München und London - Devon Petersen begeistert bei der Darts-WM mit Tanzeinlagen und überraschenden Siegen. Im Ally Pally kämpft der "African Warrior" um einen traurigen Traum.

von Jonas Nohe
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Er tanzt, er lacht, er begeistert die Massen. Und er gewinnt ein Spiel nach dem anderen.

Der "African Warrior" Devon Petersen ist der Gute-Laune-Star der Darts-WM in London - und steht nach seinem Sieg über Steve West überraschend im Achtelfinale (Darts-WM, Achtelfinale: Devon Petersen - Nathan Aspinall ab 13.30 Uhr LIVE im TV, STREAM und LIVETICKER).

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Dort wird der Südafrikaner schon zum vierten Mal bei der laufenden WM zu den Klängen von Shakiras "Waka Waka" auf die Bühne tänzeln, seine eigenwillige Choreografie durchziehen und die Fans im Ally Pally auf Touren bringen.

Petersen nach Sieg über West emotional

Und sobald es heißt "Game on!" wird Petersen wieder für seinen traurigen Traum kämpfen: seiner totkranken Mutter den Weltmeistertitel zu schenken.

"Jedes Mal, wenn ich spiele, denke ich: 'Tu es für Mama!'", berichtete der 32-Jährige nach seinem 4:2-Erfolg gegen West: "Wenn ich den Pokal für meine Mutter in die Höhe recken könnte, und sie wüsste, dass ihr Sohn Weltmeister ist - das wäre unglaublich."

Petersens Mutter leidet an einer unheilbaren Motoneuron-Erkrankung, sie hat den Ärzten zufolge nur noch wenige Monate zu leben.

"Wenn du so etwas erfährst, verändert das die Art und Weise, wie du das Leben siehst", sagt Petersen, der trotz allem versucht, das Positive zu sehen: "Wir sind glücklich, dass wir die Zeit haben, uns zu sagen, was wir uns sagen wollen. Das macht es nicht einfacher, aber es macht es erträglich."

Ticket für die PDC-Tour in der Tasche

Ein großes Ziel bei der WM in London hat die Nummer 70 der PDC Order of Merit bereits erreicht: Das Ticket für die PDC-Tour hat er erneut in der Tasche. Das Achtelfinale soll aber noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein - auch, um seiner Mutter die bestmögliche Behandlung zu finanzieren.

"Sie bekommt eine Stammzelltherapie. Wenn ich hier weit komme, können wir die Behandlung fortsetzen und sicherstellen, dass genug Geld dafür da ist", erklärt Petersen, der jeden Abend mit seiner Mutter telefoniert, häufig sogar mehrmals am Tag. Jede Therapiesitzung kostet ihm zufolge rund 10.000 Pfund (ca. 11.000 Euro).

Persönlich wird Lucille Petersen ihren Sohn wohl nicht im Ally Pally spielen sehen: Weil es Probleme mit ihrem Visum gab, kann sie erst verspätet aus Südafrika zu einer Behandlung nach Indien aufbrechen. Selbst wenn Devon das Finale am Neujahrstag erreichen sollte, würde sie es voraussichtlich nicht rechtzeitig nach London schaffen.

Die Chancen, dass der African Warrior die Massen bei der WM noch des Öfteren begeistert, stehen allerdings gar nicht so schlecht: Weil vermeintliche Mitfavoriten wie Peter Wright (Nr. 3 der Order of Merit) und Gerwyn Price (Nr. 6) früh scheiterten, duellieren sich in seinem Teil des Turnierbaums zahlreiche Außenseiter.

Mögliches Halbfinale gegen Weltmeister Cross

Sollte sich Petersen in der Runde der letzten 16 gegen Nathan Aspinall (Nr. 73) durchsetzen, würde im Viertelfinale ein Duell mit Benito van de Pas (Nr. 30) oder Brendan Dolan (Nr. 45) warten. Erst im Halbfinale droht mit Michael Smith (Nr. 10) oder Weltmeister Rob Cross (Nr. 2) wieder ein vermeintliches Schwergewicht.

Chancenlos sieht sich Petersen gegen keinen der möglichen Gegner: "Solange ich nicht gebrochen bin, mache ich weiter. Das ist der Grund, warum ich als der African Warrior bekannt bin." Er habe "alles aufgegeben, um der PDC beizutreten, und zu versuchen, Weltmeister zu werden", betont der ehemalige Bankberater.

Aktuell ist Petersen seinem großen Ziel näher denn je - und er wird alles geben, um die letzten Schritte auf dem Weg dorthin zu machen.

Für sich. Und für seine Mama.