Per Günther spricht über DBB-Team, Ulm und Bayern
Per Günther spricht über DBB-Team, Ulm und Bayern © SPORT1-Montage: Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
Lesedauer: 9 Minuten

München - Per Günther von ratiopharm Ulm spricht über die Ziele der Ulmer in der kommenden BBL-Saison, den FC Bayern und blickt auf das DBB-Team bei der WM zurück.

Anzeige

Ratiopharm Ulm eröffnet die neue BBL-Saison gegen das Überraschungsteam des Vorjahres Rasta Vechta (BBL: Ratiopharm Ulm - Rasta Vechta ab 19 Uhr im LIVETICKER)

Mit von der Partie ist dann auch Per Günther. Der 31-Jährige geht bereits in seine elfte Saison bei den Ulmern und möchte, nach einer aufgrund von Verletzungen schwierigen Vorsaison, noch einmal angreifen. 

Anzeige

Im SPORT1-Interview spricht Günther über die Ulmer Ziele in der kommenden Saison, das Abschneiden der deutschen Basketballer bei der WM 2019 und den FC Bayern.

SPORT1: Herr Günther, Sie haben Ihren Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert. Geht es Jahr für Jahr weiter, kann es der letzte Vertrag sein oder ist es ziemlich offen, wie es dann weitergeht?

Per Günther: Das ist ziemlich offen. Ich möchte natürlich so lange spielen, wie es geht und es Spaß macht. Die Gesundheit ist aber der größte Faktor. Es waren jetzt zwei, drei Saisons, in denen es mehrere Baustellen gab. Es war lange der Rücken und dann das Knie. Ich hoffe einfach, dass der Sommer so gut verlaufen ist, dass ich die gesamte Saison gesund bleibe. Dann habe ich Lust, wenn es gesundheitlich passt und die Leistung stimmt, noch länger hierzubleiben und weiter zu spielen.

SPORT1: Wie wird Ihre Rolle in der kommenden Saison aussehen?

Günther: Wenn man seinen Kader zusammenstellt, muss man natürlich auch beachten, wie man seine deutschen Spieler einsetzt und dann passt man es mit den Ausländern an. Von daher glaube ich schon, dass es dem Verein wichtig ist, dass meine Rolle größer sein soll als im vergangenen Jahr. Deswegen haben wir uns besonders viel Zeit bei der Reha genommen, weil es wichtig ist, dass ich dieses Jahr fit bin, weil die Mannschaft mich brauchen wird.

Günther lobt Neuzugang: "Spieler von unglaublicher Qualität"

SPORT1: Was versprechen Sie sich vom neuen Duo Lakovic/Dragic oder auch von Killian Hayes?

Günther: Viel. Mit Zoran hast du jemanden, der nominell bei noch größeren Vereinen spielen könnte. Er ist einfach ein Spieler von unglaublicher Qualität, wenn er gesund ist, der allen Beteiligten viel Freude bereiten wird. Killian ist auch eine spannende Geschichte. Er ist ein 18 Jahre alter Starter, Franzose und hat eine spektakuläre Spielart. Tyler Harvey kann man auch noch nennen, ein Ballermann aus der G-League. Wir haben ein paar Leute, auf die Basketball-Fans sich freuen können.

SPORT1: Die Nürnberg Falcons sind zwar aufstiegen, haben aber die Lizenz nicht erhalten. Glauben Sie, dass es in der Zukunft noch ein bis zwei Teams treffen könnte und die Liga kleiner wird? Oder war es ein einmaliger Fall?

Günther: Das ist schwierig. Für die EuroLeague-Teams könnte es interessant sein, die Liga auf 16 Mannschaften zu reduzieren. Diese Teams fahren ein extrem hohes Pensum. Ich glaube aber, dass ein großer Teil der Liga noch zwei Heimspiele mehr haben möchte. Von daher glaube ich, dass es eher zwei Lager gibt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es wirklich eine klare Entscheidung pro Verkleinerung der Liga geben wird. Aber es gibt definitiv Interessengruppen, die das möchten - und dann wird der Ton richtig rau in der Liga werden. Es gibt jetzt schon zwölf Mannschaften, die vom Papier her in die Playoffs müssen und wenn man dann ab Platz 13-14 schon akut abstiegsgefährdet ist, in einer 16er Liga, ist natürlich einiges los.

Alle Spiele der easyCredit Basketball Bundesliga live bei MAGENTA SPORT!| ANZEIGE

SPORT1: Warum wird Ulms Saisonstart in diesem Jahr besser laufen?

Günther: Ich hoffe, dass er allein vom Spielplan besser laufen wird. Letztes Jahr waren München, Berlin und Roter Stern die ersten drei Spiele. Dieses Jahr haben wir erst mal Vechta zu Hause und dann Braunschweig. Vechta ist eine Mannschaft, wo man nicht wirklich weiß, was passiert. Können sie an die einmalige Geschichte, die sie letztes Jahr hatten, anknüpfen?

"Playoffs. Auf jeden Fall"

SPORT1: Und dann? Playoffs? Heimvorteil? Oder sogar mehr?

Günther: Playoffs. Auf jeden Fall. Ansonsten glaube ich, dass während der regulären Saison eine Mannschaft wie Oldenburg eine Bank sein wird. Sie haben viel Kontinuität. Bei ALBA Berlin ist jetzt auch nicht zu erwarten, dass sie viel schlechter sein werden. Ein Platz unter den ersten Vier wäre natürlich eine tolle Sache, aber wir sollten vorsichtig herangehen, denn die etablierten Mannschaften haben noch mehr Kontinuität und können direkt auf eine bessere Basis aufbauen. Das ist bei uns mit neuem Trainergespann und zehn, elf neuen Spielern nicht möglich. Die Playoffs sind für den Standort Ulm immer ein Ziel, das ausgegeben werden muss.

SPORT1: Der FC Bayern hat Jovic, Williams und Booker verloren, dann aber Monroe, Huestis und Zipser geholt. Nehmen Sie das mit Gleichgültigkeit, Freude, Neid oder Kopfschütteln auf?

Günther: Tatsächlich eher mit Gleichgültigkeit. Ich glaube, dass sie dieses Jahr einen noch breiteren Kader haben. Monroe sieht natürlich erst einmal eindrucksvoll aus, aber sie haben sich vor allem breiter aufgestellt. Das müssen sie auch, wenn man sich vor Augen führt, welche Belastung sie haben während der Saison. Für uns ist es aber erst mal egal, ob sie 15 oder 18 Spieler mit hoher Qualität haben. Und irgendwie gibt es als deutscher Spieler und Anhänger der BBL und des deutschen Basketballs immer den Wunsch danach, dass die Liga in der EuroLeague gut repräsentiert wird. Ich finde es schade, dass der Eindruck entsteht, dass in Bamberg eine abgespeckte Version an den Start geht. Ich wünsche mir genauso, dass ALBA die BBL wieder toll repräsentiert. Nach wie vor werden Teams wie Oldenburg und wir immer weiter auf den Pokal schielen, denn es wird immer schwieriger werden, eine Meisterschaft zu gewinnen. Man möchte zwangsläufig, dass sich der Basketball weiterentwickelt und ein starkes Zugpferd ist dafür Pflicht.

Meistgelesene Artikel
  • Int. Fussball / Premier League
    1
    Int. Fussball / Premier League
    Rätsel um Uniteds 40-Millionen-Mann
  • Fussball / Bundesliga
    2
    Fussball / Bundesliga
    Das Geheimnis hinter Sanés Traumtor
  • Fussball / Bundesliga
    3
    Fussball / Bundesliga
    Schalkes Riether: "Das ist der Tod"
  • Motorsport / Formel 1
    4
    Motorsport / Formel 1
    Attentat? Rennkommisar abgereist
  • Int. Fussball
    5
    Int. Fussball
    "Wie als Junge": Ajax feiert Traoré

SPORT1: Wie haben Sie den WM-Sommer der Nationalmannschaft erlebt und verfolgt?

Günther: Es war natürlich schade. Ich habe mich riesig darauf gefreut und hatte das Gefühl, dass in meinem Umfeld ein WM-Fieber und eine Vorfreude aufgekommen ist, gepaart mit einer medialen Aufbereitung, die es so noch nicht gab. Man hofft auch immer, dass das angenommen wird und etwas auslöst. Man sieht sich als Basketballer immer in der Position, dass man endlich mal wahrgenommen werden will. Der Grad ist manchmal einfach schmal. Das ist die Lektion, die man aus dieser WM mitnehmen kann. In der Vorrunde spielt man mit Frankreich gegen eine der besten Mannschaften des Turniers. Und dann reicht ein katastrophales beziehungsweise vom Auftreten her unbefriedigendes Spiel gegen die Dominikanische Republik und das Ding, auf das man zwei Jahre in so einem Zyklus hinarbeitet, ist gelaufen. Das hat sich schon brutal angefühlt. Aber das gehört auch irgendwie dazu.

Jetzt aktuelle Basketball-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

SPORT1: Es gab eine große Chance für den Basketball – und dann so ein Dämpfer.

Günther: Ja, diese Chance ist verschenkt. Als Fans, für die Fernsehjungs, die sich weit aus dem Fenster lehnen und so etwas möglich machten. Am Ende gibt es nur Verlierer. Von Spielern über Funktionäre vom DBB bis hin zu uns als Fans und als deutsche Basketball-Familie. Es war auf jeden Fall eine Enttäuschung.

Günther: Kritik an Schröder "ganz heißes Eisen"

SPORT1: Wie haben Sie die Kritik an Dennis Schröder empfunden?

Günther: Das ist ein ganz heißes Eisen und wird es während seiner Nationalmannschaftskarriere immer bleiben. Ich tue mich immer schwer, dann immer nur auf den besten Spieler zu gehen. Wenn man sich an Dennis reiben möchte, gibt es mit Sicherheit genügend Sachen. Aber er hatte für mich die nötige Aggressivität. Er hat nicht immer hochprozentig geworfen, aber es gab ein Element der Aggressivität und des Selbstvertrauens, die bei anderen Spielern gefehlt haben. Die Frage ist: Soll Dennis so eine dominante Rolle einnehmen oder nicht? Man kann seine Rolle nur bewerten, wenn er selbst gut spielt und alle anderem um ihn herum auch ihren Job auf einem wirklich hohen Niveau machen. Wenn man dann Spiele verliert, muss man sagen: Hier passt es einfach nicht zusammen, so kann es nicht sein. Dennis bekommt mehr auf die Mütze, als es für meinen persönlichen Geschmack angemessen wäre.

SPORT1: Empfinden Sie es als Problem, dass die Mannschaft wegen der Nationalmannschaftsfenster in der Qualifikation anders aussieht als beim Turnier - weil dann Spieler wie Basti Doreth in die Röhre gucken?

Günther: Das ist eben Teil dieses Wahnsinns und natürlich nicht Sinn der Sache. Es laufen einfach viele Sachen komplett schief in der Koordination. Das ist irgendwie hässlich. Ich bin der größte Fan von Basti oder Karsten Tadda, den Jungs, die ihre Knochen hinhalten und spielen. Aber ich weiß auch, dass, wenn die Jungs gespielt und mit drei Punkten verloren hätten, sie es genauso abkriegen. Dann heißt es: Warum nehmen die Basti und Tadda mit? Das ist einfach schwierig. Am Ende des Tages haben wir 68 Punkte gegen die Dominikanische Republik gemacht und das ist für die offensive Firepower, die diese Truppe hat, einfach nicht genug.