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München - Beachvolleyballer Alex Walkenhorst sorgt bei Twitch als Kommentator eines Frauenspiels für folgenschwere Irritationen. Jetzt reagieren die Spielerinnen.

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Es sollte ein Spaß zur Überbrückung einer Spielpause sein - aber ausgelöst hat er eine Menge Ärger.

Die deutschen Beachvolleyball-Topspielerinnen Victoria Bieneck und Isabel Schneider haben am Wochenende ein Turnier der German Beach Trophy in Düsseldorf vorzeitig abgebrochen – und die "persönlichen Gründe", die das deutsche Meisterduo von 2018 auf seiner Facebook-Seite nannte, sind nach SPORT1-Informationen heikle.

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Es gab Irritationen um den Veranstalter und Kommentator Alexander Walkenhorst, der bei der Übertragung eines ihrer Spiele bei Twitch etwas auf dem Bildschirm kritzelte, das sich als Penisbild deuten ließ - während daneben die beiden Spielerinnen gezeigt wurden.

Bieneck und Schneider: "Respekt ein grundlegender Wert"

"Wir haben das Spiel am Sonntag aus persönlichen Gründen nicht gespielt. Die Geschehnisse am Vortag waren sicherlich ausschlaggebend", teilte das Duo in einem Statement zu SPORT1 mit und bestätigte damit die SPORT1-Informationen.

"Für uns ist Respekt in allen Lebenslagen ein grundlegender Wert und wir wollten uns von der Aktion distanzieren, die uns persönlich nahe gegangen ist", heißt es weiter: "Wir haben mit Alexander Walkenhorst gesprochen. Er hat den Fehler eingeräumt und uns zugesichert, dass es unangemessen war und sich nicht wiederholen wird." Für die beiden Top-Spielerinnen sei das Thema damit abgeschlossen.

Auch der Deutsche Volleyball-Verband machte seinen Standpunkt in einer Erklärtung auf SPORT1-Anfrage deutlich. Walkenhorsts Verhalte entspreche nicht den Werten der Sportart.

"Respekt, die Wahrung der persönlichen Würde und der Persönlichkeitsrechte sollten zu den Grundsätzen des alltäglichen Handelns gehören. Die Spielabsage und der im Nachgang erfolgte Austausch zwischen Victoria Bieneck/Isabel Schneider und Alexander Walkenhorst waren die richtigen Schritte, die verdeutlichen, dass für solche Ausdrucksformen im Beach-Volleyball kein Platz ist", heißt es weiter.

Alexander Walkenhorst Reizfigur im Beachvolleyball

Walkenhorst, der als streitbare Figur bekannt ist, hat sich immer wieder als Kritiker des Verbands DVV positioniert. Er findet die Strukturen dort "veraltet" und will seine Sportart anders präsentieren: "Jung, modern und voll im Trend", so die selbst formulierte Vision seiner "New Beach Order".

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Die Übertragung des von ihm aufgezogenen Turniers via Twitch mit interaktiven Elementen und einem eher launigen, aufs junge Publikum zugeschnittenen Stil gehört zu dem Konzept - das in der Community auf geteiltes Echo stößt.

Alexander Walkenhorst hat in der Beachvolleyball-Szene Fans und Gegner
Alexander Walkenhorst hat in der Beachvolleyball-Szene Fans und Gegner © Imago

Auf der einen Seite stehen Fans, die den 32-Jährigen unterhaltsam und zeitgemäß finden und auch sein Engagement für die Fortsetzung des Spielbetriebs während der Coronakrise unter neuen Vorzeichen schätzen. Auf der anderen Seite stehen Kritiker, die von Selbstinszenierung auf Kosten der Sportart sprechen - und sich in dem Vorfall vom Wochenende bestätigt fühlen dürften. Walkenhorst selbst spricht von einem unglücklichen Missverständnis.

Was war passiert?

Penis oder Flughafentower?

Während das Match zwischen Bieneck / Schneider und ihren Gegnerinnen Christine Aulenbrock und Sandra Ferger in eine technische Auszeit ging, vertrieben sich Walkenhorst und Co-Kommentator Dirk Funk sich und den Usern die Zeit mit Bilderrätseln.

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Walkenhorst zeichnete bei einem davon einen Gegenstand in Pilzform und ließ raten, was er damit darstellen wollte. User fühlten sich direkt an einen Penis erinnert und auf entsprechende Reaktionen ging Funk auch gleich ein ("Sehr komischer Pimmel, wenn es einer sein soll") - während Walkenhorst auflöste, dass er einen "Flughafentower" gezeichnet hätte.

Tat er das tatsächlich oder war es eine doppeldeutige Zote, die versehentlich oder gar absichtlich auf Bienecks und Schneiders Kosten ging?

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"Eine gewisse Albernheit"

Auf SPORT1-Nachfrage versicherte Walkenhorst: "Zu keinem Zeitpunkt war es unsere oder meine Absicht, mit der Darstellung männlicher Geschlechtsmerkmale gerade im Zusammenhang mit den Spielerinnen irgendwelche Fantasien zu beflügeln oder mangelnden Respekt zum Ausdruck zu bringen."

Isabel Schneider (l.) und Victoria Bieneck zählen zu den besten deutschen Beach-Duos
Isabel Schneider (l.) und Victoria Bieneck zählen zu den besten deutschen Beach-Duos © Imago

Der Kommentar von Funk und ihm lebe "von der Launigkeit und einer gewissen Albernheit", aber er hätte wirklich nur einen Tower gezeichnet: "User im Chat haben das offensichtlich wegen eines vorangegangenen Kommentars eines anderen Users falsch interpretieren wollen und es als erigierten Penis gedeutet. Leider zu einem Zeitpunkt, als der Kameraschwenk die beiden Spielerinnen ins Bild brachte."

Er habe "das Rätsel aufgelöst, womit an dem Abend das Thema erledigt war und insbesondere in unserer Community, die die Entwicklung live miterlebt hat, nicht mehr diskutiert wurde. Es gab nicht einen negativen Kommentar."

Später allerdings hätte "aus uns nicht bekannten Gründen" ein Eigenleben entwickelt und "ein Screenshot die Runde gemacht, bei der das JPEG als 'Dokumentation erigierter Penis' betitelt ist, womit der Deutungsrahmen schon hergestellt ist, bevor jemand das Pic auch nur aufmacht".

Walkenhorst: "Fine" mit Bieneck und Schneider

Mit Bieneck und Schneider hätte er inzwischen gesprochen und die Angelegenheit geklärt, berichtet auch Walkenhorst: "Mit ihnen sind wir fine. Sie werden sich deswegen auch nicht instrumentalisieren lassen. Ob sonst jemand daran Interesse hat, darüber wollen wir nicht spekulieren."

Und weiter: "Wir alle machen das Projekt ausschließlich aus Leidenschaft für den Beachvolleyball, das gilt sowohl für die Sportlerinnen und Sportler, wie auch für unser Team. In unserem gemeinsamen Spirit ist für jede Form von Diskrimierung oder Sexismus kein Raum. Wenn dennoch der Eindruck entstanden sein oder von Dritten erzeugt sein sollte, bedauere ich das."