Die Kirchheim Knights spielen in der ProA, der zweiten Liga im deutschen Basketball
Die Kirchheim Knights spielen in der ProA, der zweiten Liga im deutschen Basketball © Imago
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München - Das Coronavirus erfasst auch den deutschen Basketball. Ein Klub-Boss schildert bei SPORT1 die Auswirkungen auf sämtliche Bereiche.

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Die Corona-Pandemie macht der Sportwelt schwer zu schaffen.

Zahlreiche Ligen und Events wurde bereits abgebrochen, abgesagt oder verschoben. Insbesondere mittelgroße Vereine treffen die finanziellen Einbußen hart, wie das Beispiel Basketball zeigt.

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Während der Spielbetrien der Basketball-Bundesliga vorerst pausiert, ist die Saison in der Pro A, der zweiten deutschen Liga im Basketball, komplett abgebrochen worden.

Die sportlichen Auswirkungen dieser Entscheidung sind schnell erzählt. "Sportlich gesehen haben jetzt zwei Mannschaften das Aufstiegsrecht erhalten und es gibt in dieser Saison keinen Absteiger", erklärt Chris Schmidt, Geschäftsführer Sport beim Pro-A-Klub Kirchheim Knights, im Gespräch mit SPORT1. Er ergänzt: "Nun muss man abwarten, wie es sich in der BBL mit Auf- und Abstieg weiter verhält."

Chris Schmidt ist Geschäftsführer Sport der Kirchheim Knights
Chris Schmidt ist Geschäftsführer Sport der Kirchheim Knights © Tanja Spindler

Die Entscheidung zum Abbruch sei bei einer Ligasitzung "einstimmig" erfolgt, so Schmidt. Die, vor allem im Fußball, vieldiskutierten Geisterspiele seien aber keine Option gewesen. "Die Pro A war bereits kurz vor Saisonende, daher ist unsere Situation eine andere wie im Fußball oder in der BBL. Da im Moment niemand sagen kann, wie lange die aktuelle Lage noch anhält, entschieden wir auf einen vorzeitigen Abbruch – auch aus Sicherheitsgründen."

"Ein Einschnitt für alle Teams"

Vor allem die amerikanischen Spieler der Knights nahmen diese Entscheidung positiv auf. "Die Unsicherheit der letzten Tage hat bei einigen von ihnen zu einer Art Unwohlsein geführt. Jetzt waren sie einfach erleichtert, dass es eine Entscheidung gab. Sie hätten gerne weitergespielt, aber hätten sich unwohl gefühlt, wenn die Liga abgewartet hätte", schildert Schmidt seine Eindrücke von den Gesprächen mit den Spielern nach der Liga-Entscheidung.

Für Schmidt ist aber klar, dass die Entscheidung "wirtschaftlich betrachtet ein Einschnitt für alle Teams" darstellt.

Für die Mannschaften in der zweithöchsten deutschen Basketball-Liga sieht er wirtschaftlich vor allem zwei Probleme aufkommen. Zum einen seien dies die Verluste der laufenden Saison durch entgangene Heimspiele, zum anderen die fehlende Planungssicherheit für die kommende Spielzeit.

"Jetzt stehen eigentlich die Planungen für die kommende Saison an, aber durch die Auswirkungen des Coronavirus auf alle Wirtschaftsbereiche ist es auch für unsere Partner und Sponsoren eine sehr schwierige Situation", sagt Schmidt.

Wie viele andere Teams der Liga generieren die Knights ihre Einnahmen hauptsächlich durch Ticketverkäufe und Sponsoren. Letztere sind beim Klub am Fuße der schwäbischen Alb zu großen Teilen regional verwurzelte Unternehmen. Diese werden von der Coronakrise ebenfalls mit voller Wucht getroffen.

"Niemand weiß, welches Budget wir haben werden"

Ohnehin müssen die Kirchheimer im Normalfall kleinere Brötchen backen im Vergleich zu manchem Liga-Konkurrenten. "Die Knights sind in der zweiten Liga ein Team mit eher kleinerem Budget, was natürlich auch mit der Größe der Halle (max. 1500 Zuschauer; Anm. d. Red.) und der Stadt (ca. 40.000 Einwohner; Anm. d. Red) zusammenhängt", erzählt Geschäftsführer Schmidt. Daher sei die fehlende Planungssicherheit im Hinblick auf das kommende Jahr "deutlich gravierender" als die fehlenden Einnahmen im laufenden Jahr.

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Schmidt erklärt: "Das macht es für uns natürlich kompliziert zu planen oder Verträge zu fixieren, da niemand weiß, welches Budget wir in der kommenden Saison zur Verfügung haben werden." Daher habe man auch alle Vertragsgespräche für die kommende Saison "vorläufig unterbrochen, auch mit Spielern, wo wir schon relativ weit waren."

Eine ideale Planung für die kommende Saison sieht anders aus. Auch die Liga hat bereits reagiert. So müssen die Pro-A-Teams am Stichtag 15. April die geforderten Unterlagen für die Einreichung der Lizenz nicht vollständig abgeben.

Dennoch sei aktuell die Arbeit "sehr riskant", berichtet Schmidt und erklärt: "Im Moment ist es unglaublich schwierig abzuwägen, welchen Vertrag schließe ich ab und welchen nicht. Das könnte dann dazu führen, dass der eine oder andere Klub über das Ziel hinausschießt, was finanzielle Probleme zur Folge hat."

Schmidt: Ein "entscheidender Faktor"

Während der deutsche Staat für zahlreiche Bereiche bereits umfangreiche finanzielle Unterstützung angekündigt hat, ist bei den Pro-A-Klubs noch nichts bekannt. "Sollte es dazu kommen, wird uns die Liga diese Informationen zur Verfügung stellen."

Die Bewältigung der drohenden finanziellen Probleme mit staatlicher Hilfe ist für Schmidt im Moment kein Thema. Stattdessen setzt er auf heimische Tugenden. "Wir würden erst einmal dazu tendieren, nach schwäbischer Tradition, den Gürtel enger zu schnallen und nur im Notfall auf so etwas zurückgreifen."

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Doch auch dem Geschäftsführer des Basketball-Zweitligisten ist klar, dass die Coronakrise erheblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Sportart in Deutschland nehmen wird. "Es ist klar, dass es vor allem auf den Geldmarkt im Basketball erhebliche Auswirkungen hat. Es wird weniger Geld im Umlauf sein, dementsprechend werden die Gehälter sinken und auch die Rahmenbedingungen werden sinken", sagt Schmidt. Ein "entscheidender Faktor", wie drastisch die Einschnitte werden, hänge vor allem davon ab, wie lange diese Situation noch annhalte.

Jeder weitere Tag spitzt die Situation nicht nur im Sport zu. Bereits jetzt sind die Auswirkungen enorm.