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London und München - Er ist wieder zurück auf dem Thron: Michael van Gerwen dominiert das WM-Finale 2019 gegen Michael Smith und macht sich mit dem dritten Titel endgültig zur Legende.

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Michael van Gerwen hat sich auf beeindruckende Weise den Darts-Thron zurückgeholt.

Die Nummer eins der Welt deklassierte im WM-Finale 2019 der PDC den Engländer Michael Smith mit 7:3 und feierte seinen dritten Titel nach 2014 und 2017. Die hohen Erwartungen konnte das Duell im Alexandra Palace nicht erfüllen, dafür war Smith schlicht nicht stark genug. (Darts-WM: Die Highlights des Finales Michael van Gerwen - Michael Smith Montag ab 22 Uhr im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

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Dabei hatte sich der 1. Satz noch sehr gut angelassen. Er ging mit fünf Legs über die volle Distanz, beide Spieler hatten in den entscheidenden Legs bereits nach neun Darts relativ kleine Finishes stehen. Van Gerwen war aber im richtigen Moment da, ging in Führung und bestrafte in den folgenden beiden Sätzen Smiths schwache Doppelquote (zwischenzeitlich 3 von 13) immer wieder eiskalt.

Darts-WM: Van Gerwen sehr emotional

Am Ende stand für van Gerwen das unglaubliche 19. WM-Spiel in Folge mit einem 3-Dart-Average von über 100 Punkten zu Buche (102,4 im Finale). Smith blieb mit 95,3 klar unter seinen Möglichkeiten - vor allem in der einseitigen Anfangsphase.

"Die Sid-Waddell-Trophäe ist die wichtigste Trophäe des Jahres. Jeder weiß, dass sie mir die Welt bedeutet. Ich habe das ganze Jahr so hart dafür gearbeitet. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Dreimaliger Weltmeister - was will man mehr? Ich bin sehr glücklich. Ich hatte viele Höhen und Tiefen dieses Jahr. Diesen Titel mit so viel Druck gewonnen zu haben, kann mich nur noch stärker machen. Meine Frau und meine Mutter sind ein großer Teil dieses Erfolgs", sagte van Gerwen bei SPORT1.

Auf den Hinweis, er habe nur acht Sätze bei der WM verloren, kam dann auch schon wieder das bekannte Selbstvertrauen mit einem verschmitzten Lächeln zum Vorschein: "Das sind immer noch zu viele!"

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Smith findet gegen van Gerwen sein Scoring nicht

Ähnlich wie sein Mentor Gary Anderson bei seiner Halbfinal-Demontage fand Smith nie zu seinem bisher so gefürchteten Power-Scoring. Zwar warf er insgesamt 13 180er (mit 64 die meisten im Turnier), aber die Highlights kamen zu sporadisch. Im Halbfinale hatte er mit 17 180ern noch einen Rekord aufgestellt.

Dazu kam die schwache Doppelquote. Exemplarisch dafür stand Satz vier. Smith verpasste im Entscheidungsleg vier Darts auf Doppel-12 und schenkte "Might Mike" so das 4:0 - die Vorentscheidung.

Zwar hatte Smith 2018 im Finale des Shanghai Darts Masters van Gerwen geschlagen, der 28-Jährige konnte daran gegen seinen Angstgegner jedoch nicht anknüpfen. Von nun 32 Duellen hat der "Bully Boy" gerade einmal fünf gewinnen können.

"Ich habe zu viele Chance liegen gelassen. Vor allem die vier Versuche auf die Doppel-12. Ich bin selbst Schuld. Ich hätte die Sätze gewinnen können. Ich werde noch mehr trainieren und noch stärker zurückkommen. Das habe ich über die Jahre gelernt. Vielleicht habe ich mir auch zu viel Druck gemacht. Ich wollte unbedingt diese Trophäe", sagte Smith bei SPORT1.

Van Gerwen endgültig im Darts-Olymp

Van Gerwen krönte dagegen seine unfassbar dominante WM mit einem passenden Finale. In jedem Spiel bis zum Finale hatte er nur einen Satz abgegeben. Immer gelang ihm dabei ein 3-Dart-Average von über 100 Punkten. Auch seine 2018 ab und an aufgetretene Doppel-Schwäche konnte der 29-Jährige abstellen. Nach vier Sätzen stand sie bei sehr guten 48 Prozent.

Mit seinem dritten Titel bei der vierten Finalteilnahme katapultierte sich MvG endgültig in die Riege der Darts-Legenden. Zuvor hatten nur Phil Taylor, Eric Bristow, Raymond van Barneveld, John Lowe, John Part und Martin Adams mindestens drei WM-Titel gewonnen (BDO und PDC).

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Smith entgeht WM-Höchststrafe

Im fünften Satz setzte Smith dann doch noch ein Lebenszeichen.

Mit einem 124er Finish vermied er zumindest die Gefahr, das Finale per "White Wash" zu Null zu verlieren. Es wäre die Höchststrafe gewesen. Dies war zuletzt Peter Manley 2006 gegen Rekordweltmeister Phil Taylor passiert. Dieses Finish schien endlich Smith' Blockade zu lösen. Im sechsten Satz zerlegte er van Gerwen mit einem 108er-Average und Finishes von 127, 124 (jeweils mit Bullseye) und 70.

Als das Spiel mit dem 3:4 vielleicht hätte kippen können, konterte Dominator van Gerwen mit einem 112er-Finish zum 5:2 nach Sätzen und nahm Smith seinen gewonnenen Wind direkt wieder aus den Segeln. Spätestens nach den verpassten 25 Punkten zum 3:5 von Smith war das Ding mit dem 6:2 für van Gerwen durch.

Für Smith war es letztlich dennoch eine herausragende WM. Durch sein zweites Major-Finale (er hatte 2018 bereits die Premier League im Finale gegen van Gerwen verloren) springt er in der Order of Merit auf Rang sechs. Die Wildcard für die Premier League 2019 war ohnehin klar.