London und München - Justin Pipe bringt seinen Gegner in der ersten Runde der Darts-WM durch lautes Husten aus dem Konzept - und muss dafür nun harte Kritik einstecken.

von , Ann-Marie Herrmann , Sascha Bandermann

Justin Pipe sorgte mit seiner Hust-Attacke im Match gegen den Qualifikanten Bernie Smith für den bislang größten Aufreger der Darts-WM (täglich LIVE im TVLIVESTREAM und im LIVETICKER).

Beim Stand von 2:2 nach Sätzen hatte der Neuseeländer, der nicht einmal in der Weltrangliste geführt wird, einen Matchdart auf die Doppel 10, als Pipe auf einmal ganz nah an Smith heranrückte und in seinem Rücken heftig zu husten begann. Der Außenseiter verfehlte das anvisierte Doppelfeld daraufhin knapp.

Jetzt werfen viele Darts-Experten dem 46 Jahre alten Engländer Absicht vor und kritisieren Pipe, der das umkämpfte Match noch gewann und in der 2. Runde auf Rekordweltmeister Phil Taylor trifft, hart für seinen miesen Trick: "Das war ein absolut verwerfliches Verhalten", schoss TV-Experte Wayne Mardle gegen seinen früheren Kollegen.

Viele Darts-Fans fordern drastische Konsequenzen für Pipe: In einem SPORT1-Voting spricht sich die klare Mehrheit (64 Prozent Stand: Freitag, 15 Uhr) sogar für einen WM-Ausschluss aus.

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Darts-Altmeister Mardle: "Klare Taktik"

"Jedes Mal, wenn ich es mir wieder anschaue, denke ich mir: Wie verzweifelt musst du sein? Das war klare Taktik, einfach ekelhaft", polterte der frühere WM-Halbfinalist weiter.

Der dreimalige Weltmeister John Part blieb zwar etwas diplomatischer, hielt sich mit Kritik aber auch nicht zurück: "Wenn du merkst, dass du husten musst, greifst du zum Wasserglas. Aber Justin hat gar keine Anstalten gemacht. Wahrscheinlich hat es Bernie gehört. Wenn ja, ist er ganz schön ruhig geblieben."

Auch der deutsche SPORT1-Kommentator Elmar Paulke macht klar, dass die Aktion "grob unsportlich" war: "Wenn Bernie Smith das Doppelfeld trifft, ist das Spiel zu Ende. Und dann spielt es auch keine Rolle, ob er es bewusst wahrgenommen hat oder nicht. Wenn du in dieser Situation nur ganz kurz überrascht bist, verlierst du die Konzentration und es ist sofort vorbei."

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Pipe gibt den Unschuldsengel

"Ich würde niemals etwas tun, um einen anderen Spieler aus dem Konzept zu bringen. Bernie hat sich auch nicht bei mir beschwert", rechtfertigte sich der Übeltäter selbst.

Die Konkurrenz glaubt ihm das nicht: "Wenn ich der Richter wäre, würde ich ihn schuldig sprechen", sagte der Niederländer Vincent van der Voort am Freitag zu SPORT1. "Das war total unnötig und nicht richtig. Ich bin mit Pipe befreundet und werde ihn bestimmt drauf ansprechen", ergänzte das belgische Top-Talent Dimitri Van den Bergh.

Der tatsächliche Richter, die Darts Regulation Authority, hat angekündigt, den Vorfall zu untersuchen.

Paulke rechnet mit einer Geldstrafe - und ist überrascht darüber, dass Pipe mit einer solchen Aktion auffällt: "Ich habe ihn bisher immer als Gentleman erlebt." Er sieht Pipes Verhalten als "Aussetzer".

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