München - Darts-Hoffnung Max Hopp spielt beim Major-Turnier in Dortmund überragend - bis zum bitteren Aus. Darts-Experte Gordon Shumway sagt, was er bis zur WM verbessern muss.

von Marcel Bohnensteffen

Noch gut anderthalb Monate, spätestens dann wird Max Hopp wieder überall präsent sein - als die deutsche Darts-Hoffnung bei der Weltmeisterschaft im Londoner Ally Pally.

Mit all der Leidenschaft und den Emotionen, die diese Kulisse freisetzen wird. Mit all der Erwartungshaltung in der Heimat. Und dem Druck, den sich jemand wie Hopp selbst auferlegt.

Ist Hopp bereit für Ally Pally?

Je näher das Turnier rückt, desto drängender wird die Frage: Kann er diesmal - bei seinem sechsten WM-Auftritt  - endlich beim Showdown der Stars für Furore sorgen? Ganz ausgeschlossen ist das nicht, so stark wie Hopp 2018 bislang aufgespielt hat.

Zwei Turniersiege hat der 22-Jährige in dieser Saison errungen: Die PDPA Players Championship in Dublin und die German Open in Saarbrücken. Auf Platz 31 der Welt ist er inzwischen vorgerückt. Und fast wäre in dieser Woche noch ein weiterer Triumph hinzugekommen.

European Darts Championship in Dortmund. Ein Major-Turnier, eines der größten Events, die die Professional Darts Corporation (PDC) zu bieten hat.

Hopp hatte sich furios bis ins Halbfinale durchgespielt. Den Engländer James Wade hatte er am Rande einer Niederlage. 9:5 lag er vorn - dann versagten ihm die Nerven. Aus der Traum vom Titel.

Die Sache mit der mentalen Anfälligkeit. Mal wieder. Sie verfolgt Hopp, seitdem er auf der großen Bühne auftritt. In Situationen, in denen es um etwas geht, hat ihn das schon so manches Mal den Erfolg gekostet. Bei Weltmeisterschaften ist Hopp bislang nie über die zweite Runde hinausgekommen. Auch weil ihm im entscheidenden Moment die Knie geschlottert haben.

Für die kommende WM ist er neben Martin Schindler und Gabriel Clemens bereits qualifiziert. Ein vierter Deutscher kann sich über die BILD Superleague Darts das Ticket sichern (BILD Superleague Darts Germany: 18. November, ab 13.00 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). 

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Hopp: "Du darfst dir keine Fehler erlauben"

Im Halbfinale von Dortmund erlebte Hopp sein Déjà-vu. "Du musst zur Stelle sein, wenn es darauf ankommt. Du darfst dir keine Fehler erlauben", sagte Hopp anschließend selbstkritisch bei DAZN.

Dabei hat Deutschlands Vorzeige-Darter gerade psychisch enorm zugelegt im Vergleich zu früher. "Max strahlt inzwischen eine Ruhe und Coolness aus, das hat fast schon Züge von Meditation", sagt SPORT1-Experte Gordon Shumway. "Im Kopf ist er weiter als Spieler, die zehn Jahr älter sind als er."

Ein ganz wesentlicher Faktor, der dazu beigetragen hat, war der Sieg in Saarbrücken im April. Als erster Deutscher überhaupt gewann Hopp einen Titel auf der PDC-Tour. Und das, obwohl er im Turnierverlauf mehrmals unter Zugzwang stand.

Hopp hat dem Druck standgehalten und sich bei seinem Heimspiel gewissermaßen selbst gestählt. "Da sind tonnenschwere Lasten von ihm abgefallen", sagt Shumway heute. "Mein Eindruck ist: Max kann das Ganze jetzt zum ersten Mal richtig genießen, nachdem er ja sehr früh in die Rolle des Heilsbringers des deutschen Darts-Sport hineingedrängt wurde."

An sich ist so eine Entwicklung nicht die schlechteste, wenn eine WM kurz bevorsteht. Wenn doch jetzt noch die Pfeile immer so fliegen würden, wie es Hopp gerne hätte.

Shumway von Hopps Stil nicht überzeugt

Aus technischer Hinsicht macht Shumway jedoch noch deutliche Schwächen bei ihm aus. "Ich bin nicht überzeugt, dass Max mit seinem derzeitigen Stil glücklich wird", sagt der SPORT1-Experte. "In 90 Prozent der Fälle wirft er einen der drei Pfeile mit viel zu viel Druck und ohne Gefühl."

Darts-Kenner bezeichnen so etwas auch gerne als "klotzen". Die Folge dieser Haurucktechnik ist mitunter, dass ein Pfeil auch mal drei Zentimeter unter der Triple-20 landet. "Gegen die großen Jungs, bei denen es um High-Finishes geht, ist sowas natürlich tödlich", sagt Shumway.

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Um den Stars der Szene, den Michael van Gerwens und Rob Cross' ernsthaft Paroli bieten zu können, muss Hopp seinen Average nach oben schrauben. In Dortmund lag er zwischen 92 und 93. Zu wenig für Weltniveau.

Für Shumway in erster Linie eine Frage konsequenten Trainings. Aber auch in diesem Punkt sieht der SPORT1-Experte Hopp unzureichend aufgestellt. Mit seiner Lebensgefährtin Christin lebt Hopp im Vogtland, unweit der polnischen Grenze. Dort gibt es vergleichsweise wenig Dartsscheiben und noch weniger Trainingspartner.

Für die Profikarriere: Muss Hopp Deutschland verlassen?

"Wenn ich Max wäre, würde ich an die holländische Grenze ziehen oder direkt nach England. Er braucht im Training Leute um sich, mit denen er es sich jeden Tag geben kann", sagt Shumway. "Auf diesem Niveau packst du es nur, wenn du dich regelmäßig mit den Besten misst."

So wie die Niederländer. Ein Raymond van Barneveld nimmt das Jahr über an Liga-Wettbewerben teil. Die fördern nicht nur den Nachwuchs. Sie regen auch den Wettbewerb an. In der Folge ist die Darts-Spitze in Holland wesentlich leistungsstärker als die in Deutschland. Shumway etwa sieht im Nachbarland "150 Spieler, die das Niveau von Max haben".

Und doch hat die internationale Konkurrenz den Deutschen auf der Rechnung, wenn in gut sechs Wochen - am 13. Dezember - die WM startet. Hopp sei "ein fantastischer Darts-Spieler", sagte Weltmeister Rob Cross kürzlich im SPORT1-Interview: "Und er hat das Zeug, noch einiges zu erreichen."

Sie werden alle ganz genau hinsehen, wie sich dieser Max Hopp bei der kommenden WM schlägt.