München - Gerwyn Price feiert beim Grand Slam of Darts den größten Erfolg seiner Karriere - und bestätigt mit seinem Psychokrieg gegen Gary Anderson den Ruf als Bad Boy.

von Robin Wigger

Nach seinem Coup im giftigen Finale gegen Gary Anderson beim Grand Slam of Darts dachte Gerwyn Price gar nicht daran, Sympathien zurückzuerlangen – im Gegenteil.

"Ich war mir sicher, dass Anderson unter dem Druck zusammenbricht", sagte der Waliser im anschließenden Sieger-Interview.

Zum wiederholten Male hatte Price in einem Duell (regelkonforme) Psychospielchen angewendet, die bei Anderson durchaus Eindruck hinterließen. "Ich werfe meine Darts und dann muss er warten bis ich fertig bin. Er mag das nicht? Pech für ihn", so Price. Bei seiner Aufholjagd – Price wandelte ein 8:11 in ein 16:13 um – hatte er mehrmals demonstrativ vor dem Weltmeister gejubelt. Einmal kam es sogar zu einer kleinen Rempelei.

Price schießt gegen Anderson

Anderson komme "mit Typen wie mir nicht zurecht", erklärte Price: "Er jammert immer, dass ich dieses oder jenes tue. Er soll sich auf sein eigenes Spiel konzentrieren."

Doch während Anderson in der entscheidenden Phase des Matches nicht seine beste Leistung abrufen konnte, ließ sich der "Iceman" von der negativen Stimmung anstacheln.

"Das kümmert mich überhaupt nicht", sagte der ehemalige Rugbyspieler über die Buhrufe gegen ihn: "Wenn sie gegen mich sind, spiele ich besser. Buht das nächste Mal doch noch mehr."

Als die Niederlage feststand, verschwand Anderson schnell von der Bühne – der obligatorische Handshake blieb aus.

Bad Boy Price

Der Triumph beim Grand Slam of Darts ist der bisherige Höhepunkt in Prices Karriere – und verstärkte zudem sein Image als Bad Boy und Hassfigur.

Denn Price hatte die Zuschauer und die Gegner im Turnierverlauf bereits mehrfach mit provokanten Gesten und überschwänglichem Jubel gegen sich aufgebracht. 

So legte er sich im Viertelfinale gegen Simon Whitlock mit dem Publikum an, nach seinem Matchdart legte er sich den Finger auf den Mund – frei nach dem Motto: "Seid still, ihr könnt mir gar nichts."

In den sozialen Medien wetterten nach dem Endspiel unzählige User gegen den Sieger. Sein Verhalten sei "traurig" und eines Champions unwürdig, selbst von Betrug ist die Rede. Andere forderten den Ausschluss von Price für zukünftige Turniere.

Bezeichnend: Kim Huybrechts und Daryl Gurney, selbst nicht die beliebtesten Spieler der Tour, freuten sich darüber, nicht mehr die meistgehassten Profis zu sein.

Price bis 2014 Rugby-Spieler

Bis ins Jahr 2014 war der heute 33-Jährige als Rugbyspieler in der Welsh Premier Division und der Rugby League aktiv, ehe er sich voll auf den Darts-Sport konzentrierte, da er sich dort größere Erfolgschancen ausrechnete.

Noch im Januar 2014 erspielte sich Price eine zweijährige Tour Card bei der PDC. In seinem ersten Jahr schaffte er die Qualifikation für die Darts-WM, 2015 machte er mit dem Viertelfinal-Einzug beim World Matchplay auf sich aufmerksam.

2017 erreichte Price das Finale bei den UK Open und dem World Cup of Darts, 2018 stieß er bei der WM ins Achtelfinale vor. Für seine Leistungen wurde er mit der erstmaligen Teilnahme an der Premier League belohnt, mit dem Grand-Slam-Sieg folgte nun sein bislang größter Coup.

Mit seiner muskulösen Statur passt er kaum in die Darts-Welt, in der viele Spieler eher das ein oder andere Pfund zu viel mit sich rumtragen. Immer wieder lästerte Price in der Vergangenheit deswegen über die mangelnde Fitness seiner Kollegen, beispielsweise Adrian Lewis.

Fehde mit Adrian Lewis

Price' Sieg wird seinem Erzfeind überhaupt nicht gefallen. "Er ist ein Großmaul, der noch nie etwas gewonnen hat und nie etwas gewinnen wird. Er hat vor niemandem Respekt", schrieb Lewis im Juli 2016 bei Twitter.

Damals waren Lewis und Price beim World Matchplay aufeinandergetroffen. Bereits im Vorfeld gerieten beide auf Twitter aneinander, entsprechend hitzig ging es dann auf der Bühne zu.

Und mit Lewis' Sieg war der Streit nicht beendet, in den sozialen Medien setzten beide weitere Spitzen – ehe Price reagierte und Lewis' blockierte.

Pikant: Damals hatte sich Anderson eingemischt und sich auf Lewis' Seite geschlagen, als er Price' Aktion als verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Lewis bezeichnete.

Nun rächte sich Price und beschenkte sich zudem mit seinem Triumph selbst. "Die Trophäe kann mir keiner mehr wegnehmen. Wenn ich der Typ sein muss, der diesen Weg geht, um zu gewinnen, dann bin ich das", ließ Price keine Zweifel daran aufkommen, dass er sich auch zukünftig keine Freunde machen wird.

Und Price wäre nicht Price, wenn er sein Sieger-Interview nicht mit einem gehörigen Schuss Arroganz beendet hätte: "Vor fünf, sechs Jahren war ich noch Rugby-Spieler. Nun stehle ich den Darts-Profis das Geld aus der Tasche."

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