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München - Vor Beginn der "comdirect beach tour" spricht Margareta Kozuch über ihre lehrreiche Zeit in Russland, Louisa Lippmann und eine Zukunft ohne Laura Ludwig.

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Für Margareta Kozuch endet am kommenden Wochenende eine lange Zeit der Ungewissheit.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie hat die 33-Jährige keinen Wettkampf mehr bestritten. Jetzt aber steht die Rückkehr kurz bevor. Am Samstag startet die gebürtige Hamburgerin mit polnischen Wurzeln zusammen mit Laura Ludwig in Düsseldorf beim ersten Beachvolleyball-Turnier des Sommers. ("comdirect beach tour" LIVE im TV auf SPORT1 und im Stream)

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"Ich freue ich mich jetzt auch auf das Spiel, einfach mal wieder zu zocken, aber auch um selber zu sehen, wo stehen wir eigentlich", sagt Kozuch, die zu den besten Beachvolleyballerinnen Deutschlands zählt, im Volleytalk bei SPORT1.

Der SPORT1-Volleytalk sofort auf SPORT1, SpotifyApple PodcastsDeezer – und überall wo es Podcasts gibt!

Drei Turniere der "comdirect beach tour" stehen in den nächsten Wochen für sie und ihre Sand-Partnerin Ludwig auf dem Programm. Vom 3. bis 6. September steigen dann in Timmendorfer Strand die Deutschen Meisterschaften, für die das Duo als eines der "Top-Acht"-Teams schon gesetzt ist. (Olympiasieger Julius Brink verstärkt SPORT1-Team)

Kozuch lernt Ludwig neu kennen

Erst seit vergangenem Jahr spielt Kozuch zusammen mit Ludwig. Die Olympiasiegerin kennt sie schon seit der Kindheit, jetzt aber als Team-Partnerin haben sich beide noch einmal ganz neu kennengelernt, sagt Kozuch: "Gewisse Sachen habe ich an Laura nicht gekannt und manches sie an mir nicht. Vielleicht war sie in gewissen Momenten überrascht von mir und ich von ihr."

Die "comdirect beach tour" LIVE auf SPORT1

Die Reibung, die dabei erzeugt werde, sieht Kozuch aber positiv. Sie sei gut, "um auch einmal den nächsten Schritt zu gehen". 

Kozuch, die alle nur "Maggie" nennen, kennt diese Konflikte. Auch mit sich selbst hat die einst auch als Hallenvolleyballerin sehr erfolgreiche Athletin schon den einen oder anderen Kampf ausgefochten. 

Sie spricht von ihrer Station in Russland. Eine von vielen, aber eben auch eine, die hängen geblieben ist, an die sie sich auch jetzt noch gut erinnert. Elf Jahre ist das jetzt her, als sie nach Odinzowo in die Nähe von Moskau wechselte. Dort habe sie zwar viel Geld verdient, aber auch großen Druck verspürt: "Ich war die, von der sehr viel erwartet wurde", sagt sie rückblickend.

"Was mache ich hier eigentlich?"

Als sie dann einige Monate kein Geld bekam, habe sie sich gefragt, "was mache ich hier eigentlich?". Dazu kam, dass sie das Essen dort nicht mochte und "immer dünner wurde". Es war die Zeit, als sie begann, immer weniger Fleisch zu essen und sich gesund zu ernähren. 

Das Ergebnis: "Ich fühle mich auch mental viel klarer, wenn ich weiß, ich esse viel gesundes, frisches Essen." 

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Doch nicht nur die Ernährung stellte sie um, auch zur Medizin fand sie einen neuen Zugang. "Ich wollte wissen, was es mit mir macht", sagt sie über ihre ersten Erfahrungen mit alternativer Medizin. Wichtig sei eine gewisse Achtsamkeit sich selbst gegenüber, sagt Kozuch. Dazu gehöre auch, sich mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, auch wenn das nicht immer angenehm sei. 

"Die Gedanken schwirren oftmals in mir. Oft bemerke ich das gar nicht oder denke, die sind nicht schlimm. Stattdessen foltere ich mich die ganze Zeit mit meiner Selbstkritik", sagt sie. "Es hat mir geholfen, da in mich zu gehen und das von innen heraus zu transformieren."

All diese Erkenntnisse verdanke sie in gewisser Weise der schwierigen Zeit in Russland. Deshalb sei sie auch "total dankbar für diese Erfahrung".

Als Champions-League-Siegerin zum Beachvolleyball

Eine Erfahrung ganz anderer Art machte sie dann 2017, als sie sich dazu entschied, als damals aktuelle Champions-League-Siegerin mit dem italienischen Klub Casalmaggiore vom Hallen- zum Beachvolleyball zu wechseln.

Auch diese Zeit war nicht leicht. "Wir mussten relativ viel durchmachen", erinnert sie sich an die ersten zwei Jahre mit ihrer ersten Partnerin Karla Borger. Doch sie blieb beim Beachvolleyball und bildet seit 2019 mit Ludwig eines der besten Duos in Europa.

Doch nicht nur das. Sie dient gewissermaßen auch Louisa Lippmann als Vorbild, die dieser Tage ebenfalls den Wechsel von der Halle in den Sand wagt. Die deutsche Volleyball-Nationalspielerin springt am Freitag in Düsseldorf kurzfristig für Victoria Bieneck ein, die sich nach einer Verletzung aktuell im Aufbautraining befindet.

"Ich könnte mir vorstellen, dass sie sowohl charakterlich als auch physisch für diesen Sport gemacht ist", sagt Kozuch über Lippmann: "Ich glaube, dass sie dafür Potenzial hat für die Zukunft. Natürlich nicht jetzt. Aber wer weiß, was in ein paar Jahren wird."

Zukunft mit Ludwig unklar

Diese Frage könnte sie eigentlich auch sich selbst stellen. Denn auch sie weiß noch nicht, was die Zukunft bringt. Vieles wird davon abhängen, ob Laura Ludwig zum zweiten Mal Mutter wird, so wie sie es sich wünscht. "Wahrscheinlich würde ich ohne Laura erst einmal nicht weitermachen", glaubt die zweimalige Vize-Europameisterin im Volleyball.

Es könne ja auch durchaus sein, dass auch sie noch Mutter werde: "Denn einen Familienwunsch habe ich auch."

Ohnehin sei es derzeit schwer, in die Zukunft zu schauen, sagt sie: "Gerade in der Corona-Phase haben wir gesehen, dass nichts garantiert ist."

Das komplette Gespräch mit Margareta Kozuch gibt es zum Nachhören im SPORT1-Volleytalk.