Das deutsche Duo Clemens Wickler (l.) und Julius Thole gewannen bei der Beachvolleyball-WM 2019 Silber
Das deutsche Duo Clemens Wickler (l.) und Julius Thole gewannen bei der Beachvolleyball-WM 2019 Silber © Getty Images
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München - Ein trotz Coronakrise durchgezogenes Turnier sorgt bei Beachvolleyball-Star Julius Thole nach wie vor für Unverständnis. Clemens Wickler improvisiert an der Wand.

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Es war einer DER größten Skandale im Beachvolleyball der letzten Jahre. Das vom 9. bis 13. März ausgetragene 4-Star Turnier in Doha wurde durchgezogen, obwohl einige Teams aufgrund der beginnenden Coronakrise nicht nach Katar einreisen durften.

Zur Entscheidung, das Turnier trotzdem nicht abzusagen oder abzubrechen, hat der deutsche Beachvolleyball-Star Julius Thole eine klare Meinung. "Die Italiener Rossi/Carambula durften beispielsweise nicht einreisen, was aus meiner Sicht eine massive Wettbewerbsverzerrung war. Wenn bestimmte Nationen nicht zu Turnieren zugelassen werden, wird die Olympia-Qualifikation verändert", kritisiert der Partner von Clemens Wickler das Vorgehen des Weltverbands FIVB im neuen SPORT1-Podcast "SPORT1 Corona Update".

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An der Seite von Sven Winter - der angeschlagene Wickler pausierte - schied Thole vergleichsweise früh aus und hatte keine Probleme bei der Heimreise. "Ich war danach sehr froh, in den Flieger steigen zu können und nach Hause zu gelangen. Einige Teams mussten 40 bis 50 Stunden warten, weil einige Flughäfen nicht angeflogen werden konnten", erklärt Thole weitere Komplikationen, die sich durch die Fortsetzung des Turniers ergeben hatten.

Beachvolleyball-Tour pausiert bis mindestens Ende Mai

Soweit die Profis informiert wurden, zählt das Ergebnis des Turniers weiterhin für die Qualifikation für die Olympischen Spiele, was den Vorfall nicht besser macht.

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Seit dem Skandalevent pausiert auch die Tour der Beachvolleyballer wegen der Pandemie. Bis Ende Mai finden keine Turniere der World Tour statt. Nun wurde auch der Höhepunkt des Jahres für das deutsche Erfolgsduo Thole/Wickler abgesagt, die Olympischen Spiele in Tokio.

"Wir haben versucht, die Spannung so gut es ging hoch zu halten. Dann bin ich in ein Loch gefallen, es herrscht ein wenig Leere", gibt Thole, der gemeinsam mit Wickler zu den Medaillenkandidaten zählte, zu.

Wickler und Thole finanziell abgesichert

Sein Partner hingegen ist laut eigener Aussage ein Sportler, der einen Tag hadert und sich danach nicht mehr groß ärgert. Insofern habe er nicht das Gefühl, in ein Loch gefallen zu sein.

Der 24-Jährige beschreibt im SPORT1-Podcast, wie er versucht, das Beste aus der Situation zu machen: "Gemeinsames Training ist nicht möglich, deshalb versuchen wir uns jeder für sich möglichst gut fit zu halten. Wir unternehmen viele Läufe und spielen mit dem Ball gegen die Wände und nerven ein bisschen die Nachbarn."

Finanziell machen die aktuell ausbleibenden Preisgelder zwar laut Thole "einen großen Anteil" an den Einkünften des Duos aus, durch Sponsoren und die Anstellung beim Staat über die Bundeswehr haben die beiden jedoch keine Existenzängste.

Einen Nachteil könnte der Beruf als Sportsoldat jedoch im Krisenfall haben. "Ein österreichisches Duo wurde eingezogen, um bei der Klopapierversorgung mitzuhelfen. Uns könnte das im Notfall theoretisch auch passieren, dass wir von der Bundeswehr verpflichtet werden. Aber vor uns würden ganz viele andere berücksichtigt werden, da wir nur ein Minimum an Ausbildung haben im Vergleich zu den normalen Soldaten", schildert Wickler, dass ein Einsatz eher unwahrscheinlich wäre.