Der FC Bayern Basketball bangt in der Euroleague ums Weiterkommen
Der FC Bayern Basketball bangt in der Euroleague ums Weiterkommen © SPORT1-Montage: Getty Images/Imago
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München - 6 Spiele, 6 Pleiten: Der FC Bayern enttäuscht in der Euroleague auswärts bisher. Die Gründe sind vielfältig - aber noch vor Weihnachten könnte die Wende gelingen.

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55:77, 75:104, 56:82.

Was ein bisschen nach den Ergebnissen der bemitleidenswerten Washington Generals in den Show-Einlagen gegen die weltberühmten Harlem Globetrotters klingt, beschreibt tatsächlich das derzeit größte Manko des FC Bayern Basketball.

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Mit 22, 29 und 26 Punkten Abstand verloren die Münchner ihre vergangenen drei Auswärtsspiele in der Euroleague bei Maccabi Tel Aviv, Anadolu Efes Istanbul und Valencia Basket. Von sechs Partien in der Fremde brachte das Team von Trainer Dejan Radonjic noch nichts Zählbares mit nach Hause.

Im Gegenteil: Im Schnitt verlieren die Bayern in fremder Halle mit über 21 Punkten. Gegen Topteams wie Maccabi, Anadolu Efes oder Fenerbahce, aber auch gegen Kontrahenten wie Baskonia.

Bayern: Mindestziel Playoff-Einzug

Und genau diese Niederlagen tun richtig weh - denn eigentlich wollte der deutsche Meister in diesem Jahr auch in der Euroleague für Furore sorgen, mindestens den Einzug in die Playoffs der besten acht Teams erreichen.

"Das hat der Klub bis jetzt noch nicht geschafft", erinnerte Bayern-Profi Paul Zipser Mitte November im SPORT1-Interview und stellte zugleich klar: "Unser Kader, unser ganzes Drumherum erlaubt es auch, dass wir das erreichen können."

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Dieses Potenzial, es blitzte durchaus das eine oder andere Mal auf. Beim herausragenden 104:63 gegen Lyon-Villeurbanne Mitte Oktober beispielsweise. Oder zwei Wochen später beim Heimsieg gegen Real Madrid.

Überhaupt: In der Bundesliga stürmen die Bayern mit zehn Siegen aus zehn Spielen einmal mehr vorneweg. Sobald es auf Europareise geht, ist jedoch der Wurm drin.

Bayern leistet sich zu viele Turnover

Die Gründe? Vielfältig.

Zuletzt in Tel Aviv leisteten sich die Münchner sage und schreibe 19 Turnover. Dass damit in der Euroleague kein Blumentopf zu gewinnen ist, wusste auch Radonjic.

"Wir haben konzentriert begonnen, aber zu Beginn des zweiten Viertels haben wir auf die exzellente, physische Defensive von ihnen mit zu vielen Ballverlusten reagiert", analysierte der Bayern-Coach.

Er hoffe, "dass wir in den nächsten Spielen den einen oder anderen verletzten Spieler wieder dabei haben werden".

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München plagen Verletzungssorgen

Womit das nächste Problem der Münchner benannt wäre: die Verletzungssorgen. In Tel Aviv fehlten weiterhin TJ Bray, Josh Huestis und Kapitän Nihad Djedovic, zu allem Überfluss knickte im Abschlusstraining in München auch noch Leon Radosevic um und fällt mindestens rund zehn Tage aus.

So viele Ausfälle auf einmal können die Bayern gegen die nationale Konkurrenz noch verschmerzen - im allwöchentlichen Messen mit Europas Elite wird die Luft dann aber dünn. Erst recht, wenn sich zur Mehrfachbelastung durch Bundesliga und Euroleague auch noch die Reisestrapazen gesellen.

Gerade auf der Spielmacher-Position fehlt es durch den Ausfall von Bray hinter Maodo Lo an Alternativen, DeMarcus Nelson und Diego Flaccadori präsentieren sich zu unbeständig.

Zur Einordnung: Das von der Euroleague verwendete Performance Index Rating (PIR), bei dem positive Werte wie Punkte, Rebounds, Assists und Steals mit negativen Aktionen wie Fehlwürfen, Ballverlusten und Fouls verrechnet werden, weist für Nelson pro Spiel eine Zahl von 2,1 aus, für Flaccadori stehen gar durchschnittlich -0,1 Punkte zu Buche.

Lo kommt auf einen Wert von 9, der beste Münchner Greg Monroe steht bei über 16, Euroleague-Topspieler Shane Larkin von Anadolu Efes gar bei 25,18. Noch Fragen?

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Chancen des FCB eher bescheiden

Die Probleme des FC Bayern Basketball liegen also auf der Hand - wie aber stehen die Chancen, trotz allem vom aktuell 16. Platz doch noch den Sprung unter die Top 8 zu schaffen?

Ein Vergleich mit der vergangenen Saison zeigt: eher bescheiden.

Statt wie in diesem Jahr 18 waren damals nur 16 Teams mit dabei, am Ende der Hauptrunde reichten 14 Siege zum Einzug in die Playoffs. Bei vier Spielen mehr pro Team dürften diesmal wohl mehr vonnöten sein.

Bedeutet für die Münchner: Statt wie bisher ein Drittel ihrer Duelle (4 von 12) zu gewinnen, müssten sie ihre Siegquote in den verbleibenden 22 Partien auf mindestens 50 Prozent steigern.

Koponen: "Gibt keine einfachen Spiele"

Wie schwierig das wird, wissen auch die Spieler selbst.

"Es gibt in der Euroleague keine einfachen Spiele", meinte Petteri Koponen nach der Niederlage in Tel Aviv und forderte: "Wir müssen einen Weg finden, wettbewerbsfähig zu bleiben und versuchen, wieder Siege zu holen."

Bis Weihnachten hat der FC Bayern Basketball dazu in der Euroleague noch drei Mal die Chance: Zuhause gegen Schlusslicht Zenit St. Petersburg und im deutschen Duell bei ALBA Berlin sind Siege dabei schon Pflicht. (Euroleague: FC Bayern - Zenit St. Petersburg ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)

Und mit einem Überraschungscoup gegen den großen FC Barcelona mit Ex-Bayern-Coach Svetislav Pesic könnten die Münchner kurz vor Heiligabend dann endgültig zur großen Aufholjagd blasen.