München - Seit 2011 ist Marko Pesic für die Basketballer des FC Bayern verantwortlich. Er spricht über Uli Hoeneß' Bedeutung, Ambitionen und Ziele. Hier das SPORT1-Interview.

von Robin Wigger

Der FC Bayern München hat ein klares Ziel: die europäische Spitze.

Das gilt ab sofort auch für die Basketballer. Der deutsche Meister will sich in der Euroleague etablieren und mittelfristig auch dort um den Titel spielen. Dafür will Vereinspräsident Uli Hoeneß auch die Gehälterdistanz zu den Schwergewichten wie FC Barcelona oder ZSKA Moskau verringern.

Sportdirektor und Geschäftsführer Marko Pesic erklärt vor dem Start der neuen BBL-Saison die Bayern-Vision und zeigt Respekt vor der deutschen Konkurrenz. (BBL-Auftakt: ratiopharm Ulm - FC Bayern München am Freitag ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM)

SPORT1: Uli Hoeneß ist für den FC Bayern Basketball…

Marko Pesic: "…unser Präsident, unsere Lokomotive. Er ist die entscheidende Figur und bringt spätestens am Schluss auch seine Meinung ein. Er hat eine sehr gute Mischung gefunden. Einerseits die Leute arbeiten zu lassen, damit diese Eigeninitiative und Eigenverantwortung tragen. Und auf der anderen Seite, wenn er gebraucht wird, zu helfen. Das ist nicht so einfach. Denn manchmal tendieren starke Persönlichkeiten dazu, zu viel oder zu wenig zu machen. Aber er hat eine Mitte gefunden. Und er ist immer da."

SPORT1: Hoeneß will die Gehälterdistanz zu den europäischen Topteams in den kommenden Jahren verkleinern.

Pesic: "Was wir über die letzten zwei, drei Jahre aufgebaut haben, wird früher oder später dazu führen, dass wir die Gehälter weiter entwickeln und der Verein sich weiter entwickelt. Gleichzeitig denke ich, dass die Vereine, die jetzt so viel Geld zahlen, das nicht mehr ewig so machen werden und sich nach unten entwickeln. Man kommt sich also entgegen."

SPORT1: Wollen Sie wirklich erst 2021 eine "echte Rolle" in der Euroleague spielen?

Pesic: "Wie definiert man Geduld? Geduld heißt für mich nicht: Hinsetzen und warten, sondern weiterhin das Maximum zu geben, um dahinzukommen, wo man hin will. Das bedarf Geduld. Wenn er (Hoeneß) sagt: 2021 wollen wir da sein, dann ist das ein strategisch sinnvoller Plan, ein bisschen konservativ vielleicht. Wenn das 2019 passiert, wäre das super. Aber es muss immer von der Konstanz und Kontinuität passen. Das heißt: Wenn man 2019 schon zu den besten sechs Mannschaften Europas gehören sollte, darf das keine Eintagsfliege sein. So, wie wir uns in der BBL stabilisiert haben, so soll es auch in der Euroleague werden. Es hat sieben Jahre gedauert, bis wir das Double gewonnen haben. Ich würde sofort unterschreiben, wenn mir jemand garantieren würde, dass wir in sieben Jahren den Titel in der Euroleague gewinnen. Aber du weißt nie, was passiert. Aber es ist realistisch, dass wir, wenn die neue Halle da ist, zu den europäischen Spitzenvereinen gehören."

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SPORT1: Wie hat sich der Stellenwert der Basketball-Abteilung im Klub geändert?

Pesic: "Hundertprozentig. Bei der US-Tour wurde ich von den Fußballern eingeladen. Natürlich war ich mit dem Double in einer guten Situation. Die Legenden des FC Bayern, Matthäus, Elber, Demichelis, waren alle informiert. Sie haben alle gratuliert. Unser komplettes Präsidium ist ohnehin an Bord. Man hat das Gefühl, dass wir nicht nur wahrgenommen werden, sondern eine Rolle spielen im Gesamtverein."

SPORT1: Warum wird die BBL nicht einseitig?

Pesic: "Das ist eine Momentaufnahme. Das kann im März wieder anders aussehen, wenn Bamberg wieder Erster ist. Wir sind weit davon entfernt, eine Vorherrschaft von Bayern München zu haben. Ich weiß, wie schwer es war, hierhin zu kommen. Wir müssen uns weiter entwickeln. Nur weil man die höchsten Gehälter zahlt, bedeutet das nicht, dass man Meister wird - wie man an Bamberg im letzten Jahr gesehen hat. Gehälter sind eine gute Voraussetzung, aber keine Garantie."

SPORT1: Wer ist Ihr größter Konkurrent: Bamberg oder ALBA?

Pesic: "Ich glaube, dass Bamberg eine sehr gute Mannschaft hat. Wer Tyrese Rice holt, kann finanziell nicht so schlecht sein. Ich glaube, dass Bamberg auf jeden Fall eine bessere Saison haben wird. Ich weiß ganz genau, wie Bamberg funktioniert. Dass sie sich für die Champions League entschieden haben, hat wenig mit Geld zu tun, sondern mit einer Perspektive, die sie in diesem Wettbewerb sehen, und das muss man respektieren. ALBA wird versuchen, das zu wiederholen, was sie letztes Jahr geschafft haben. Ulm wird sicherlich besser sein. Oldenburg hat eine sehr gute Mannschaft und spielt keinen internationalen Wettbewerb. Ich halte sehr viel von Frankfurt. Würzburg wird eine sehr gute Saison spielen."

SPORT1: Was sind Ihre Ziele für die Saison?

Pesic: "Wir wollen etwas, das uns 2014/2015 verwehrt geblieben ist: den Meistertitel verteidigen. Das ist das erste Ziel. Das zweite ist, dass wir eine gute Rolle in der Euroleague spielen. Unabhängig vom Ergebnis. Ich will, dass wir uns gut präsentieren. Dass wir alle das Gefühl bekommen, dass Bayern München in der Zukunft eine gute Rolle spielen kann. Das ist ein Orientierungsjahr. In der Infrastruktur, dass der Audi Dome voll ist, dass wir die Leute bewegen. Dass sie wissen, wie Bayern spielt, dass die Spieler auf der Straße erkannt werden. Daran arbeiten wir."

SPORT1: Was hat sich seit Djordjevic' Entlassung verbessert?

Pesic: "Sehr viel. Es kann zum Beispiel keine gut funktionierende Mannschaft ohne junge Spieler geben. Wenn sich ein Verein entwickeln will, müssen junge Spieler Teil dieser Entwicklung sein. Wir investieren sehr viel Ressourcen und Zeit in die Jugendabteilung. Die Verbindung zur ersten Mannschaft bestand in den letzten zwei Jahren nicht. Das wollen wir wieder aufbauen. Dejan Radonjic kennt das nicht anders. Einem jungen Spieler darfst du keine Spielzeit garantieren. Aber du musst ihm eine Chance garantieren. Das hat eine Bedeutung für die gesamte Entwicklung des Vereins.