein Viertelfinale gegen van Gerwen sein kann, auch die Revanche aus dem letzten Jahr, wenn ich gut drauf bin. Auch mit James Wade und Ian White sind weitere namhafte Spieler in der Turnierhälfte. Zwischen Clemens und van de Pas wird mein erster Gegner ermittelt. Gegen beide habe ich schon mehrfach gespielt und kenne sie sehr gut. Das fühlt sich für mich schön an, ich kenne die Charaktere. Ich weiß, wie sie agieren, wie sie sich vorbereiten, wo ihre Schwachpunkte sind. Deswegen ist es für mich sehr angenehm, dass ich nicht auf so einen Labanauskas aus Litauen treffe, den ich vielleicht gar nicht so gut kenne und der mich dann überrascht. Die Leistungsdichte ist größer geworden, mittlerweile kann jeder jeden schlagen. Es ist egal, gegen wen du spielst, wenn die eigene Performance nicht stimmt, kannst du gegen jeden untergehen.

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Hopp: "Kann auf Clemens keine Rücksicht nehmen"

SPORT1: Was spricht im Erstrundenduell für wen und insbesondere für Gabriel Clemens?

Hopp: Einiges spricht für Gabriel. Er hat sich auf der Bühne speziell in den letzten Monaten sehr gut entwickelt, hat einen schönen Wurf. Mir ist es aber ehrlich gesagt egal, ob es ein deutsches Duell oder ein deutsch-holländisches Duell wird. Ich habe ein Gegnerbild im Kopf. So gehe ich in jedes Turnier. Gegner ist Gegner, den will ich weghauen und eine Runde weiterkommen. Jeder kämpft für sich, ums Weiterkommen, viel Geld, Ranglistenpositionen. Und selbst wenn es dann ein deutsches Duell wird, kann ich auf Gabriel keine Rücksicht nehmen.

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SPORT1: Sie waren in England und haben Jürgen Klopp getroffen. Wie war das?

Hopp: Ich war gemeinsam mit Raymond van Barneveld an der Anfield Road und habe das Derby Liverpool gegen Everton angeschaut. Am nächsten Tag habe ich dann Kloppo und ein paar Spieler getroffen. Wir haben ein bisschen Darts gespielt. Klopp ist ein supernetter Typ, so wie man ihn kennt. Er ist lustig und hat immer einen Witz auf den Lippen. Und er kann auch Darts spielen. Er hat Talent, ich würde ihn bei mir unterzeichnen lassen. (lacht)

SPORT1: Zur Darts-WM reisen immer viele deutsche Fans. Welches Kompliment kann man den Fans in London machen?

Hopp: Ein riesiges. Es läuft immer sehr fair ab. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in den letzten zehn Jahren irgendwelche großen Ausschreitungen gab. Klar ist der ein oder andere Fan auch mal rausgeflogen. Aber die Fans sind toll und ich finde es klasse, dass so viele Deutsche immer dahin pendeln.

Van Barneveld ein Idol von Hopp

SPORT1: Dieses Jahr ist mit Nico Kurz auch noch ein dritter Deutscher am Start. Was macht ihn aus und was kann er erreichen?

Hopp: Er ist ein lockerer Typ, kommt aus Hessen. Meine Mutter würde sagen, er ist ein Spitzbübchen. Er ist ein extrem talentierter Darts-Spieler. Viele haben ihn nicht auf dem Zettel, aber ich traue ihm eine dritte Runde bei der WM auf jeden Fall zu. Ich rechne mit einem Sieg gegen James Wilson und traue ihm auch zu, dass er ein Anschlussduell gewinnen kann. Er ist sehr stark im Kopf. Was viele gar nicht wissen, ist, dass er schon eine starke E-Dart-Karriere hingelegt hat. Er war mehrfach in Las Vegas und hat dort auch schon gewonnen. Er hat echt was auf dem Kasten, bei den Wettanbietern kann man ihn schon mal im Auge halten.

SPORT1: Raymond van Barneveld bestreitet seine letzte WM. Ist er nach Phil Taylor die nächste Legende, die abtritt?

Hopp: Definitiv. Raymond van Barneveld war eines meiner Kindheitsidole. Ich habe seinen Walk-On gesehen und hatte immer Gänsehaut. Ich habe ihn kennengelernt und fand ihn als Person sehr interessant. Am Board ist er sehr gelassen. Er gibt jungen Spielern auch wirklich gerne Tipps und lädt einen zum Trainieren ein. Er ist ein klasse Typ. Es ist echt schade, dass er geht. Aber die Jungs haben irgendwann ihren Zenit erreicht und wollen nach 30 Jahren auch einfach nicht mehr. Das kann ich auch nachvollziehen nach so vielen Events mit Reisestrapazen. Das WM-Finale gegen Phil Taylor bleibt uns immer in Erinnerung. Ich hoffe wirklich, dass er bei seiner letzten WM nochmal etwas reißen kann und weit kommt. Vielleicht kommt er ja wie Taylor noch einmal ins Finale. Das wäre mit einer Verabschiedung vom Verband am 1. Januar eine große Sache, das würde ich ihm wünschen. Und für sein Leben danach wünsche ich ihm alles Gute.