Wolfgang Heyder kehrt als Nachwuchskoordinator nach Bamberg zurück
Wolfgang Heyder kehrt als Nachwuchskoordinator nach Bamberg zurück © Imago
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München - Wolfgang Heyder kehrt überraschend nach Bamberg zurück. Bei SPORT1 spricht er über seine neue Aufgabe, das Verhältnis zu Michael Stoschek und die Bayern.

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Diese Nachricht hat in Basketball-Deutschland für Aufsehen gesorgt: Der ehemalige Geschäftsführer Wolfgang Heyder kehrt knapp sechs Jahre nach seiner Suspendierung zu Brose Bamberg zurück.

In seiner neuen Funktion als Nachwuchskoordinator soll er dafür sorgen, dass er frühere Serienmeister wieder Anschluss findet an die Spitze der easycredit BBL.

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Im Interview mit SPORT1 spricht der 63-Jährige über die Gründe seiner Rückkehr, sein schwieriges Verhältnis zu Aufsichtsratsboss Michael Stoschek und den Vergleich mit dem FC Bayern Basketball.

SPORT1: Was sind Ihre Gründe für die Rückkehr bei den Brose Bamberg?

Wolfgang Heyder: Ich muss sagen, dass mit großen Schmerzen die Entwicklung des Jugendprogramms in den letzten Jahren von außen beobachtet habe. Auch als Verbandsverantwortlicher habe ich deutlich gemerkt, dass Bamberg von einem der besten Jugendprogramme immer weiter nach unten gerutscht ist. In der neuesten Kaderliste der Bayernauswahl ist von den besten 24 Spielern in Bayern keiner aus Bamberg. Und nachdem das von vielen verschiedenen Seiten immer wieder an mich herangetragen wurde, ob ich mir das vorstellen kann, habe ich mich nach einigen Überlegungen dazu bereiterklärt, wobei das sicherlich eine sehr harte Aufgabe ist.

SPORT1: Haben Sie sich denn schon einen Plan zurechtgelegt? Wie wollen sie erreichen, dass wieder mehr Talente kommen? 

Heyder: Es ist ja wichtig, dass man auf eine viel größere Breite zurückgreifen kann. Ich denke, im unteren Bereich wurde das sehr beliebig gemacht, da gab es kein Konzept. Das ist ein zentraler Punkt, dass wir im Kinderbereich bei der U8, U10 und schon in der U6 sehr früh anfangen und dass wir sehr viele Kinder erwischen, die wir betreuen und ausbilden können. Wir müssen auch die zehn Vereine in der Region Bamberg, die Basketball anbieten, mitnehmen und sie unterstützen.

Umgekehrt müssen sie uns auch dabei helfen, diese Breite zu erreichen. Also fangen wir ganz unten an, wir werden natürlich eine NBBL und eine JBBL besetzen. Aber da ist der Einfluss natürlich sehr gering, zumal man zum jetzigen Zeitpunkt kaum mehr rekrutieren kann. Es wird ganz wichtig sein, strategisch mit guter Trainerqualität ganz unten wieder zu beginnen. 

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SPORT1: Glauben Sie, dass es Ihnen gelingen kann, die Spieler dann auch zu den Profis zu führen? 

Heyder: Ja das ist ein weiter Weg, wieder Talente zu entwickeln. Bamberg muss wieder ein Standort werden, wo man hingehen will und zurzeit ist das einfach kein Thema. Wir brauchen natürlich entsprechende Trainerqualität, Trainer die nicht nur Qualität in der Ausbildung haben, sondern die auch hochmotiviert sind und viele Emotionen mitbringen. Es ist in den letzten sechs Jahren viel versäumt worden. Viele der Tools, die vorhanden sind, wurden überhaupt nicht genutzt. Da hat man sich zurückentwickelt. Man wird natürlich Talente entwickeln können, wie Bromke und die beiden Tischler-Zwillinge. Das sind wieder drei hochinteressante Bamberger Spieler aus dem Jugendprogramm. Aber da muss natürlich auch die Bereitschaft der Headcoaches da sein, die dann einzubinden. 

SPORT1: Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Talente, die sie ausbilden auch eine hohe Bindung an Bamberg und an den Klub haben? 

Wolfgang Heyder: Das ist ein zentraler Punkt, dass Bamberger in der Mannschaft spielen. Ich bedaure es immer sehr, wenn auch nächstes Jahr kein Bamberger Jugendspieler in der Mannschaft ist. Natürlich ist das bedauerlich, weil nächstes Jahr vielleicht 12, 13 Bamberger in der BBL spielen werden, aber nicht in Bamberg. Es wichtig, dass man die Bindung herstellt. Die schaffen wir natürlich, wenn wir die Spieler langfristig aufbauen. Das ist in Bamberg verloren gegangen. Den Weg muss man natürlich wieder finden, aber das ist nicht auf Knopfdruck zu schaffen. Ich kenne den Weg, aber das ist natürlich mit harter Arbeit verbunden. Das geht jetzt auch nicht, weil da Wolfgang Heyder drunter steht, von heute auf morgen.

SPORT1: Sie haben gerade angesprochen, dass es in Bamberg einige Tools gibt, die aber in den letzten Jahren nicht benutzt wurden. Was ist das zum Beispiel? 

Heyder: Zum Beispiel ist das mit Abstand am Besten vorhandene Sportinternat. Ich kenne kein besseres in Deutschland. Da gibt es insgesamt 14 Plätze mit hervorragender Sozialbetreuung und einer Halle direkt vor Ort, Kraftraum, Hausaufgabenbetreuung, Schule in der Nähe. Also besser geht es aus meiner Sicht nicht. Aber es sind keine Spieler mehr integriert, die man entwickeln kann. Wenn sie hier Spieler haben und die vernünftig betreuen, ist das relativ schnell auf einem ganz hohen Niveau. Man muss jetzt zwei Wege gehen, Spieler aus Bamberg entwickeln und auch den einen oder anderen hierher rekrutieren. Aber momentan liegt das alles brach.

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SPORT1: Von was für einem zeitlichen Rahmen sprechen wir, bis wieder Talente zu den Profis stoßen können? 

Heyder: Aus dem eigenen Nachwuchs wird es sicherlich vier bis fünf Jahre dauern. Aber man wird in den nächsten Jahren wahrscheinlich auch andere Spieler rekrutieren können, wenn dann die Situation passt. 

SPORT1: Im Moment backt Bamberg im Profibereich ja eher kleinere Brötchen, warum kommen Sie gerade jetzt nach Bamberg?

Heyder: Mit den kleinen und großen Brötchen ist das so eine Sache. Bamberg hat nach wie vor ein sehr großes Budget. Aus meiner Sicht gehören sie auch beim Budget zu den vier – fünf besten in der Liga. Ich denke dass das in den letzten Jahren einfach nicht optimal umgesetzt wurde, das hat Michael Stoschek zurecht kritisiert. 

SPORT1: Weil sie Herrn Stoschek schon angesprochen haben. Die Trennung damals verlief ja nicht so ganz astrein, haben sie sich damals ausgesprochen und wie gehen sie miteinander um? 

Heyder: Grundsätzlich stehe ich dazu, dass ich damals eine komplett andere Meinung hatte, wie man mit einer Trainerentlassung (Chris Fleming wurde 2014 nach sechs erfolgreichen Jahren entlassen, Anm. d. Red.) umgeht. Ich hatte natürlich den letzten Jahren immer wieder Kontakt zu Michael Stoschek auf verschiedenen Ebenen. Es ist nicht so, dass wir seit sechs Jahren erbitterte Feinde sind. Natürlich habe ich auch was Basketball betrifft, was das Strategische betrifft in der ein oder anderen Situation eine andere Meinung. Mir war es immer wichtig, Bamberger in der Mannschaft zu haben, Bamberger in der Struktur zu haben. 

Aber grundsätzlich respektiere ich A die Lebensleistung von Michael Stoschek als Unternehmer, B was er hier in Bamberg für den Basketball getan hat und C ist es ein kompletter Quatsch, dass er das Geld aus der Förderung herauszieht. Das ist immer noch so gut subventioniert bis heute. Man muss einfach feststellen, dass schlecht gearbeitet wurde. Und da sehe ich auch den Anspruch, dass man mit dem Geld, das man hat, sorgfältig umgehen muss und das Beste herausholen muss. 

SPORT1: Bei dem Konzept, was sie jetzt für das Landesleistungszentrum haben, sind Sie und Michael Stoschek konform? 

Heyder: Ja, Michael Stoschek hat mich gefragt, ob ich das machen will. Insofern gehe ich davon aus, dass er die gleiche Idee hat. Er will auch, dass mit den vorhandenen Mitteln das Optimale rausgeholt wird. Das ist überhaupt keine Frage. Und wenn es dann am Ende darum geht, ob ein Spieler in der Profimannschaft spielt, ist das immer eine Entscheidung des Trainers. Man muss an dem Thema arbeiten, dass die sich entwickeln und Spielzeit bekommen. 

SPORT1: Wie sehen sie die nächsten Jahre? Ist man doch vielleicht immer ein bisschen hinter den Bayern und ALBA oder sehen sie da schon Chancen, dass es da wieder aufwärts geht? 

Heyder: Sicherlich ist es so, dass in Bamberg mit den vorhandenen Mitteln mehr möglich gewesen wäre. Inzwischen ist der finanzielle Abstand vor allem zu den Bayern sehr, sehr groß. Das ist eine komplett andere Welt, das muss man einfach realistisch sehen. Auf der anderen Seite liegt in der Underdog-Situation auch immer ein großer Reiz. Da kann man auch viel erreichen. Bei unserer ersten Meisterschaft waren wir im Budget an siebter Stelle in der Liga und auch in den Jahren vorher Vizemeister mit viel weniger Geld als andere. Man kann als Underdog viel erreichen, aber es ist natürlich keine Selbstverständlichkeit mit einem Drittel oder einem Viertel von dem Geld, wie es Bayern München hat. Da muss alles zusammenkommen, aber die Chance ist immer da.