Brose-Boss Michael Stoschek (l., hier mit ZSKA-Trainer Dimitris Itoudis) erklärt die Trennung von Geschäftsführer Rolf Beyer
Brose-Boss Michael Stoschek (l., hier mit ZSKA-Trainer Dimitris Itoudis) erklärt die Trennung von Geschäftsführer Rolf Beyer © Imago

München - Bambergs Boss legt gegen den entlassenen Geschäftsführer Rolf Beyer nach und wirft ihm "gravierende Managementfehler" vor. Erst vor kurzem sei das Loch in der Kasse aufgefallen.

von SPORT1

BBL-Schwergewicht Brose Bamberg hat sich zwei Tage nach der überraschenden Entlassung von Geschäftsführer Rolf Beyer erstmals genauer zu den Hintergründen geäußert - und den Funktionär weiter belastet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Stoschek erklärte in einer Klub-Mitteilung, er bedauere "seine (Beyers, d. Red.) gravierenden Managementfehler, die uns zu diesen Konsequenzen gezwungen haben".

Der Klub teilte außerdem mit: "Erst seit wenigen Tagen ist dem Aufsichtsrat bekannt, dass am Ende 2018 Mittel in Millionenhöhe fehlen werden. Vor diesem Hintergrund sahen sich die Gesellschafter gezwungen, die Zusammenarbeit mit Rolf Beyer zu beenden."

Warum trennte sich Bamberg von Beyer?

Die plötzliche Trennung von Beyer hatte der neunmalige deutsche Meister am Mittwoch-Abend lediglich mit "finanziellen Unregelmäßigkeiten" erklärt. 

Nach SPORT1-Informationen ist der Grund für das plötzliche Aus des Geschäftsführers aber ein anderer: Machtmensch Stoschek wollte die Kündigung von Beyer, der seinen Posten eigentlich erst zum Jahresende räumen wollte, nicht einfach so hinnehmen, sondern selbst den Schlussstrich ziehen.

Unter Beyer hatte der Klub seit 2014 drei Meistertitel und einen Pokalsieg geholt, nach seiner Kündigung in der Saisonvorbereitung hatte er auch für dieses Jahr noch den Kader um Star-Neuzugang Tyrese Rice zusammengestellt. 

Vorwürfe gegen Geschäftsführer

Am Freitag betonte der Verein, schon in der letzten Saison hätten die Brose Gruppe und Stoschek nur durch "finanzielle Unterstützung über das eigentliche Sponsoring hinaus" den Fehlbetrag im Haushalt ausgleichen können.

Auch in diesem Zusammenhang werden Beyer Fehler vorgeworfen. Die Geschäftsführung habe es "trotz des höchsten Etats aller Vereine in der BBL nicht geschafft, zum Jahresende einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen".

Da sich nun wieder ein Loch in der Kasse aufgetan habe, hätten Brose und Stoschek persönlich erneut finanzielle Unterstützung zugesichert.

Der Aufsichtsratsvorsitzende schloss kämpferisch: "Aufsichtsrat, neue Geschäftsführung und alle Mitarbeiter von Brose Bamberg sind fest entschlossen, die Erfolgsgeschichte des Bamberger Basketballs fortzuschreiben".

BBL-Boss und Lizenz-Abteilung irritiert

Das Beben bei Bamberg hatte auch Liga-Boss Stefan Holz kalt erwischt. "Mich hat das vollkommen überrascht, ich bin gestern Abend aus allen Wolken gefallen", sagte der Geschäftsführer der BBL dem SID am Donnerstag.

Weder die Insolvenzgefahr noch die Trennung von Geschäftsführer Beyer hatten sich abgezeichnet. Das Vorgehen irritierte Holz zusätzlich.

Dass die Bamberger selbst von einer drohenden Pleite sprechen, gefiel Holz gar nicht. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass sie unabgestimmt mit dem I-Wort hantieren", sagte er.

Ähnlich irritiert äußerte sich am Donnerstag auch Thomas Braumann, der Vorsitzende des Lizenzierungsausschusses.

"Die Unterlagen sind im April eingereicht und für gut befunden worden", sagte Braumann dem SID: "Sie haben die Lizenz ohne Auflagen bekommen." Zuletzt hat Brose Bamberg der Liga im Oktober berichtet.

"Im Lizenzstatut ist verankert, dass die Klubs rechtzeitig mitteilen müssen, wenn etwas nicht in Ordnung ist", erklärte Braumann.

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