Der Rücktritt von Kira Walkenhorst sorgt für große Umwälzungen. Die Beachvolleyballerin des Jahres 2018 steht alleine da, Walkenhorst selbst äußert Zweifel.

von SPORT1 , Sportinformationsdienst
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Das Karriereende von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst sorgt in der deutschen Beachvolleyball-Szene für große personelle Umwälzungen - und lässt mit Chantal Laboureur eine Beachvolleyballerin des Jahres 2018 allein zurück.

Die zweimalige deutsche Meisterin Julia Sude (31) hat sich von ihrer langjährigen Partnerin getrennt und spielt künftig an der Seite von Karla Borger (30).

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Walkenhorst, die mit ihrem Rücktritt das Beach-Beben ausgelöst hat, nimmt im SPORT1-Volleytalk zu den jüngsten Ereignissen Stellung: "Ich war über die eine oder andere Teamkonstellation doch überrascht. Aber ich blicke mit etwas Abstand darauf, das muss ich auch, um nicht emotional eingebunden zu sein", so die 28-Jährige.

Walkenhorst zweifelt Entscheidung an

Wirklich überzeugt scheint die Olympiasiegerin von den neuen Beach-Duos aber noch nicht zu sein. "Ich bin gespannt. Ob das für alle die klügste Entscheidung war, wird man sehen. Für Chantal tut es mir wahnsinnig leid. Ich glaube, dass sie auf einem richtig guten Weg waren, und ich hoffe, dass sie noch eine gute Partnerin an die Seite bekommt, damit sie ihren Plan mit Olympia Tokio noch nachgehen kann", fühlt Walkenhorst mit.

Laboureur wurde von der Entscheidung ihrer langjährigen Partnerin ebenfalls komplett überrascht. "Mir hat es logischerweise den Boden unter den Füßen weggezogen, als Julia mir vor wenigen Tagen ihre Entscheidung mitgeteilt hat. Ich kann den Entschluss zur Trennung nicht wirklich nachvollziehen", erklärte Laboureur. 

Das Duo Julia Sude (l.) und Chantal Laboureur ist Geschichte
Das Duo Julia Sude (l.) und Chantal Laboureur ist Geschichte © Getty Images

Olympiasieger Julius Brink zeigte bei SPORT1 Verständnis für die Entscheidung Sudes: "Julia ist in einer Phase ihrer Karriere, wo sie Olympia bisher nur aus dem Fernsehen kennt. Das löst eine unfassbare Motiviation aus." 

"Meiner Meinung nach hatten wir ein großes Potential, gemeinsame Top-Ergebnisse bei der diesjährigen Heim-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen 2020 zu erzielen", sagt Chantal Laboureur, die ausgerechnet an ihrem 29. Geburtstag mit dieser Entwicklung konfrontiert wurde. 

Trennung des Erfolgsduos Sude/Labourer

"Ich habe in unserem Team nicht die Weiterentwicklung gesehen, die ich mir für die bevorstehende Qualifikation der Olympischen Spiele vorgenommen habe. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, das Ziel Olympia mit Karla Borger ins Visier zu nehmen", sagte Sude.

Julius Brink hatte dennoch mahnende Worte parat: "Am Ende gibt es keine Garantie dafür, dass Karla Borger die bessere Spielerin ist. Das muss Julia bewerten und die Ergebnisse in 2019 werden es zeigen."

Karla Borger war von Sudes Entscheidung dagegen begeistert: "Wir haben ja schon als Kinder zusammen im Sand gespielt, als wir mit unseren Eltern beim Beachvolleyball unterwegs waren. Da wurde es eigentlich endlich mal Zeit, dass wir als festes Team zusammenfinden."

Kozuch zu Ludwig - Laboureur alleine

Borgers bisherige Partnerin Margareta Kozuch (32) hatte zuvor Walkenhorsts Rolle an der Seite von Olympiasiegerin Laura Ludwig (32) eingenommen. "Kozuch hat noch viel Arbeit vor sich, aber die Ansätze geben Anlass zur Hoffnung", erklärte Brink den Leistungsstand bei der ehemaligen Hallenspielerin. Kozuch wäre die erste deutsche Volleyballerin, die sowohl in der Halle als auch im Sand Erfolg hätte.

Laura Ludwig (Foto) spielt in Zukunft gemeinsam mit Margareta Kozuch
Laura Ludwig (Foto) spielt in Zukunft gemeinsam mit Margareta Kozuch © Getty Images

Auch für Ludwig sieht Brink Vorteile: "Es ist für sie positiv, nicht immer an den Erfolgen der Vergangenheit gemessen zu werden."

Laboureur steht hingegen vor der Qualifikations-Phase zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio noch ohne Partnerin da.

"Werde Traum von Olympia nicht aufgeben"

"Das kam alles sehr plötzlich. Ich werde mir intensive Gedanken machen, wie ich mich weiter aufstelle. Wer mich kennt, weiß, ich bin eine Kämpferin, und ich werde nicht so einfach den Traum von den Olympischen Spielen aufgeben", sagte Laboureur. 

Fünf Jahre hatte sie mit Sude zusammengespielt, Olympia 2016 nur wegen der nationalen Quote verpasst und im vergangenen Sommer sogar den 1. Weltranglistenplatz erklommen.

DVV bleibt bei Olympia-Zielen

Für den Deutschen Volleyball-Verband (DVV) hat sich durch die Verschiebungen zumindest an den Olympia-Zielen nichts geändert. "Wir wollen mit jeweils der maximalen Anzahl von zwei Teams bei den Frauen und Männern in Tokio an den Start gehen und dort um die Medaillen mitspielen", sagte Beachvolleyball-Sportdirektor Niclas Hildebrand, gab aber auch zu: "Rein analytisch betrachtet ist der Zeitpunkt der Neufindungen sicherlich nicht optimal, worauf allerdings niemand einen Einfluss hatte."

Walkenhorst (28) hatte am Sonntag ihr Karriereende aus gesundheitlichen Gründen verkündet. Zusammen mit Ludwig hatte sie Olympia-Gold in Rio 2016 und den WM-Titel 2017 in Wien gewonnen. "Kira ist eine der größten Beachvolleyballerinnen, die wir bisher in Deutschland hatten - sie ist eine lebende Legende", sagte Hildebrand.