Michael Stoschek (l.) ist der mächtige Mann bei Brose Bamberg
Michael Stoschek (l.) ist der mächtige Mann bei Brose Bamberg © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

München - Der einstige Basketball-Serienmeister irritiert mit der plötzlichen Beyer-Entlassung und der Nachricht von einer drohenden Insolvenz. SPORT1 zeigt, wie sich Bamberg immer wieder selbst demolierte.

von Raphael Weber , Franziska Wendler , Markus Bosch

Neun Meistertitel seit 2005, dazu insgesamt fünf Pokalsiege – kein Team hat den deutschen Basketball über die letzten Jahre so dominiert wie Brose Bamberg.

Selbst der Aufstieg des FC Bayern in die BBL (seit 2011 zurück, 2014 und 2018 Meister, 2018 Pokalsieger) konnte die Franken zunächst nicht nachhaltig vom Thron stoßen. Erst 2017 machte Bamberg den dritten Meistertitel in Serie klar.

Doch diese Woche schockte der Gigant die BBL mit der plötzlichen Entlassung von Geschäftsführer Rolf Beyer, sprach gar von Insolvenz-Gefahr. Dass der Tabellendritte plötzlich am Abgrund stehen soll, irritierte nicht nur die Liga-Verantwortlichen, auch die Tonalität der Mitteilung verwunderte.

Am Freitag legte Bamberg noch einmal nach. In einer Pressemitteilung warf Aufsichtsratsboss Michael Stoschek dem entlassenen Geschäftsführer "gravierende Managementfehler" vor.

Beyers plötzliches Aus ist nicht der erste Fall, bei dem es in Bamberg zu einer unschönen Trennung kam. SPORT1 blickt zurück und zeigt, wie der Basketball-Gigant sich und sein Ansehen selbst beschädigte.

CHRIS FLEMING

Vier Meistertitel (von 2010 bis 2013) und drei Pokalsiege mit Bamberg holte Trainer Chris Fleming, der 2008 kam und gemeinsam mit Geschäftsführer Wolfgang Heyder die Ära der vielleicht größten fränkischen Dominanz in der BBL verantwortete. Trotzdem wurde er im Mai 2014 (nach zuvor vier Meisterschaften in Serie!) als Konsequenz aus dem Viertelfinal-Aus in den Playoffs gegen die Artland Dragons vor die Tür gesetzt.

Und Michael Stoschek ließ danach kaum ein gutes Haar am einstigen Erfolgstrainer. "Wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig in Deutschland", polterte der Aufsichtsratsvorsitzende beim hauseigenen Brose Baskets TV: "Wir sind am absoluten sportlichen Tiefpunkt in der BBL angelangt." Die Mannschaft sei nur noch eine "weitgehend unkoordinierte und demotivierte Truppe."

FC Bayern Muenchen v Brose Baskets - BBL Playoffs
Chris Fleming holte vier Meisterschaften mit Bamberg © Getty Images

Auch nach der Entlassung keilt Stoschek noch gegen seinen Ex-Coach. Der wurde im November 2014 Bundestrainer, im Sommer 2016 attackiert Bambergs Aufsichtsratschef den DBB und damit auch Fleming scharf, als er am Rande der EM-Qualifikation bei SPORT1 erklärt, er erwarte, "dass die medizinische und zusätzliche Betreuung nahe an dem ist, was in Ligaklubs geleistet wird".

Den Vorwurf ließ sich Fleming nicht gefallen. "Für mich basieren die Aussagen nicht auf Wissen, sondern auf Ignoranz", sagte der Amerikaner und lobte die DBB-Verantwortlichen ausdrücklich: "Die Qualität, die dieser Betreuungsstab hat, habe ich noch nie so gesehen. Michael hatte alle Chancen der Welt, sich diese Arbeit anzuschauen. Wir waren vier Tage in Bamberg, er hat es nicht getan. Es ist schade, dass er nicht den Mut gefunden hat." Fleming erklärte außerdem: "Er kann sich nicht so über Leute äußern, mit denen ich arbeite und die erstklassig sind."

WOLFGANG HEYDER

Bei Flemings Demontage im Mai 2014 bekam auch Heyder, der Vater des Bamberger Erfolgs, sein Fett weg. "Die sportliche Leistung war noch nie so schlecht im Vergleich zu dem Aufwand, den wir betreiben", verkündete Stoschek seinerzeit. Eine klare Botschaft auch in Richtung des damaligen Geschäftsführers, aus den vorhandenen Mitteln viel zu wenig gemacht zu haben.

Heyder sprach sich seinerzeit gegen eine Entlassung von Fleming aus und legte, als diese doch vollzogen wurde, sein Amt auf eigenen Wunsch nieder. Als Sportdirektor und Leiter des Jugendprogramms blieb er allerdings vorerst noch - bis im November nach 15 Jahren im Klub auch damit Schluss ist.

Manager Wolfgang Heyder wird die Erfurt Rockets verlassen
Wolfgang Heyder bildete gemeinsam mit Chris Fleming ein Erfolgsduo © Getty Images

Er sei "mit sofortiger Wirkung" von seinen Aufgaben entbunden, teilt Bamberg mit. Über die Gründe wird Stillschweigen vereinbart.

ANDREA TRINCHIERI

Auf Fleming folgte in Bamberg Andrea Trinchieri als Trainer - der vielleicht beste, der bislang in Franken wirkte. Der Italiener führt Brose zu drei Meistertiteln in Serie, wie Fleming wird aber auch ihm das erste schlechte Jahr danach zum Verhängnis.

Nach Abgängen zahlreicher Topstars wie Darius Miller, Daniel Theis (beide NBA), Nicolo Melli, Janis Strelnieks und Finals-MVP 2017 Fabien Causeur gelingt der personelle Umbruch nicht, Bamberg entlässt Trinchieri nach nur drei Siegen aus 15 Spielen im Februar 2018.

"Andrea Trinchieri war in die Spielerverpflichtungen immer eingebunden bzw. entschied nach dem Ausscheiden unseres Sportdirektors Daniele Baiesi allein über die Zusammenstellung des Teams", teilte Stoschek damals mit: "Leider war es ihm nicht möglich, eine Mannschaft zu formen und ihr sein Spielsystem zu vermitteln." Die Unzufriedenheit habe daraufhin auf allen Seiten zu so großen Spannungen geführt, dass "auch Aufsichtsrat und Geschäftsführung das Vertrauen in seine Arbeit verloren haben".

Andrea Trinchieri
Andrea Trinchieri gewann drei Meisterschaften mit den Franken © Getty Images

Besonders bitter: Trinchieri war nach einer Schulter-OP erst kurz vor der Entlassung wieder an die Seitenlinie zurückgekehrt.

Bei einem Fantalk wenige Tage nach der Entlassung wird Stoschek deutlich: "Am Ende haben die Ergebnisse und Spielweise dem Ansehen Brose Bambergs und seiner Sponsoren geschadet. Führungsspieler haben uns bestätigt, dass die Notwendigkeit eines Trainerwechsels besteht."

DANIELE BAIESI

Vor Trinchieri war auch schon die Trennung von Sportdirektor Daniele Baiesi im Sommer nicht geräuschlos vonstatten gegangen. Der Italiener kündigte seinen Vertrag im Juni 2017 und unterschrieb daraufhin ausgerechnet beim großen Konkurrenten FC Bayern.

Stoschek teilte auf besagtem Fantalk im Februar 2018 auch gegen Baiesi aus: "Unseren Sportdirektor haben wir vorzeitig aus dem Vertrag gelassen, weil er behauptet hat, er sei schwer krank. Dem hat gar nichts gefehlt."

Brose Baskets v FC Bayern Muenchen  - BBL
Daniele Baiesi arbeitet inzwischen für den FC Bayern © Getty Images

Bamberg muss das später auf seiner Homepage durch eine Richtigstellung korrigieren. "Die Darstellung der Umstände des Ausscheidens des ehemaligen Sportdirektors Daniele Baiesi am 22.02.2018 wird dahingehend berichtigt, dass eine ordentliche fristgemäße Kündigung des Vertrages durch den Sportdirektor zum 30.06.2017 erfolgt ist. Vorwürfe gegenüber Herrn Baiesi werden nicht aufrecht erhalten", teilt der Klub damals mit.

ROLF BEYER

Während Baiesi seit 2014 Sportdirektor in Bamberg war, übernahm Beyer seinerzeit die Aufgabe als Geschäftsführer von Heyder – bis zum unschönen Ende jetzt.

Der Klub wirft ihm in seiner Mitteilung "finanzielle Unregelmäßigkeiten" vor, die Bamberger Basketball GmbH könne gar nur "durch fortwährende finanzielle Unterstützung durch die Brose Gruppe und den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek persönlich" vor der Insolvenz bewahrt werden.

Rolf Beyer wurde als Geschäftsführer von Brose Bamberg entlassen
Rolf Beyer wurde am Mittwoch als Geschäftsführer von Brose Bamberg entlassen © Getty Images

Nach SPORT1-Informationen ist der Grund für das plötzliche Aus des Geschäftsführers aber ein anderer: Machtmensch Stoschek wollte die Kündigung von Beyer, der seinen Posten eigentlich erst zum Jahresende räumen wollte, nicht einfach so hinnehmen, sondern selbst den Schlussstrich ziehen. Auch die BBL bzw. der Lizenzierungsausschuss wundern sich über die Nachricht der plötzlichen Finanz-Probleme beim fränkischen Giganten.

Unterstützung für Beyer kam sogar aus der Politik.

"Wir haben Rolf Beyer viel zu verdanken. Rolf hat einen hervorragenden Job in Bamberg geleistet. Ich habe ihn als kompetenten, seriösen und ehrlichen Menschen kennen und schätzen gelernt. Der Versuch, auch ihn zu diskreditieren, wird nicht funktionieren. Der Basketball in Bamberg bekommt zunehmend einen bitteren Beigeschmack", schrieb Klaus Stieringer, der Vorsitzende des Stadtmarketings und der SPD-Fraktion im Bamberger Stadtrat, bei Facebook.

Politiker Klaus Stieringer stärkt Rolf Beyer den Rücken
Politiker Klaus Stieringer stärkt Rolf Beyer den Rücken © Facebook/Klaus Stieringer

LEON RADOSEVIC

Auch von Spielerseite gab es immer wieder Beschwerden über den Umgang in Bamberg. Center Leon Radosevic, der im Sommer aus seinem Vertrag ausstieg und zum FC Bayern wechselte, kritisierte: "Der Besitzer [Michael Stoschek, d. Red.] war nach der vergangenen Saison etwas 'angepisst' und hat harte Worte gegenüber der Mannschaft gefunden. "

Brose Baskets Bamberg v ratiopharm Ulm - BEKO BBL Final Game 3
Leon Radosevic legte sich mit Michael Stoschek an © Getty Images

Auch öffentlich sparte der Bamberg-Boss nicht mit Kritik an den Akteuren. Manchmal hätten die Brose Bamberg Dancers mehr Engagement gezeigt als einzelne Spieler, zitierte infranken Stoschek beim Saisonabschluss im Juni.

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