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München - Nach Rob Cross erwischt es nun auch Vize-Weltmeister Michael Smith bei seinem WM-Auftakt. Die Überraschungen häufen sich. SPORT1 analysiert, woran das liegt.

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Nun hat es also auch den "Bully Boy" erwischt.

Bei der Darts-WM 2020 gab es an den ersten Tagen schon einige Favoritenstürze. Das  Schock-Aus für den Vize-Weltmeister war dabei deutlich überraschender als Raymond van Barnevelds eher schwache Abschiedsvorstellung gegen den US-Amerikaner Darin Young. (Die Darts-WM 2020 täglich LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

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Smith scheiterte als Nummer vier der Welt an dem völlig unbekannten Luke Woodhouse, zuvor hatte sich bereits der an zwei gesetzte Ex-Weltmeister Rob Cross verabschiedet.

Natürlich hat jeder Einzelfall eigene Ursachen, es fällt aber auf, dass es mehr Überraschungen gibt, als in früheren Jahren - speziell während Phil Taylors dominanter Ära.

Darts-WM: So viele Favoritenstürze wie nie

Auch im vergangenen Jahr erwischte es einige große Namen wie Peter Wright sehr früh. Zusammen mit der WM 2019 verloren nun insgesamt bereits sieben Top-Ten-Spieler ihr Auftaktmatch. Seit die WM 2008 in den Alexandra Palace umzog, passierte das bis einschließlich 2017 insgesamt nur 13 Mal - nur zweimal verloren in diesem Zeitraum bei einem Turnier mehr als zwei Spieler aus den Top Ten ihre erste Partie.

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Wo liegen die Gründe? SPORT1 analysiert das Favoritensterben bei der Darts-WM.

Das hohe Niveau

Im Gegensatz zu Taylors Glanzzeit gibt es auch im Darts nur noch wenige Kleine. Abgesehen von den Exoten trifft man auch in den frühen Runden auf richtig gute Spieler, die über das Jahr hinweg auf der Tour starke Leistungen bringen. Woodhouse spielte als Nummer 69 der Welt gegen Smith einen Average von fast 98 Punkten. Smith spielte zwar etwas unter seinem Niveau (95,7), aber früher hätte das locker gereicht. Bei der WM 2011 spielten nur drei Profis in der gesamten ersten Runde einen höheren Average - Taylor beispielsweise nur 88,5.

Beispielhaft steht auch Darius Labanauskas. Darts wird immer größer und populärer. Der Litauer hat sich Schritt für Schritt an die Weltspitze herangekämpft, schlug im vergangenen Jahr van Barneveld und nun Top-Ten-Spieler Ian White, dem selbst ein 100er-Average nicht reichte.

"Ian White hat gut gespielt, ist aber an einen Gegner geraten, der ein super Timing hatte und der ihn in den richtigen Momenten abgekocht hat", sagt SPORT1-Experte Robert Marijanovic. Die Außenseiter erstarren vor den großen Namen eben nicht mehr und bestrafen Fehler eiskalt.

Der spezielle Modus der WM

Ein wichtiger Punkt ist der Satzmodus. Während man im Rest des Jahres mit ein paar schlechten Minuten in Legs schon uneinholbar in Rückstand gerät, ist bei der WM im Idealfall mit drei schlechten Legs vielleicht nur ein Satz weg. Das hilft Underdogs, ihre Schwächephasen zu überstehen. Man hat immer eine Chance. Ab der 3. Runde wird die Distanz dann immer länger und die größere Qualität setzt sich eher durch.

Außerdem greifen die Stars seit 2019 erst in der zweiten Runde ein. Die Gegner haben dann schon ein Spiel im Alexandra Palace hinter sich, konnten sich akklimatisieren und einen Rhythmus aufnehmen. Cross und Smith fanden nie zu ihrem gewohnten Spiel.

Die mangelnde Konstanz einiger Stars

Abgesehen von Michael van Gerwen ist aktuell kein Spieler unantastbar. Cross sucht sein Topniveau, Gary Anderson plagen Rücken- und Motivationsprobleme. Smith fehlt momentan seine Stärke auf die Doppel. Einige Stars kämpfen mehr mit sich selbst, entsprechend rechnet sich jeder Kontrahent Chancen aus. Die Aura der Unbesiegbarkeit hat momentan nur MvG, die neue Darts-Generation hat vor allen anderen auch weniger Respekt und Ehrfurcht. Auch das trägt zu größerer Ausgeglichenheit bei.

Die Einstellung

Marijanovic macht bei Cross und Smith auch die Einstellung als einen wichtigen Faktor aus. "Der Grund dafür, dass so viele gesetzte Spieler bisher ausgeschieden sind, könnte sein, dass sie ihr erstes Spiel zu locker genommen haben. Dass sie es mehr als Auftaktmatch denn als wirklich Hürde empfunden haben. Das ist in allen Sportarten ein großer Fehler. Man weiß, dass der Gegner gut ist und dennoch sagt sich Cross: 'Kim Huybrechts darf für mich keine Hürde sein'. Das ist er normalerweise auch nicht. Aber wenn man schlecht spielt, dann passiert ein Schock."

Die große Bühne

Natürlich können die Top-Spieler mit einer großen Kulisse und dem Druck umgehen, aber der Ally Pally ist für alle immer noch eine andere Nummer. Diese 20 Meter lange Bühne ist nicht mit der alten Circus Tavern zu vergleichen. Die WM steht auch ganz anders im Fokus. Es gibt im Vorfeld viel mehr Stress mit Promo von der PDC, Interviews und Terminen. Darunter kann auch die Vorbereitung leiden.

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Zudem geht es bei der WM mittlerweile um so viel Geld, dass der Druck entsprechend groß ist - nicht allein aus finanzieller Sicht, sondern auch die Angst vor dem Absturz in der Weltrangliste spielt eine Rolle. Cross wusste, dass er im Zweijahresrhythmus der Order of Merit seinen WM-Titel verliert. Nur mit einem guten Ergebnis würde er ein Abrutschen vielleicht sogar aus den Top Ten vermeiden. Das geht auch an Profis nicht spurlos vorbei.