Bei Brose Bamberg hat sich einiges verändert
Bei Brose Bamberg hat sich einiges verändert © SPORT1-Montage: Veith Nurtsch/Getty Images/iStock
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München - Brose Bamberg drückt im Sommer erneut den Reset-Knopf und steht vor einer schwierigen Saison. Das einstige BBL-Schwergewicht ist nicht mehr Favorit.

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Bei Brose Bamberg wird wieder einmal der Reset-Knopf gedrückt.

Der frühere deutsche Serienmeister (2010 bis 2013, 2015 bis 2017) hat im Sommer mit Trainer Roel Moors und Sportdirektor Leo de Rycke ein Duo aus Antwerpen zu den neuen Hauptverantwortlichen gekürt.

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Zuvor hatte Aufsichtsratschef und Mäzen Michael Stoschek einen "wirklichen Neuanfang" versprochen, nachdem die abgelaufene Saison mit dem Aus im Viertelfinale gegen Rasta Vechta ungewohnt früh geendet war. Zwar fuhr Bamberg den Pokalsieg ein, doch die hohen Erwartungen Stoscheks und der Bamberger Verantwortlichen wurden nicht erfüllt.

So musste Coach Federico Perego seinen Hut nehmen und mit ihm gingen gleich mehrere Top-Stars. Top-Scorer Tyrese Rice, Basketball-Legende Nikos Zisis, Big Man Cliff Alexander und fünf weitere Spieler verließen den Klub.

Ex-Macher Heyder: "Kein einziger Bamberger im Kader"

Der neue Sportdirektor de Rycke verpflichtete im Gegenzug einige in Deutschland unbekannte Spieler. Neue Leitfigur soll Aufbauspieler Paris Lee werden, den der Sportchef aus Antwerpen mitbrachte.

Mit Nelson Weidemann wurde ein Top-Talent des FC Bayern ausgeliehen, zudem kam mit Christian Sengfelder ein weiteres junges deutsches Talent mit College-Erfahrung nach Franken.

Der ehemalige Bamberger Geschäftsführer Wolfgang Heyder sieht die Entwicklung skeptisch. "Ich finde die Mannschaft sehr spannend. Junge, ehrgeizige Spieler, die sich entwickeln wollen, die Potenzial haben. Aber wie schnell dieser Weg geht, ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzuschätzen", sagte er bei SPORT1.

"Nicht erkennen kann ich leider den angekündigten 'Bamberger Weg', da ja kein einziger Bamberger im Kader steht. Bedauerlich vor allem deshalb, weil neun ehemalige Bamberger Jugendspieler gute Rollen in der BBL spielen."

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Sengfelder-Verpflichtung begeistert Heyder

Begeistert ist der 62-Jährige aber von Sengfelders Verpflichtung: "Der Junge ist richtig interessant. Mit harter Arbeit hat er sich dahin gebracht, wo er jetzt ist. Er hat sich in die Nationalmannschaft gespielt und sich damit auch für Bamberg ins Gespräch gebracht. Es wird sehr interessant zu sehen sein, wie er seinen Weg weitergeht."

In der Vorbereitung, die die Bamberger mit einer durchwachsenen Bilanz abschlossen (unter anderem wurden Bayreuth und der MBC geschlagen, während es gegen Roter Stern Belgrad und den türkischen Klub Bandirma Pleiten setzte), hinterließ Sengfelder bereits bleibenden Eindruck.

Überraschend spielte sich auch Nachwuchsmann Mateo Seric in den Vordergrund. Der 20-Jährige darf nun ebenfalls auf BBL-Minuten hoffen.

Brose Bamberg muss umdenken

Dennoch unterstreichen diese beiden Personalien die Entwicklung in Bamberg – auch in finanzieller Hinsicht. Mit Bradley Wanamaker (Boston Celtics), Daniel Theis (Boston Celtics), Nicolo Melli (New Orleans Pelicans) und P.J. Tucker (Houston Rockets) haben inzwischen vier ehemalige Bamberger den Weg in die NBA gefunden.

Von den aktuellen Spielern im Kader wird mutmaßlich kein Akteur ad hoc den Sprung in die beste Basketball-Liga der Welt schaffen. Selbst in der BBL zählt momentan kein Bamberger Spieler zu den Top-Stars. Diese spielen inzwischen bei den Euroleague-Teilnehmern FC Bayern und ALBA Berlin.

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Wie also sollte man das Team aus Bamberg einschätzen? "Aus meiner Sicht muss man da jetzt erstmal abwarten. Sie haben eindeutig das Potenzial und auch den Biss, um in der BBL zu bestehen. Trotzdem fällt eine Prognose schwer", erklärte Ex-Macher Heyder.

Heyder: "Platz unter den ersten Sechs muss Ziel sein"

Dennoch sieht er ein Mindestziel: "Vom Budget und den Möglichkeiten her muss ein Platz unter den ersten Sechs das Ziel sein."

Als Favorit sieht Heyder den FC Bayern, der "das höchste Budget" und "wieder ein starkes Team" hat. Lob hat er auch für ALBA Berlin parat, die sich "in den letzten Jahren gut entwickelt" hätten. Jedoch müsse man abwarten, wie beide Teams die Belastung in der Euroleague mit 36 zusätzlichen Spielen verkraften, sagt Heyder.

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Für die erfolgsverwöhnten Bamberger bleiben so wohl nur die Champions League und der Pokal, um Titel einzuheimsen. Allerdings sind durch den neuen Kader auch hier die Erwartungen erst einmal gedämpft.

Ein kleines Fragezeichen bleibt hinter der Finanzsituation der Franken. Der Rauswurf von Ex-Geschäftsführer Rolf Beyer wurde vom Klub mit "finanziellen Unregelmäßigkeiten" begründet, sogar die Insolvenz soll gedroht haben.

Stoschek mit Umbau zufrieden

Die Zeiten von zweistelligen Millionenetats sind in Bamberg wohl vorbei, ablesbar auch an den Verpflichtungen dieser Saison.

Stoschek sieht sein Team dennoch voll im Soll: "Ich bat nach der letzten Saison (2017/18, Anm.d. Red) um Geduld, da ich annahm, dass der gesamte Umbau von Team und Organisation zwei bis drei Jahre Zeit erfordern würde. Nun haben wir ein Jahr hinter uns und der Umbau erfolgt planmäßig."

Der nächste Neustart wird zeigen, ob Stoscheks Plan in Bamberg Früchte trägt.